TÄGLICH BROT FÜR BEREGOVO Erstmals seit Pandemiebeginn konnte Jutta Loesch in die Ukraine reisen

Neu-Isenburgerin unermüdlich im Einsatz

Unermüdlich für Beregovo: Jutta Loesch berichtet von ihrer jüngsten Reise in die Ukraine. Das rechte Bild zeigt sie mit einer altbekannten Bewohnerin des dortigen Diakonischen Zentrums vor der neu errichteten Kapelle, die besonderen Schutz fürs ganze Areal bedeutet.
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Unermüdlich für Beregovo: Jutta Loesch berichtet von ihrer jüngsten Reise in die Ukraine.

Schon seit vielen Jahren engagiert sich die Neu-Isenburgerin Jutta Loesch unermüdlich für ihre Hilfsaktion „Täglich Brot für Beregovo“, um bitterarme Menschen in der Westukraine zu unterstützen. Nun konnte sie erstmals nach Pandemiebeginn wieder dorthin fahren. Es wurde eine emotionale Reise.

Neu-Isenburg – „Auf die Welt kommt jeder Mensch, ohne sein Zutun – warum sollte man dies feiern? Da gibt es bessere Gründe“, so die Einstellung von Jutta Loesch zu Geburtstagen. Deshalb ging auch ihr 80. Wiegenfest am 13. Juni ziemlich geräuschlos vorbei. „Darüber gibt es kaum etwas zu erzählen, aber dafür über meine Reise in die Ukraine“, verweist Loesch auf ein anderes Thema, das ihr hingegen sehr am Herzen liegt.

Seit mehr als 15 Jahren unterstützten Isenburger über das von Loesch gegründete Hilfsprojekt „Täglich Brot für Beregovo“ die Diakonie in der westukrainischen Stadt Beregovo, um den dort bettelarmen Menschen das Leben zu erleichtern. Nun konnte die Gründerin erstmals seit Pandemiebeginn wieder in die Ukraine reisen. Mitten in der Nacht ging es los – und auch wieder mitten in der Nacht, eine Woche später, kam sie zurück. „Es war eine sehr anstrengende und auch abenteuerliche Fahrt, aber sie war wieder unvergesslich“, beschreibt die vitale „Achtzigerin“ den Kurzausflug ins Diakonische Zentrum von Beregovo. Und erzählt auch jetzt noch von „Erlebnissen, die noch so schwer auf der Seele liegen“.

„Es gibt Dinge, die man nach so langer Zeit einfach mal persönlich besprechen muss“, verweist Loesch auf viele Briefe und Telefonate, die sie in den letzten Monaten in Sachen „Täglich Brot für Beregovo“ geführt hat. Als sich jetzt eine Gelegenheit bot, mit einer Ärztin und einem Herzspezialisten nach Transkarpatien zu fahren, war sie sofort dabei. „Die beiden betreuen ebenfalls im Rahmen eines Hilfsprojekts ein Krankenhaus in Múnkacs (Mukatschewe), das liegt nicht weit von Beregovo“, erklärt Loesch die Hintergründe. In einem Kleinbus, dessen Interieur umgebaut wurde, machte sich das Trio auf den Weg. „Wir hatten den hinteren Teil des Buses so umgebaut, dass wir 200 Notfallkoffer mitnehmen konnten – als diese abgeladen waren, hatten wir dort unsere Ruhezone“, erzählt Loesch.

Für die abenteuerliche Fahrt durch Ungarn bekamen sie einen speziellen Korridor zugewiesen und durften auch nur bestimmte Tankstellen anfahren. Als es dann an der Grenze in die Ukraine etwas klemmte, holte Loesch ihre Zieharmonika hervor und spielte die Karpaten-Nationalhymne und fröhliche Lieder wie den Schneewalzer. „Das hat die Atmosphäre dann doch aufgehellt und ich hatte das Gefühl, plötzlich ging alles schneller“, beschreibt sie die musikalische Wirkung nach den vier Stunden Wartezeit. Als sie dann im Diakonischen Zentrum in Beregovo ankamen und sich das Tor öffnete, wurden sie von drei Männern begrüßt. „Denen kamen vor Freude, dass endlich wieder mal jemand aus dem Westen zu ihnen kam, die Tränen – und mir jetzt auch wieder“, sagt Loesch.

