Aus Verärgerung über den Wahlkampf

Neu-Isenburger SPD-Co-Vorsitzende verlässt Partei

Anette Schunder-Hartung hat die SPD verlassen.
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Anette Schunder-Hartung hat die SPD verlassen.

Paukenschlag bei der SPD: Aus Verärgerung über den bundespolitischen Wahlkampf ihrer Partei ist die Neu-Isenburger Co-Vorsitzende Anette Schunder-Hartung aus der SPD ausgetreten. Auch ihr Stadtverordnetenmandat gibt die Kommunalpolitikerin, die bisher auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende war, zurück.

Neu-Isenburg - Den SPD-Bürgermeisterkandidaten will sie aber weiter unterstützen. Im Oktober ist die Gründung eines überparteilichen Stammtischs geplant. Schunder-Hartung, die seit rund 20 Jahren Parteimitglied war, begründet ihre Abkehr damit, dass die SPD ihre Rolle als Partei der Arbeit völlig unzureichend ausgefüllt habe. „Was hier aus uns allen wird, halte ich für eine zentrale Herausforderung der Zukunft“, führt die gelernte Rechtsanwältin aus. „In diesem Bereich moderiere ich immer wieder zahlreiche Kongresse, berate Wirtschaftskanzleien und sehe, wie schnell sich der Markt in jeder Beziehung verändert. Hier wird langfristig nicht nur in der Industrie, sondern auch bei hochwertigen Dienstleistungen kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Bald bekommen wir es wirklich mit selbstlernenden Algorithmen zu tun – die und große Datenpoole ersetzen dann auch viele Angestellte.“ Im Freizeitbereich werde das Konsumverhalten völlig durcheinanderwürfelt. Wie können in einer globalisierten Welt menschliche Arbeitsplätze gesichert werden? Wie lässt sich verhindern, dass Bürgerinnen und Bürger als Nur-noch-Konsumenten zu Wählern zweiter Klasse werden und Kinder in einer Welt aufwachsen, in der wieder Oligarchien herrschen? „All diese brennenden Zukunftsfragen werden mir viel zu sehr an den Rand gedrängt“, bedauert Schunder-Hartung.

Dass sie ihr Stadtverordnetenmandat und ihre Sitze in Bauauschuss und DLB zurückgibt, sei eine Frage des Anstands. „Mein Verhältnis zum Ortsverein ist nach wie vor sehr gut. Da hätte das tatsächlich auch nicht sein müssen – zumal ich ja von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt worden bin.“ Allerdings wäre es nicht fair gewesen, sich für die SPD aufstellen zu lassen und dann als parteilose Politikerin einen Sitz für eine nachrückende SPD-Kraft zu blockieren. Deshalb habe sie nach einem Gespräch mit dem Fraktionschef auf eigenen Wunsch ihr Mandat niedergelegt.

Den SPD-Bürgermeisterkandidaten Gene Hagelstein unterstützt Schunder-Hartung weiterhin: „Gene ist ein hoch erfahrener, hervorragend vernetzter Mann, der zudem sehr viel Sozialkompetenz besitzt. Damit hat er genau die Führungsqualitäten, die unsere Stadt in eine gute Zukunft führen können.“ Auch Schunder-Hartung selbst wird sich nicht völlig aus der Kommunalpolitik zurückziehen. Neben ihrem Engagement in mehreren Vereinen wie der Flüchtlingshilfe, dem GHK oder dem Altstadtverein Pour l’Yseboursch soll nach den Wahlen in dem überparteilichen Stammtisch „Isenburger Initiative 22“ außerparlamentarisch weiter diskutiert werden. Interessierte können sich melden unter anette.hartung@gmx.de.  hok

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