Prozessauftakt gegen Isenburger, der Drogenschmuggel beauftragt haben soll

Neun Kilo Opium im Reisegepäck

Neu-Isenburg/Darmstadt – Mit neun Kilogramm Opium durch die Gepäckkontrolle – das kann eigentlich nur schief gehen. Am 5. März 2019 fiel am Flughafen Wien-Schwechat der silberne Koffer eines Passagiers auf. Als der Zoll das Stück öffnete, entdeckte man einen doppelten Boden, unter dem sich die besagte schwarz-klebrige Masse befand. Der mutmaßliche Auftraggeber dieses Drogenschmuggels muss sich nun vor der 12.

Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verantworten.

Der 49-jährige Iraner wohnte zum damaligen Zeitpunkt in Neu-Isenburg, zwischenzeitlich ist er nach Frankfurt-Niederrad verzogen. Aktuell befindet er sich in Untersuchungshaft. Am ersten von fünf geplanten Verhandlungstagen will er sich weder zur Anklage, noch zu seiner Person äußern. So hängt nun erst einmal alles von den Zeugenaussagen ab.

Die Wichtigste ist natürlich die des Drogenkuriers. Er flog von Istanbul nach Wien, wollte von dort mit dem Zug weiter nach Deutschland. Doch die Gerichtsladung kann nicht zugestellt werden, der 35-Jährige wohnt nicht mehr in Frankfurt. Der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Trapp beauftragt die Polizei mit einem Aufenthaltsermittlungsgesuch. Die kann keine neue Adresse ermitteln, eine Nachbarschaftsbefragung läuft ins Leere. Dabei wurde der Mann erst vor fünf Wochen auf Bewährung aus der JVA Hünfeld entlassen: In Österreich hatte man ihn zu drei Jahren Haft verurteilt und nach Deutschland abgeschoben – weil hier seit 2016 sein Asylverfahren läuft. Er ist ein Landsmann des Angeklagten, es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich in Richtung Heimat absetzte, was ein Auffinden extrem erschwert. Richter Trapp beschließt deshalb, alle vier Protokolle der polizeilichen und richterlichen Vernehmungen in Österreich zu verlesen. Die sind auch gar nicht ellenlang, denn der Kurier behauptete damals vehement, von Schmuggelware nichts gewusst zu haben. Liest man aber die ganze Geschichte aufmerksam, so kommen doch erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Kernaussage auf.

Der Verurteilte erklärte: „Ich habe in der Türkei eine Verlobte, die wollte ich nach einem Treffen im November 2018 erneut besuchen. Leider fehlte mir das Geld dazu. Das erzählte ich einem Bekannten aus Offenbach.“ Der habe ihm helfen wollen und ihm den Angeklagten aus Neu-Isenburg vorgestellt. „Der weiß bestimmt eine Lösung“, hieß es. Tatsächlich bot ihm der Unbekannte an, die Flugtickets zu kaufen. Der Frankfurter sollte sie später in kleinen Raten ab stottern.

Gesagt, getan. Der Isenburger brachte ihm die Tickets vorbei, und der Glückliche flog am 24. Februar 2019 nach Istanbul. „Am 4. März rief er mich an und erklärte, seine Familie sei im Iran gewesen und habe soviel Gepäck gehabt, dass sie einen Koffer zurücklassen mussten. Den sollte ich mitbringen. Ich willigte ein. Per Telefon und Taxi lotste er mich zu einem Mann, der mir den Koffer übergab.“ Zurück bei seiner Verlobten habe er den auch geöffnet, aber außer verschiedenen Gewändern nichts gesehen und keinen Verdacht geschöpft. Bis er durch den österreichischen Zoll musste und augenscheinlich aus allen Wolken fiel. „Ich habe ihm nur einen Gefallen tun wollen, weil er mir doch geholfen hat“, verteidigte er sich. „Ich wusste nichts über den wahren Zweck des Transports, ich kenne ihn doch erst zwei Monate!“ – was ihm die österreichischen Behörden aber nicht abkauften. Zumal er den Beamten nicht einmal verheimlichte, dass die beiden Männer täglich in der Offenbacher Wohnung Opium rauchten und dass der Isenburger im großen Stil damit handelte. Er war also klar, dass ihn allein das Gewicht des Koffers hätte stutzig machen müssen.

Mit einem Urteil ist frühestens in 14 Tagen zu rechnen.

Von Silke Gelhausen

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