Verkehrswende

Fahrradstraße in Neu-Isenburg: Streit und viele Hürden

Die Gruppe der Radfahrer testet schon mal die Ludwigstraße. Mit dabei sind (von rechts) Stadträtin Yvonne Lammersdorf, Bundestagsabgeordneter Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne) und Ulrich Lemke sowie Bürgermeister Herbert Hunkel. 
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Testfahrt für die Ludwigstraße in Neu-Isenburg (Offenbach). Hier könnte eine neue Fahrradstraße entlangführen.

Schon seit längerem sind Fahrradstraßen ein wichtiges Thema in Neu-Isenburg (Offenbach). Der Boykott des lokalen ADFC ist dabei nur eine vieler Hürden.

Neu-Isenburg – Schon länger geht es in Neu-Isenburg um das Thema Fahrradstraßen. Um die Route durch die Luisen- und die Ludwigstraße gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern zu planen, hat die Stadtverwaltung zu einem Ortstermin eingeladen. Die ADFC-Arbeitsgruppe Verkehrswende bleibt dem Treffen demonstrativ fern, da die Mitglieder zu spät informiert worden seien. Zudem entspricht die bisherige Planung nicht ihren Vorstellungen.

Am Treffpunkt Fußgängerzone in der Bahnhofstraße zur Luisenstraße sind zwei Info-Pavillons mit Plänen zum Verlauf der geplanten Nord-Süd-Streckenführung aufgebaut. Bürgermeister Herbert Hunkel und Prof. Jürgen Follmann, Leiter des beauftragten Studentischen Projektbüros Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt, begrüßen die Anwesenden. Darunter sind aber nicht viele Anwohner. „Wir wollen einen möglichst großen Konsens mit den Anrainern, aber auch eine möglichst optimale Routenführung für die Radfahrer“, beschreibt Hunkel das Ziel. „Es wird nur in einem Miteinander gehen, bei dem jeder auch ein paar Einschränkungen hinnehmen muss“, so Follmann. In einer Radler- und zwei Fußgängergruppen geht es um die Vor- und Nachteile sowie Verbesserungsvorschläge.

Fahrradverkehr in Neu-Isenburg (Offenbach): „Ich fühle mich oft als Slalomstange“

Die Radfahrer leitet Ulrich Lemke, Projektmanager Bike Offenbach, der unterwegs seine Erfahrungen zu Idealzustand und Machbarkeit einbringt. Vom Treffpunkt in der Fußgängerzone bis zum Beginn der Ludwigstraße wird das Rad geschoben, so soll es auch nach Einrichtung der Fahrradstraße sein. Da gibt es die größten Bedenken. „Das funktioniert doch jetzt schon nicht, wie soll das erst später werden? Ich fühle mich oft als Slalomstange“, schildert ein Passant seine Erfahrungen mit Radlern in der Fußgängerzone. Gerade zu Zeiten des Wochenmarktes will das Ordnungsamt auf Präsenz setzen und dazu anhalten, vom Rad zu steigen. „Die Fahrradstraße wird hier unterbrochen, da haben Fußgänger Vorrang. Das machen wir auch mit Schildern deutlich“, versichert Cornelia Marburger, Leiterin des zuständigen Fachbereichs.

Kritisch ist auch die Kreuzung der Ludwigstraße mit der Schulgasse/Lessingstraße, da die Ludwigstraße gen Norden bis zur Einfahrt der Tiefgarage keine Einbahnstraße ist. „Da gibt es noch Klärungsbedarf, wie wir das am besten umsetzen, besonders die Sichtfelder sind eingeschränkt“, erklärt Karin Rohde, städtische Beauftragte für Nahmobilität und Radverkehr. Da die Radler gen Norden gegen die Einbahnstraße radeln dürfen, sind Autofahrer zur besonderen Rücksichtnahme verpflichtet.

Prof. Jürgen Follmann erklärt, wie eine neue Fahrradstraße durch Neu-Isenburg (Offenbach) aussehen könnte.

Verkehrspläne in Neu-Isenburg (Offenbach): Mehr Fahrradständer, weniger Parkplätze

„In der Luisenstraße möchte ich gerne Radfahrer sein. So viele Bäume, die Schatten spenden, das ist schon ein ganz besonderes Merkmal“, beschreibt Follmann. Er verweist darauf, dass man die Sichtfelder durch derzeit (unerlaubt) parkende Autos unbedingt freihalten müsse. „Da sollten wir Radabstellanlagen installieren, damit die Hausbewohner auch ihre Fahrräder abstellen können“, so Follmann. Und der eine oder andere Parkplatz wird wohl auch wegfallen. Da gibt es lauten Protest aus einem offenen Fenster. „Obwohl hier nur Anwohnerparken ist, stehen da jeden Tag Autos, die hier nicht hingehören – aber da kontrolliert ja keiner“, kritisieren Petra und Matthias Wenzel. „Wahrscheinlich muss ich mir noch eine Sondergenehmigung holen, damit ich mit meinem Auto auf mein Grundstück fahren kann“, so Wenzel.

Zurück am Ausgangspunkt können die Teilnehmer ihr Anregungen per Notizzettel an die Pinnwand heften. „Unbedingt Ladestationen“, war da zu lesen, aber auch „Kreisel gut bei Querung der Gartenstraße und Friedrichstraße“. Nun liegt es an den Studierenden der Hochschule Darmstadt um Svenja Weber, möglichst alle Aspekte bei der Planung zu berücksichtigen. „Wir könnten ja schon mal auf einem Teil die Markierungen aufbringen, damit die Leute einen Eindruck bekommen“, schlägt Follmann vor. „Bloß nicht, das bringt nur unnötige Unruhe. Dann steht das Telefon nicht mehr still“, zeigt sich der Bürgermeister wenig begeistert. Er will die vorgeschlagene Planung den Gremien vorlegen und dann noch einmal den Bürgerinnen und Bürgern präsentieren. Erst danach soll es in die Umsetzung – mit den Markierungen auf den Straßen – gehen.

ADFC-Boykott gegen Fahrradstraße in Neu-Isenburg (Offenbach)

Die Mitglieder der ADFC-Arbeitsgruppe Verkehrswende plädieren für die Waldstraße als Fahrradstraße. „Wir als radelnde Bürger möchten unsere wichtige gesellschaftliche Stimme bei den Planungen einbringen und damit zur Lösung für ein verträgliches Miteinander im öffentlichen Verkehrsraum beitragen. Ohne korrigierenden Blick von erfahrenen Radlern vor Ort wird es kein vernünftiges Konzept geben“, erklärt die AG. (Leo F. Postl)

In der Region passiert aktuell viel für das Radfahren: Die Agenda der AG Radverkehr in Neu-Isenburg ist voll.

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