Neujahrsempfang der CDU

Schönes und Schwieriges

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Die Christdemokraten konnten als Redner Dr. Jürgen Heraeus gewinnen, Aufsichtsratsvorsitzender des Technologiekonzerns Heraeus sowie Unicef-Chef.

Neu-Isenburg - Vorweg: Beim gut besuchten Neujahrsempfang der CDU gestern in der Hugenottenhalle fiel kein Wort zur Bürgermeisterwahl. Zumindest kein lautes. Der parteilose Amtsinhaber Herbert Hunkel (69), von der CDU unterstützt und ebenfalls anwesend, will wieder antreten. Von Stefan Mangold 

Das geht aber nur, wenn der Wiesbadener Landtag die Altersgrenze zur Wahl eines Bürgermeisters – derzeit 67 – rechtzeitig kippt. Planungssicherheit gibt es folglich derzeit nicht. In der CDU trauen sich zudem dem Vernehmen nach Funktionsträger zu, den Posten selbst auszufüllen.

Thorsten Klees, der Vorsitzende des Stadtverbands, blickt auf die Veränderungen in 2014 zurück und erwähnt den neuen Kindergarten der Toddlers an der Alicestraße. Von den dortigen Verantwortlichen habe er einen selten ausgesprochenen Satz gehört: „Wir sind total zufrieden.“ Außerdem habe die Stadt das Hallenbad energetisch saniert, den Grünbereich vor dem Bahnhof in Schuss gebracht, und der Isenburger könne jetzt mit der Straßenbahnlinie 17 in 15 Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof fahren.

Parteifreund und Erster Stadtrat Stefan Schmitt setze sich in Gesprächen mit dem RMV dafür ein, auch die Linie 14 wieder nach Isenburg fahren zu lassen: „Ich traue dem Stefan Schmitt zwar viel zu, aber das könnte schwierig werden.“ Internationale IT- und Biotechnik-Firmen hätten sich niedergelassen, auch Bilfinger wachse im Gewerbegebiet. Die Gewerbesteuer sprudele.

Die fetten Jahre sind vorbei

Durch Rücklagen habe die Stadt die genannten Maßnahmen durchführen können, ohne im Haushalt in die Miese zu geraten. Die fetten Jahre seien allerdings vorbei. Nach den Plänen des hessischen Finanzministers müsse Neu-Isenburg in Zukunft sieben Millionen für eine kommunale Solidaritätsumlage überweisen. Man hoffe, das abmildern zu können, „ganz ungeschoren kommen wir nicht davon“. Wiesbaden empfehle, die relativ niedrige Grund- und die Gewerbesteuer zu erhöhen. Klees fürchtet, dann einen Standortvorteil zu verlieren: „Gemeinsam wollen wir auch 2015 mit Herbert Hunkel die richtigen Maßnahmen treffen.“

Landrat Oliver Quilling benennt Neu-Isenburg als die Stadt im Kreis Offenbach, die am stärksten prosperiere. Die Gewerbesteuereinnahmen hätten schon mehrmals die des dreimal größeren Offenbach übertrumpft. In diesem Jahr arbeiteten die 13 Städte des Kreises an einem Mobilitätskonzept. Das Radwegenetz liege etwa im Argen. Viel verspricht sich der Landrat vom anstehenden Wirtschaftsförderungskonzept. Das Thema Kostensteigerung der im Jahr 2004 beschlossenen PPP-Projekte für Schulsanierungen sei nichts neues. Das rühre im Kern daher, dass 23.000 Quadratmeter mehr als ursprünglich geplant an Fläche hinzugekommen sei. „Bildung ist unsere wichtigste Ressource.“

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Als Gastredner hatten die Christdemokraten Dr. Jürgen Heraeus (78) eingeladen. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Hanauer Technologiekonzerns Heraeus Holding GmbH übernahm vor sieben Jahren den Vorsitz von Unicef Deutschland, als das Kinderhilfswerk wegen seines Umgangs mit Spendengeldern in die Kritik geraten war. Dazu passt das Thema, über das Heraeus spricht: „Vertrauensverlust – wie können wir damit umgehen?“

Der Manager gilt dafür als Spezialist. Im durch Skandale in die Bredouille geratenen ADAC übernahm Heraeus 2014 den Vorsitz des Beirats für die Reorganisation – kurz: Er soll dem Club aus der Krise helfen. Beim Automobilclub wirke sich der Verlust nicht so stark aus wie einst bei Unicef aus. Die Mitglieder seien mit der Pannenhilfe immer zufrieden gewesen: „Geht es um mutmaßlich zweckentfremdete Spendengelder, reagieren die Leute sensibler.“

Heraeus übt auch Medienschelte. Der groß behandelte Skandal um Organspenden habe zu einem Rückgang der Spendenbereitschaft geführt, der den Kranken schade. Bei der Unicef seien die Verfehlungen zudem nicht so heftig gewesen, wie von der Presse damals beschrieben. Heraeus tritt für klare Worte ein. Als Vorbild nennt er Papst Franziskus und seinen Rüffel für den Klerus.

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