Neue Bücherei wäre das Aus

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Die CDU-Fraktion in der katholischen Bücherei von St. Christoph, in der Mitte Fraktionsvorsitzender Stefan Schmitt mit Sonnhild Adam.

Gravenbruch - „Ich denke, dass in einer gemeinsamen Bibliothek das Flair verloren geht und auch das ehrenamtliche Engagement abnimmt“, bringt es Sonnhild Adam, die Leiterin der Bibliothek der katholischen St. Christoph, auf den Punkt. Von Leo F. Postl

Die Isenburger CDU-Fraktion nutze die Eröffnung des Stadtteilfestes in Gravenbruch, um sich dort in der evangelischen und der katholischen Bücherei über den „Stand der Dinge“ zu informieren.

Es gibt derzeit eine parlamentarische Initiative, nach dem Vorbild der Westend-Bibliothek auch in Gravenbruch eine „zentrale Dependance“ für den Ortsteil zu errichten. Als Standort ist die Ludwig-Uhland-Schule vorgesehen.

Die Eindrücke, welche die Fraktionsmitglieder beim Besuch der beiden kirchlichen Bibliotheken gewonnen haben, sind recht unterschiedlich. „Die eine hat mehr Medien, hier ist es das Flair, was die Leute anzieht“, beschreibt Kulturdezernent Theo Wershoven seine Eindrücke. Mit rund 18 000 Medien ist die Bibliothek der evangelischen Kirchengemeinde überaus gut bestückt, vergleichen mit den 5600 Medien der katholischen Bücherei. „Wir sammeln keine Bücher, wir wollen möglichst aktuell sein“, bringt Sonnhild Adam ein Argument ins Spiel, das die Sache wieder relativiert.

Viel Herzblut und persönliche Kontakte

Finanziert werden beide Bibliotheken von den Kirchengemeinden, den überregionalen Kirchenverbänden der jeweiligen Konfession – und der Stadt. Doch genau diese nicht unerhebliche Zuschussquelle würde bei der Einrichtung einer städtischen Dependance wegfallen. „Dann könnten wir nicht mehr weiter existieren, das wäre unser Aus“, wird Sonnhild Adam recht deutlich. Für sie ist es zwar vorstellbar, die beiden kirchlichen Bibliotheken mit der Schulbibliothek zusammen zu legen, doch das ehrenamtliche Engagement würde sich dann sicherlich „in Grenzen halten“.

Hier hat jeder sein Herzblut mit eingebracht und wir kennen die meisten Besucher persönlich“, beschreibt Adam, die seit sechs Jahren die katholische Bibliothek leitet, die Situation.

Es seien vor allem die persönliche Betreuung, die familiäre Atmosphäre und die sehr gut angenommenen Sonderaktionen, welche besonders die Migrantenfamilien mit ihren Kindern in die beiden kirchlichen Bibliotheken kommen lassen. „Erstlesebücher sind derzeit unser Renner“, betont Adam und verweist damit auf einen Kundenstamm, den man sich für die Zukunft aufbauen wollte. Auch vertrauen viele Besucher auf die persönlichen Ratschläge. „Was Sie lesen, das lese ich bestimmt auch gerne“, so lautet ein oft gehörter Wunsch.

Wir können nur warten, was auf uns zukommt“, meint auch Gerlinde Schmidt, die sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich in der Bibliothek von St. Christoph engagiert. An eine neue Umgebung könnte sie sich nur schwer, vielleicht gar nicht gewöhnen, meint sie. Eine sicherlich nicht einfache Ausgangslage für die Parlamentarier.

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