Stadt stellt Anna Held vor

Neue Frauenbeauftragte in Neu-Isenburg

Anna Held wird die neue Frauenbeauftragte der Stadt Neu-Isenburg. Die 31-Jährige tritt ihre Stelle zum 1. April an.
+
Anna Held wird die neue Frauenbeauftragte der Stadt Neu-Isenburg. Die 31-Jährige tritt ihre Stelle zum 1. April an.

Die Hugenottenstadt bekommt eine neue Frauenbeauftragte: Diese Woche hat der Magistrat Anna Held vorgestellt. Die 31-Jährige tritt ihre neue Stelle am 1. April an.

Neu-Isenburg - Drei Jahrzehnte lang war das Amt der Frauenbeauftragten in Neu-Isenburg eng mit dem Namen Gabriele Loepthien verbunden. Drei Jahrzehnte lang war sie Ansprechpartnerin für die weiblichen Beschäftigten der Verwaltung und hatte immer ein offenes Ohr für die Bürgerinnen, bis Loepthien Ende 2019 in den Ruhestand gegangen ist. Nun hat die Stadt die Stelle wieder besetzt.

Die Neue bringt viel Erfahrung mit. Bereits während ihres Romanistik-Studiums arbeitete Anna Held im Gleichstellungsreferat der Universität Stuttgart, vor allem für den Service Gender Consulting. Die Arbeit dort war für ihren beruflichen Werdegang wegweisend. Dort setzte sie sich viel mit feministischen Themen der Gegenwart, aber auch der Vergangenheit auseinander. Dadurch sind einerseits Vorträge zu verschiedenen Frauen (etwa Clara Zetkin, lange in Stuttgart ansässig und Begründerin des Internationalen Frauentags, oder zur zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie und ihren Töchtern) sowie eine Wanderausstellung zum 100-jährigen Frauenwahlrecht mit Wegbereiterinnen für Frauenrechte entstanden. Außerdem begann Anna Held, Kurz-Biografien für fembio.org zu schreiben, eine von Luise F. Pusch betriebene Webseite, die Frauenbiografien sammelt.

Eine der ersten Stationen nach dem Studium führte sie zum Schmetterling-Verlag, einem Sachbuchverlag für Fremdsprachendidaktik und dem Bereich politisches Sach-buch mit feministischen Titeln, unter anderem zu Geschlecht und Intersektionalität sowie zu jüdischem Leben und Nationalsozialismus.

Seit 2019 war Anna Held als Gleichstellungsbeauftragte im Rhein-Neckar-Kreis tätig. Als interne und externe Ansprechpartnerin für Gleichstellungsarbeit gehörte zu ihren Themen insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Gewalt gegen Frauen. Darüber hinaus hielt sie Vorträge und Workshops zu gendergerechter Sprache, Geschlechterrollen und Feminismus heute.

Eine Besonderheit in Neu-Isenburg ist die Verknüpfung der Arbeit der Frauenbeauftragten mit der historischen Aufarbeitung der Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland am Beispiel von Leben und Werk Bertha Pap-penheims (1859 bis 1936), deren Leben und Wirken die Seminar- und Gedenkstätte in der Zeppelinstraße gewidmet ist. Ein Aspekt der Arbeit, auf den sich Anna Held besonders freut. Neben ihrem privaten Interesse an Frauenbiografien hat sie in ihrer Masterarbeit über Frauen im italienischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Dabei stellte sie fest, dass die Sichtweise und Erfahrung von Frauen in weiten Teilen und damit die Errungenschaften und Erinnerungen von der Hälfte der Bevölkerung fehlen.

Deshalb liegt ihr die Aufarbeitung von Geschichte aus Sicht der Frauen und von Frauenbiografien besonders am Herzen. „Geschichte muss auch aus Frauensicht erzählt und ihre Leistungen anerkannt werden. Durch die Bekanntmachung von Frauenbiografien wie der von Bertha Pappenheim können Vorbilder geschaffen werden, die auch heute dienen können“, sagt Held. „Mein Anspruch ist, dass Frauen nichts, was unsere Welt zu bieten hat, vorenthalten wird, dass sie in allen gesellschaftlichen Entscheidungen mit bedacht und einbezogen werden. Die Sichtbarkeit von Frauen und ihre Sicht auf die Belange unserer Gesellschaft sind wertvoll und unerlässlich.“

Bürgermeister Herbert Hunkel begrüßt die neue Mitarbeiterin: „Wir freuen uns, mit Anna Held eine Mitarbeiterin gefunden zu haben, die aufgrund ihrer breit aufgestellten Erfahrung den großen Gestaltungsspielraum dieser Stelle voll ausschöpfen kann“, sagt der Rathauschef.

Dass die Neubesetzung der Stelle sich eine Weile hingezogen habe liege daran, dass eine bereits ausgewählte Kandidatin leider im letzten Moment abgesagt habe. Daraufhin habe der Magistrat die Stelle dann erneut öffentlich ausgeschrieben.  (hov)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare