Hausbesitzer bekommt von der Stadt Frist gesetzt

Neu-Isenburger Streit um Unkraut schwelt weiter

Der Stein des Anstoßes ist das an den Pflanzenkübeln gewachsene Grün. Die Stadt fordert vom Hausbesitzer Dieter Kasper, dieses zu beseitigen.
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Der Stein des Anstoßes ist das an den Pflanzenkübeln gewachsene Grün. Die Stadt fordert vom Hausbesitzer Dieter Kasper, dieses zu beseitigen.

Die Pflänzchen vor dem Haus von Dieter Kasper in der Ludwigstraße in Neu-Isenburg sind ein wenig in die Höhe gewachsen. Das Grün, das sich durch die Pflastersteine an den städtischen Blumenkübeln am Rande der Fußgängerzone drückt, wird jetzt ernsthaft zum Streitfall.

Neu-Isenburg - Wie bereits berichtet, wurde der Isenburger vom Ordnungsamt der Stadt aufgefordert, den Bewuchs zu entfernen. Kasper selbst mag die grüne Note vor der Haustür, sieht sie als ein Stück Natur in der grau bepflasterten Straße und beobachtet auch Insekten, die sich an den Blütenköpfen laben. Am 21. Juli bekommt Kasper Post aus dem Rathaus, darin schreibt das Ordnungsamt, dass der „ökologische Effekt der Spontanvegetation auf dem Verbundpflaster“ gering sei, die Bürger sich bei der Neugestaltung der Fußgängerzone dazu bereit erklärt hätten die Pflege zu übernehmen und er das Beikraut bis zum 4. August zu entfernen habe.

„Daraufhin habe ich erneut ans Ordnungsamt geschrieben“, berichtet Kasper. „Die Bepflanzung war vor der Neugestaltung der Fußgängerzone vor einigen Jahren deutlich größer. Meine Frau hat die neuen Töpfe zu Beginn sogar selbst bepflanzt, bis wir uns widerstandsfähigere Pflanzen gewünscht haben, weil unsere Blumen immer wieder rausgerissen wurden“, erklärt er, dass der DLB dann die Bäumchen gesetzt habe. Er beteuert, dass er das Areal unter den Kübeln akribisch sauber halte: „Ich kehre die Zigarettenkippen weg und entsorge auch alles, was abgestorben und braun ist, aber ich will das wenige Grün das dort wächst, nicht entfernen“, hält er fest. Die wachsenden Kräuter sind auch in seinen Augen nur ein sehr kleiner ökologischer Tropfen. Aber: „Sie könnten in den Köpfen wirken und Anlass geben, eine im vergangenen Jahrhundert von Bürgermeister Maier unterschriebene Satzung über die Straßenreinigung zu aktualisieren und dabei eine Entsiegelung von Flächen zu fördern. Insektenfreundlich angelegte Bereiche sind von hohem Wert. Insofern ist die Sichtbarwerdung von wenigen Kräutern in der Steinversiegelung ein Hoffnungszeichen für viele“, meint Kasper.

Er hat damit aber keinen Erfolg bei der Behörde. Nachdem die Frist verstrichen ist, erreicht ihn erneut ein Brief. Diesmal wird es ernst: Das Rathaus räumt eine letzte Frist ein, den Bewuchs vor seiner Haustür zu entfernen. Andernfalls leitet das Rathaus eine sogenannte Ersatzvornahme ein. Aus dem Beamtendeutsch übersetzt: Die Stadt beauftragt ein Unternehmen, das Grün zu entfernen und die Rechnung bekommt Kasper. In dem Brief sind die Kosten auf „ca. 500 Euro“ geschätzt.

„Das ist nun echt ein Ding“, findet Kasper, „drei Kräuterhalme zu entfernen soll 500 Euro kosten? Ich werde jetzt Widerspruch einlegen, auch wenn mich das Geld kostet.“ Nach dem ersten Artikel in unserer Zeitung gab es schon Anrufe von Fernsehsendern. „Ich wollte das nicht, ich will die Stadt keinesfalls lächerlich machen. Aber andererseits weiß ich mir nicht zu helfen“, kündigt er an, mit den Medien zu sprechen.

Erster Stadtrat Stefan findet „den Konflikt fast schon ein bisschen peinlich“. Aber er stellt auch klar, dass es keine Extrawurst geben kann. „Wir müssen fair bleiben. Wir bekommen jeden Tag Hinweise, wo Pflanzen wachsen, wo sie nicht wachsen dürfen und jeder Bürger muss sie dann entfernen. Ich kann nur an die Vernunft des Anwohners appellieren. Der gepflasterte Bereich der Fußgängerzone ist nun mal keine Grünfläche, auch wenn Herr Kasper dies persönlich vielleicht anders beurteilt“, sagt er. Die Ersatzvornahme sei nur angedroht worden, weil sich der Hauseigentümer so resistent gezeigt habe. Der Brief sei ein rein verwaltungsfachlicher Vorgang und seine Mitarbeiter entscheiden nach den geltenden Gesetzen, vor allem aber nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Bürger.

Die Stadt wolle sich keinesfalls an den Kosten für die Reinigung bereichern. Die Rechnung für das Saubermachen werde nur an den Hausbesitzer weitergereicht. Schmitt räumt ein, dass die Versiegelung an dieser Stelle hoch sei: „Aber es handelt sich ja auch um ein Innenstadtgebiet mitten in der Fußgängerzone, in der die Stadt extra Pflanzkübel seinerzeit errichtet hat.“

Von Nicole Jost

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