Halbzeit im Prozess gegen 58-Jährigen, der Aufenthaltstitel gefälscht haben soll

Neu-Isenburger streitet alles ab

Vor dem Landgericht Darmstadt muss sich ein 58-Jähriger Neu-Isenburger wegen Verstößen gegen das Ausländergesetzt verantworten.
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Vor dem Landgericht Darmstadt muss sich ein 58-Jähriger Neu-Isenburger wegen Verstößen gegen das Ausländergesetzt verantworten.

Halbzeit im Prozess um Verstöße gegen das Ausländergesetz. Sieben Verhandlungstage sind um, noch einmal so viele geplant. Noch immer hält sich der 58-jährige Neu-Isenburger Angeklagte für unschuldig. Die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt steckt mitten in der Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen, deren Berichte sich größtenteils gleichen.

Neu-Isenbuirg/Darmstadt - 38-mal soll der in Albanien studierte Philosoph seinen Landsleuten gegen Gebühr beim Erlangen eines Aufenthaltstitels geholfen haben (wir berichteten). Das Kriminelle an der Sache: Er soll Unterlagen gefälscht und sich als Rechtsanwalt ausgegeben haben.

21 000 Euro und 5 000 Dollar soll der Mann zwischen 2011 und 2020 auf diese Weise erwirtschaftet haben. Er selbst behauptet: „Ich habe nur diesem Frankfurter Anwalt ausgeholfen, mich aber nie als solcher ausgegeben. Der hat mich 2017 angesprochen, weil er jemanden mit Sprachkenntnissen für seine Fälle mit dem Ausländeramt brauchte.“ Der Anwalt selbst kann leider nicht mehr befragt werden – er ist Anfang des Jahres verstorben. Der redegewandte Isenburger hat nach seiner Einwanderung 1989 in Gießen auch einige Semester Jura studiert, aber nie zum Abschluss gebracht. Vor seiner Inhaftierung arbeitete er als Fallmanager und Arbeitsvermittler bei Arbeitsagenturen, jobbte als Lkw-Fahrer am Flughafen.

Richtig böse wird die Anklage allerdings bei Fall Nummer 39, wo es um gefährliche Körperverletzung in der Nähe des Isenburg-Zentrums am 25. Januar 2019 geht. Hier spielte sich eine filmreife Szene ab, für die der Angeklagte verantwortlich sein soll. Staatsanwalt Dominik John wirft ihm vor, zwei Albaner damit beauftragt zu haben, dem Ex-Freund seiner Frau einen Denkzettel zu verpassen. Mit ihm hat sie eine kleine Tochter, regelmäßiger Kontakt ist also zwangsläufig vorhanden. Als Gegenleistung sollten die 22- und 25-Jährigen – beide in Deutschland nicht vorbestraft – Aufenthaltstitel bekommen. Nicht nur die Titel wurden nie erlangt, sondern die gesamte Aktion ging mehr als in die Hose.

Als die jungen Männer den 46-Jährigen mit Fäusten und Tritten gegen den Kopf niederstrecken, zieht dieser im Liegen ein Messer und sticht dem 25-Jährigen vier mal in die Herzgegend. Der Schwerverletzte schleppt sich noch ein paar hundert Meter weiter und verstirbt auf der Straße. Sein Kumpel flieht in die Heimat, offenbart sich aber später in einer E-Mail an die Anwältin seines Onkels in der Region. Der soll die Neffen zum Tatort gefahren haben. Gegen ihn lief deshalb ein Verfahren wegen Beihilfe, wurde aber mangels Beweisen eingestellt – man konnte nicht sicher sein, dass er von dem strafbaren Vorhaben gewusst hatte.

Nun kam der 22-Jährige überraschend zurück nach Deutschland und konnte als Zeuge vernommen werden. Dabei belastete er sich selbst und den Isenburger schwer, wiederholte das Geständnis aus der E-Mail. „Ja, ich habe zugeschlagen. Er hat uns versprochen, die Titel zu besorgen, wenn wir dem Mann ‘was auf die Nuss hauen’. Er hat uns vorher im Auto zu der Stelle gefahren, wo wir ihm auflauern sollten!“, so der Zeuge. Der 58-Jährige streitet den Auftrag ab und führt abstruse Begründungen an: „Wenn ich ihn im Auto mitgenommen hätte, dann müsste er ja wissen, wie mein Cockpit aussieht. Sehen Sie, das weiß er nicht. Also stimmt das auch nicht!“

Kammer und Staatsanwaltschaft sehen das allerdings anders. Sie halten den Zeugen für sehr glaubwürdig. Mit dem Urteil wird Anfang Juli gerechnet.

Von Silke Gelhausen

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