Mediziner der Frankfurter Uniklinik

Kinderarztpraxis bleibt bestehen: Neues Ärzte-Trio übernimmt

Die medizinische Versorgung von Kindern ist gesichert: Mit Anoosh Esmaeili, Jörg Brand und Adrian Bruno Lieb (von links) wechselt ein erfahrenes Fachärzte-Trio von der Uniklinik in die Isenburger Kinderarztpraxis.
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Die medizinische Versorgung von Kindern ist gesichert: Mit Anoosh Esmaeili, Jörg Brand und Adrian Bruno Lieb (von links) wechselt ein erfahrenes Fachärzte-Trio von der Uniklinik in die Isenburger Kinderarztpraxis.

Die Kinderarztpraxis in Neu-Isenburg kann weiter bestehen. Ein Ärzte-Trio ist dort zum Jahresanfang an den Start gegangen.

Neu-Isenburg – Im Augenblick ist kurz Ruhe eingekehrt am Donnerstagmittag in der Kinderarztpraxis in der Hugenottenallee. Das Praxisteam hat noch alle Hände voll zu tun, das Telefon klingelt im Minutentakt, aber die kleinen Patienten aus dem Wartezimmer sind alle versorgt. Anfang der Woche haben Jörg Brand (53), Anoosh Esmaeili (53) und Adrian Bruno Lieb (40) ihre Arbeit in der Isenburger Kinderarztpraxis gestartet. Die drei Ärzte von der Uniklinik Frankfurt – alle drei waren dort als Oberärzte tätig – sind die lange gesuchten Nachfolger von Ulrike Eckert-Tanzki, Inge Geyer-Sodemann und Peter Mondon.

„Es fühlt sich sehr gut an, hier zu arbeiten, unsere Lernkurve ist steil“, sagt Jörg Brand mit einem kleinen Schmunzeln. Der Intensiv-, Notfall- und Palliativ-Spezialist in dem neuen medizinischen Team spricht damit die Veränderungen an, die der Praxisbetrieb für die Ärzte bedeutet. Bislang waren sie an der Uni reine Spezialisten: „Wir waren ja sehr punktuell im Einsatz. Mein Fachgebiet, die Intensivmedizin, ist ja immer dramatisch. Hier haben wir es meistens mit gesunden Kindern zu. Wir freuen uns sehr auf diese neue Aufgabe“, erklärt Jörg Brand.

Gemeinsam haben die Mediziner, die schon sehr lange zusammen arbeiten und sich gut kennen, beschlossen, das „sichere Boot des Landes Hessen zu verlassen“ und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Das erfordere Mut und auch ein Umdenken.

Die Mediziner sind jetzt mit ihrer Arbeit für ein ganzes Praxisteam verantwortlich und tragen auch das unternehmerische Risiko. Aber die eigene Gemeinschaftspraxis bedeute auch Freiheit, die Möglichkeit der Umsetzung eigener Visionen und geregeltere Arbeitszeiten im Vergleich zu ständigen Nacht- und Wochenenddiensten in einer großen Klinik.

Die erste Woche mache sehr viel Lust auf die nächsten Jahre: „Wir haben hier eine Praxis vorgefunden, in der wir sofort durchstarten können, und haben ein Team von medizinischem Fachpersonal – das Kernteam, das sensationell ist, ist geblieben – und lässt uns nicht im Regen stehen. Darüber sind wir sehr dankbar“, ist Jörg Brand begeistert. Es sei für sie alle drei reizvoll, in die ambulante Versorgung zu wechseln, und damit Kinder vom Babyalter bis zum Teenager zu betreuen und die Familien zu unterstützen. „Das ist ja ohnehin das Tolle als Kinderarzt: Wir haben es größtenteils mit kerngesunden Kindern zu tun. Bei Erwachsenen verwaltet man oft chronische Krankheiten, bei Kindern können wir Weichen stellen, dass es erst gar nicht so weit kommt. Die Arbeit eines Kinderarztes ist ja sehr präventiv“, sagt Adrian Bruno Lieb.

Die Eltern und Kinder in Neu-Isenburg werden von der fachlichen Expertise des neuen Trios profitieren. Mit den Schwerpunkten pädiatrische Gastroenterologie, pädiatrische Kardiologie und pädiatrische Intensiv- und Palliativmedizin können Lieb, Esmaeili und Brand die fachärztlichen Fälle vielmals selbst behandeln und es werden weniger Überweisungen anfallen. Um das auch leisten zu können, haben die Ärzte schon gleich zu Beginn in ein zweites, modernes Ultraschallgerät investiert. Im Mittelpunkt steht aber die hausärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

Im Laufe des Jahres steht ein Umbau der Praxis an. Geplant ist ein barrierefreier Zugang der Räume mit einem Aufzug, Unterstützung erhalte des Ärzteteam dabei von dem Vermieter der Immobilie. Der Wartebereich bekommt eine Umgestaltung, ebenso der Empfang, wo Patienten und Eltern die Praxis betreten. „Jetzt müssen wir erst mal ein bisschen arbeiten. Corona ist in den Praxen spürbar, die Menschen vermeiden Arztbesuche und Kollegen sprechen von vierzig Prozent weniger Einnahmen. Wir werden sehen, wie das bei uns ist“, sagt Jörg Brand.

Im Augenblick kann sich das Team nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Die Terminbücher der Praxis sind bis in den März voll belegt. Notfälle werden natürlich immer behandelt. „Und wir lehnen auch keine Patienten ab“, stellt Brand klar.

Von Nicole Jost

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