Naturschützer bauen Unterschlupf für Insekten, Igel und Co.

Neu-Isenburger Pflegeeinsatz am Gehspitzweiher

Naturschutz mit Muskelkraft: Ortsgruppenvorsitzender Heinz Kapp (links) sammelt mit den NABU-Jugendlichen Sarah Weisbecker, Ozan Nehia und Katharina Rittmeyer größere Steine von einer Sandbank ein.
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Naturschutz mit Muskelkraft: Ortsgruppenvorsitzender Heinz Kapp (links) sammelt mit den NABU-Jugendlichen Sarah Weisbecker, Ozan Nehia und Katharina Rittmeyer größere Steine von einer Sandbank ein.

Naturschützer aus Neu-Isenburg haben sich zu einem Pflegeeinsatz am Gehspitzweiher getroffen. Nachdem ein erster Termin vor zwei Wochen wegen des Winterwetters abgesagt werden musste, klappte es nun. Ziel war es, einen Steinhaufen als Rückzugsort für Eidechsen, Frösche, Insekten, Ringelnattern und Mäuse zu schaffen.

Neu-Isenburg – Auch ein Naturschutzgebiet kann man nicht so einfach sich selbst überlassen. Der Mensch muss hin und wieder regulierend eingreifen, soll für die Natur ihr dort angedachter Schutz auch erfolgreich umgesetzt werden. Dies trifft auch für das Naturschutzgebiet Gehspitzweiher zu, das vor allem ein Rast- und Überwinterungsareal für Zugvögel darstellt, aber auch vielen heimischen Arten eine Entfaltungsmöglichkeit – ja: Überlebenschance – bietet. Größte Voraussetzung fürs Gelingen ist ein möglichst störungsfreies Areal. Aber auch dem unerwünschten „Wildwuchs“ muss hin und wieder Einhalt geboten werden.

Der Gehspitzweiher gehört zwar zur Gemarkung der Stadt Frankfurt, aber aufgrund einer Vereinbarung obliegt HessenForst und der Stadt Neu-Isenburg die Pflege und die Überwachung der Einhaltung der Regeln. Der Neu-Isenburger Naturschutzbund (NABU) bringt sich vor allem mit „handwerklichen“ Pflegemaßnahmen ein, ebenso die Jugend der Ortsgruppe.

Bereits vor zwei Wochen war eigentlich wieder einmal ein Pflegeeinsatz anberaumt worden, doch die Schneelage nebst Eiseskälte funkten dazwischen; die Aktion musste verschoben werden. Jetzt am Samstag herrschte bestes Wetter – aber es war auch höchste Zeit, die angedachten Arbeiten aufs Gleis zu setzen. „Einige Vögel inspizieren schon Nistkästen, junge Vorjahresvögel üben vorsichtig das Singen, bevor die Revierbesitzer einsteigen, und die ersten wärmeliebenden Insekten und Amphibien kommen aus ihren Winterquartieren gekrochen“, berichtet Heinz Kapp. Der NABU-Ortsgruppenvorsitzende traf sich am Samstagmorgen mit acht weiteren Naturschützern an der Westseite des Isenburger Bahnhofs, um gen Gehspitzweiher zu radeln. Dort trafen sie auf den NABU-Helfer Matthias Zapp sowie weitere drei Freiwillige – unter ihnen auch die Biologin Hildegard Dombrowe, die bis vor Kurzem in Diensten der Stadt Neu-Isenburg stand, Ende 2020 aber in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Die Arbeiten sind mit HessenForst abgesprochen und sie gehören zur Pflege der Flächen. Wir werden uns um die Nordspitze kümmern, sie ist schon durch das Forstamt Langen und von Matthias Zapp vorbereitet worden“, zeigt Kapp auf das Areal im Nordwesten des Weihers. Die Flächen dort sind sandige Hanglagen, die bis runter ans Wasser reichen und wichtig sind für wärmeliebende Arten wie die Ödlandschrecke, aber auch Libellen. Die Gänse nutzen die Bodenfläche zum Grasen von frischen Binsen.

„Wir wollen eine Fläche steinfrei machen und für Frösche, Molche, Insekten, Ringelnattern, Igel und Mäuse Steinhaufen als Unterschlupf am Hang aufbauen“, erklärt Kapp die anstehenden Arbeiten. Eine steinfreie Fläche macht zudem das Arbeiten mit dem Robo-Mulcher, einem ferngesteuerten Gerät zum Mähen und Auflockern des Untergrunds, leichter.

Also heißt es erst einmal: Steine sammeln und an den Steilhang schleppen. Dort werden dann mit Steinen und Holzstücken entsprechende „Unterschlupfhaufen“ aufgebaut. „Die kleinen Bodenkriecher brauchen solche Rückzugsorte, damit sie sich überhaupt ansiedeln – große freie Flächen mögen viele nicht“, erklärt Kapp.

Ganz zufrieden blickt auch Hildegard Dombrowe auf die große, mittlerweile zwar trocken gefallene Bodenfläche am westlichen Seebereich. „Ich finde es toll, dass hier nicht alles einfach platt gemäht wurde, sondern kleine Binsen- und Strauchinseln erhalten wurden“, freut sich die Biologin. Sie verweist darauf, dass bestimmte Schmetterlinge und Schnecken auch „altes“ Gras als Nahrungsquelle benötigen. „Zudem haben hier Frösche und andere größere Insekten eine Chance, den auf Jagd gehenden Reihern zu entwischen.“

Für die jungen Naturschützer ist es ein doppelt erfreuliches Erlebnis, bei den Pflegearbeiten mitzuhelfen. „Der Aufenthalt bei solch einem tollen Wetter an der frischen Luft ist nach dem langen Winter einfach toll – und wenn man sich dazu noch so nützlich einbringen kann, umso mehr“, spricht Sarah Weisbecker wohl für alle.

Heinz Kapp zeigt sich ebenfalls sehr erfreut, dass es doch noch gelungen ist, sozusagen auf den letzten Drücker, die wichtigen Arbeiten bei einem zweieinhalbstündigen Einsatz zum Wohle der zu schützenden Eidechsen, Schlangen aber auch Igel und Mäuse erledigen zu können.

Denn es zeigt sich am Samstag recht deutlich, dass die Natur nun mit aller Macht aus dem Winterschlaf erwacht. Ab dem 1. März beginnt mit der Brut- und Setzzeit, ein besonderer Schutzzeitraum für die Natur.

Von Leo F. Postl

Das ist kein Schutthaufen, sondern ein Neubau für Eidechsen, Frösche, Insekten, Ringelnattern und Mäuse: Hildegard Dombrowe schichtet Steine und Hölzer zu einem Unterschlupf auf. Links bringt Gesa Illing weiteres Material zu ihrer Mutter Irene.

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