Fischer an der Spitze

Neuer Ortsvorsteher in Gravenbruch

Gravenbruch - Die konstituierende Sitzung des Ortsbeirats Gravenbruch am Donnerstagabend hatte es in sich. Mit Edgar (Eddi Fischer) gibt es überraschenderweise einen neuen Ortsvorsteher. Auch zwei wichtige Themen standen gleich auf der Tagesordnung. Von Leo F. Postl 

Dirk Papenbrok (links) übergibt die Sitzungsglocke an den neuen Ortsvorsteher Eddi Fischer.

So wird der Magistrat beauftragt, mit dem Jugendzentrum Gravenbruch, dem Verein MoJa und der Polizei in Kontakt zu treten, um das Problem der an verschiedenen Stellen herumlungernden Jugendgruppe anzugehen. Und die Gravenbrucher fühlen sich vor den Kopf gestoßen, da sie aus der Presse erfahren mussten, dass im ehemaligen „Singh-Haus“ nun rund 70 Flüchtlinge untergebracht werden sollen (siehe Artikel unter). Zu den zehn Besuchern zählte Arne Röttger von der SSG Gravenbruch, der einen Antrag zu den Jugendlichen initiiert hatte. „Ich bin durch den Tod von Alois Veith an die Spitze des Ortsbeirates gekommen und mache heute das, was Veith gemacht hätte: Ich gebe die Glocke, die mir seine Tochter überreicht hat, an Eddi Fischer weiter“, überraschte der bisherige Ortsvorsteher Dirk Papenbrok die Versammlung. Hintergrund dieser Entscheidung ist das Ergebnis der Kommunalwahl im März. Fischer hatte, erstmals in der Geschichte von Gravenbruch, in allen Wahlbezirken und über alle Parteien hinweg die meisten „Persönlichkeitsstimmen“ erhalten. „Wir wollen den Willen der Bürger umsetzen.“ Deshalb schlug Papenbrok Fischer als neuen Ortsvorsteher vor. Die Wahl erfolgte einstimmig. Irene Linke (SPD) wurde ebenfalls einstimmig zur Stellvertreterin gewählt. Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner war erste Gratulantin.

Danach stand die Wahl von Doris Seng-Wlasak zur Schriftführerin an. Mit Ute Jelitte, Christiane Guckes, Dajana Kakas, Claudia Remy, Dzena Sabic und Irena Saueressig gibt es gleich sechs Stellvertreterinnen. Nicht umgesetzt werden konnte der CDU-Antrag, dass sich das Gremium „mindestens alle drei Monate“ zu einer Sitzung trifft. Wie Bürgermeister Herbert Hunkel erläuterte, schreibt die Hessische Gemeindeordnung (HGO) vor, dass die Gremien mindestens alle zwei Monate tagen müssen. Somit zog Papenbrok den Antrag zurück.

Mit einem weiteren Antrag an den Magistrat wollte Papenbrok den Einsatz der Streetworker auch auf Gravenbruch ausweiten. „Arne Röttger von der SSG berichtet vom zunehmend auffälligen Verhalten einiger - auch einschlägig polizeibekannter - Jugendlicher in Gravenbruch, das er, auch im Umfeld des Sportplatzes, mit Sorgen beobachtet“, sagte er zur Begründung. Der SSG-Vorsitzende berichtete von mehreren Vorkommnissen in jüngster Zeit, so auch beim Jugendturnier vor zwei Wochen, da habe man erst die „Sauerei“ auf dem Rasen beseitigen müssen. „Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr auf den Spielplatz jenseits des Sportgeländes, da sich dort entweder diese Jugendgruppe herumtreibt oder entsprechende Hinterlassenschaften herumliegen“, beschreibt Röttger, selbst Vater von zwei Kindern, die Ängste der Gravenbrucher. Selbst Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeiner dort Gassi gehen, werden „angemacht“. Auch vor dem dunklen Grünbereich am Tennisplatz sei die Jugendgruppe schon auffällig geworden.

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Hunkel erläuterte, dass die Streetworker auch nach Gravenbruch kämen, doch an manche Jugendliche komme man einfach nicht heran. Er möchte ein Gespräch initiieren, bei dem ein Jugendrichter und die Polizei den jungen Leuten aufzeigen, welche Folgen ihr Verhalten haben kann. Gelobt wurden die Mitarbeiter des Jugendzentrums. „Dort wird eine tolle Arbeit geleistet, aber außerhalb ihres Geländes sind die Mitarbeiter freilich machtlos“, so Mechthild Voigt (FDP). Auch Klaus-Peter Martin vom Jugendbüro sah in Gravenbruch Handlungsbedarf, dass nicht noch mehr Jugendliche in den Kreis dieser Gruppe abrutschen: „Manche Leute sind polizeibekannt, aber man muss ihnen auch etwas nachweisen können, deshalb scheuen Sie sich nicht, entsprechende Beobachtung sofort zu melden“, appellierte er an die Gravenburcher. Aber es sollten nicht alle Jugendlichen in einen Topf geworfen werden.

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