Solidarität mit den Kulturschaffenden

Beteiligung an der „Night of Light“: Dezernent Theo Wershoven bringt Fonds ins Gespräch

Der von dem Künstler Karl Rödel geschaffene Stier vor der Hugenottenhalle kommt durch das rote Licht im Hintergrund noch besser zu Geltung. Fotos: postl
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Der von dem Künstler Karl Rödel geschaffene Stier vor der Hugenottenhalle kommt durch das rote Licht im Hintergrund noch besser zu Geltung.

Wie in vielen anderen Städten bundesweit sind auch in Neu-Isenburg Veranstaltungsstätten und Theater in der Nacht zum Dienstag in rotes Licht getaucht. Die „Night of Light“ ist ein flammender Appell zur Rettung der deutschen Veranstaltungswirtschaft.

Neu-Isenburg - Denn für diese sieht es in der Corona-Pandemie sehr schlecht aus. Immer noch nicht ist absehbar, wann es kulturell im größeren Umfang wieder losgehen kann. Kulturdezernent Theo Wershoven bringt in diesem Zusammenhang die Idee eines städtischen Kulturfonds ein.

In Neu-Isenburg sind die Hugenottenhalle und das Bürgerhaus Zeppelinheim rot beleuchtet, um auf die Bedeutung der Kultur für das Stadtleben zu verweisen. Am Montag um 22 Uhr sitzt das gesamte Team der Hugenottenhalle auf dem Vorplatz und wartet auf die hereinbrechende Dämmerung, um das Rot besser erkennen zu können. „Wir haben das personalkostenneutral umgesetzt“, erklärt Chef-Techniker Ralph Schrod. Die Mitarbeiter haben ihren Dienst so begonnen, dass er um 1 Uhr nachts endet, wenn die Lichter wieder ausgehen. Auch der technische Aufwand verursacht keine Mehrkosten. „Ich hätte die Scheinwerfer ohnehin alle auf ihre Funktionalität überprüfen müssen, das habe ich eben jetzt auf diesen Zeitpunkt gelegt“, so Schrod. Rund 40 spezielle PAR-Scheinwerfer sind verkabelt worden, um die Fronten der Hugenottenhalle zu beleuchten. In Zeppelinheim erstrahlt das Bürgerhaus ebenfalls in Rot.

Mit dieser Aktion solidarisiert sich das Team der Hugenottenhalle mit allen vom Corona-Lockdown betroffenen „freien“ Künstlern und den Mitarbeitern hinter den Kulissen. Die meisten sind Selbstständige und werden engagiert, wenn sie gebraucht werden, was derzeit so gut wie nicht der Fall ist. Aber alle haben natürlich Kosten und einen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Da bringt Kulturdezernent Theo Wershoven einen städtischen Kulturfonds ins Gespräch: „Wenn erst einmal alles am Boden liegt, dann ist es zu spät – wir sollten und müssen jetzt handeln.“ Dabei denkt er insbesondere an Kunst- und Kulturschaffende in Neu-Isenburg. „Wir haben ein Kulturangebot in unserer Stadt, das sich sehen lassen kann, aber auch von vielen einzelnen Akteuren getragen wird. Das sollten wir auch über die schwierige Corona-Zeit retten“, regt der Kulturdezernent an, über seinen Ansatz nachzudenken.

Für den Kämmerer und Ersten Stadtrat Stefan Schmitt kommt eine solche Forderung in der ohnehin prekären Finanzsituation der Stadt nicht gerade gelegen: „Wenn mir jemand sagt, wie man solch einen Fonds finanzieren kann, bin ich gerne dabei.“ Er verweist darauf, dass man unter den derzeitigen Verhältnissen wohl kaum „einfach mal so“ einen Betrag irgendwo abzapfen könne. „Das ist eine freiwillige Leistung und eine Finanzierung wäre nur möglich, wenn irgendwo was übrig bleibt oder man anderen etwas wegnehmen würde“, so Schmitt.

Bürgermeister Herbert Hunkel steht einem solchen Vorstoß offen gegenüber. „Wir werden helfen, wo wir können.“ Aber eine alleinige Finanzierung über den Stadtsäckel sei sicherlich schwierig, „aber wir könnten nochmals alle öffentlichen Fördertöpfe überprüfen“, erklärt er.

Kati Conrad, stellvertretende Vorsitzende des FFK (Forum zur Förderung von Kunst und Kultur) findet die Idee gut. Denn viele Künstler stünden momentan ohne Aufträge und Einnahmen da. Sie verweist darauf, dass Corona-Soforthilfen nur für die Betriebskosten gedacht sind, die soloselbstständige Künstler oder Musiker kaum haben. Lebenshaltungskosten müssten aber weiterhin aufgebracht werden, was ohne Einkommen immer schwieriger werde. Conrad sagt: „Ich fände es toll, in einer Stadt zu leben, die in Krisenzeiten Verantwortung für ihre Kunstschaffenden übernimmt und so sicherstellt, dass sie auch noch da sind, wenn wir alle wieder Konzerte, Festivals und Ausstellungen besuchen können.“

Von Leo F. Postl

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