KGV Eichenbühl verschiebt Jubiläum

Neu-Isenburger Kleingärtner feiern erst 2022

Liebevoll gepflegt präsentieren sich die 398 Gärten des KGV Eichenbühl.
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Liebevoll gepflegt präsentieren sich die 398 Gärten des KGV Eichenbühl.

Eigentlich wollte der Kleingartenverein Eichenbühl in diesem Jahr seine Geburtstagsfeier zum 100-jährigen Bestehen nachholen. Doch die Pandemie macht erneut einen Strich durch die Rechnung.

Neu-Isenburg – Auf mehr als 100 Jahre kann die schmucke Kleingartenanlage Eichenbühl im Nordosten von Neu-Isenburg zurückblicken. Sie wurde 1920 offiziell eröffnet und für das vergangene Jahr war eine entsprechend große Jubiläumsparty über drei Tage geplant. Als Höhepunkt konnte gar die hessische Kultband Rodgau Monotones verpflichtet werden. Doch von einer rauschenden Party war angesichts der Corona-Pandemie 2020 keine Rede.

Das Organisationsteam um Bernd Vonderschmidt setzte auf dieses Jahr. Doch die Hoffnung, dass diesmal „alles glattgeht“, erweist sich mittlerweile als illusorisch. Die Jubiläumssause soll nun im Juni 2022 über die Bühne gehen.

„Einen genauen Termin können wir noch nicht nennen, dafür ist alles zu ungewiss“, berichtet Vonderschmidt. Er hofft, im Spätsommer mehr sagen zu können. An dem Jubiläumsfest soll aber festgehalten werden, so zumindest die gute Nachricht. Vonderschmidt freut sich darüber, dass die Sponsoren weiter an Bord bleiben.

Das Leben in der schönen Kleingartenanlage geht jedoch weiter, hier hat Corona kaum Auswirkungen – mit der Ausnahme, dass Garten-Partys nicht erlaubt sind. Recht still ist es aber um das Vereinshaus mit der Gaststätte „Sonnenhof“ geworden. „Hier hat Corona richtig zugeschlagen“, beschreibt Vorsitzender Klaus Kroll die Situation. Neben den fehlenden Einnahmen ist das gesellschaftliche Leben vollständig zum Erliegen gekommen. Die beliebte Gaststätte mit einem großen Außengelände ist weiterhin im Dauerschlaf. Das Babbeleck ist dagegen zum Treff für Eichelhäher geworden – die gefiederten Freunde genießen die ungewohnte Ruhe.

Die meisten Pächter nutzen aktuell trotz der eher kühlen Temperaturen den Frühling, um ihre Parzellen für den Sommer vorzubereiten. „Es wird höchste Zeit, dass es warm wird, die Tomaten und Zucchini im Gewächshaus müssen endlich raus“, sagt ein Gartenbesitzer. Auf den Hochbeeten gedeihen auch schon Kohlrabi und Salat. „Nichts geht über frisches Gemüse – vom Beet auf den Teller“, sagt er.

Auf einem anderen Grundstück rattert ein Rasenmäher. Doch wohin mit dem Grünabfall? Den müssen die Kleingartenbesitzer jetzt selbst beim Dienstleistungsbetrieb entsorgen. Derzeit ist der Kompostplatz, dort, wo die Kleingartenbesitzer ihren Grünabfall deponieren konnten, gesperrt. „Der Grünabfall wurde bisher vom DLB kostenlos entsorgt, was aber nicht mehr geht“, erklärt Vonderschmidt. Denn neben den Kleingärtnern deponierten auch Fremde dort ihren Abfall – und zwar nicht nur Grünabfall. „Wir haben Verständnis, dass wir nicht alles kostenlos haben können, wollen aber künftig auch sicherstellen, dass nur Besitzer unserer Kleingartenanlage dort ihren Grünabfall deponieren können“, so Vonderschmidt. Derzeit ist der Vorsitzende Klaus Kroll dabei, mit dem DLB und der Stadt Neu-Isenburg eine praktikable Lösung zu finden.

Anlass für die erneut verschobene Jubiläumsparty ist der 28. Januar 1920. An diesem Mittwoch wurde der Kleingartenbauverein um den ersten Vorsitzenden Ernst Bochnik im Neu-Isenburger Gasthaus „Harmonie“ gegründet. Im Gründungsjahr wurde begonnen, das rund 20 Hektar große Waldgelände im Nordosten der Stadt zu vermessen, zu parzellieren und durch Losziehung zu verteilen. Das Waldgelände, auf dem vorwiegend alte Eichen standen, wurde gerodet und urbar gemacht. Deshalb auch der Name „Eichenbühl“. Noch im ersten Jahr wurden 1 500 Obstbäume gepflanzt. Schnell wuchs die Mitgliederzahl auf 300. Die Idee der Gründungsväter blühte und gedieh buchstäblich auf. Es entstand ein grünes Idyll auf liebevoll gepflegten Parzellen. Das Vereinsgelände mit seinen 398 Gärten wird durch die Autobahn A 661 geteilt. Im nördlichen Teil befindet sich der Sonnenhof, die bereits erwähnte Vereinsgaststätte, mit gemütlichem Biergarten und einer Halle.

Im Lauf der Jahre hat sich generell die Bedeutung der Gärten gewandelt, wurden sie anfangs häufig als Nutzgärten für die Selbstversorgung angelegt, dienen sie heute vermehrt der Erholung, Freizeitgestaltung und der Naturerfahrung. Mit dem städtischen Wachstum und dem zunehmenden Wunsch nach mehr Natur stieg die Attraktivität von Kleingärten. Sie sind mittlerweile ein Kleinod für die Gesamtstadt und haben einen hohen ökologischen Wert. Obwohl es Vorgaben zur Gestaltung und Bebauung gibt, werden die Gärten individuell hergerichtet. Sie bieten auch der Vogelwelt eine Heimat. Im Eichenbühl lebt beispielsweise der seltene Gartenrotschwanz. In den vergangenen Jahren überstieg die Nachfrage nach Kleingärten das Angebot. Das hat sich durch Corona nicht geändert.

(Von Leo F. Postl)

Es ist nicht absehbar, wann die Vereinsgaststätte wieder genutzt werden kann.

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