Überhaupt war die ganze Zeit im Diakonischen Zentrum von starken Emotionen geprägt. Voller Freude wurde ihr berichtet, dass der Staat jetzt kein Zugriffsrecht mehr auf das Gelände habe, da dort mit der fertiggestellten Kapelle ein „kirchliches Grundstück“ vorhanden – und das Areal somit besonders geschützt sei. Den „Stern von Bethlehem“ auf der Spitze der Kapelle haben Jutta Loesch und ihr Mann Matthias, Pfarrer i.R. der Marktplatzgemeinde, aus eigener Tasche gespendet.

Besonders schwer für Jutta Loesch waren die Nachrichten, dass einige ihrer langjährigen Ansprechpartner von Corona buchstäblich dahingerafft wurde. „Die Menschen wollen anderen helfen und infizieren sich dabei auch noch – einfach schlimm“, sagt Loesch. Sie fragte eine junge Frau, die sich vorsorglich im Demenzhaus um die Menschen kümmerte, wie lange sie hier täglich arbeite. Die Antwort: Fast jeden Tag 24 Stunden – sie lebt mit den Menschen dort. Viele Bewohner des Demenzhauses sind auch Oma und Opa jener Familien, die im Mutter-Kind-Haus leben. Auch dieses wurde mit Unterstützung des Neu-Isenburger Hilfsprojektes aufgebaut, wie auch das Altenwohnheim. So erfolgreich die große Unterstützung aus Hessen auch ist, so schwer trifft es doch immer wieder Einzelschicksale. „Ich habe von einer Frau erfahren, die eine Suppenküche geleitet hat und beim Ausfahren von Essen einen schweren Unfall hatte. Jetzt benötigt man über 20 000 Dollar, damit ihr geholfen werden kann – woher soll ich das Geld nehmen?“, fragt sich Loesch.

Dennoch kommt ihre Hilfe immer wieder an, so wie für einen mittlerweile jungen Mann. „Dieses Kind kam ohne Beine auf die Welt und wurde von der Familie wie ein Karnickel im Käfig gehalten. Jetzt habe ich ganz schnell einen Rollstuhl besorgt, damit er wenigstens etwas am Leben teilhaben kann“, so Loesch.

Um weiterhin wichtige Hilfe leisten zu können, werden weitere Spenden gesucht. Vor allem Kleidung, Bettwäsche, Schuhe, aber auch Rollatoren, Gehilfen, Brillen, Kindersachen und Spielzeug stehen ganz oben auf der Wunschliste aus Beregovo. Außerdem alles, was mit Hygiene und Körperpflege zu tun hat, wird von Bela Nagy, dem Leiter des Diakonischen Zentrums, gewünscht.

Entsprechende Spenden können nun auch wieder samstags in der Isenburger Sammelstelle abgegeben werden. „Ich bin dort und stehe für alle Fragen zur Verfügung“, hofft Loesch auf viel Unterstützer. „Ich kann die Welt und sicherlich auch nicht Beregovo retten, aber ich will so vielen Menschen wie möglich helfen“, betont die immer noch engagierte Gründerin des Hilfsprojekts.

Infos für Spender

Jeden Samstag zwischen 10 und 12 Uhr ist die Sammelstelle für Spenden in der Hermannstraße 52 in Neu-Isenburg geöffnet.

Von Leo F. Postl

Das Bild zeigt Jutta Loesch in Beregovo mit einer Bewohnerin des dortigen Diakonischen Zentrums vor der neu errichteten Kapelle, die besonderen Schutz fürs ganze Areal bedeutet.

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