Einmaliger Abend für Senioren

Nostalgie-Nerv getroffen

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Barbara Kollmer (rechts) und Robert Keßler, Bewohner aus der Seniorenresidenz Domicil, bewunderten die alten Autos vor der Hugenottenhalle. Sie kennen die schönen Karosserien der Oldtimer noch aus ihren Jugendtagen.  

Neu-Isenburg - Ganz nach dem Geschmack der älteren Generation dürfte eine kleine Zeitreise gewesen sein, in deren Genuss etliche Besucher am Samstagabend in und um die Hugenottenhalle gekommen sind: Auf der Bühne bot die Tragikomödie „Der Sommer der lachenden Kühe“ mit einem Demenzkranken als Hauptfigur etwas fürs Herz.

Im Begleitprogramm glänzte unter anderem eine Oldtimer-Schau mit charmanten Schätzchen aus den 50er Jahren. Blank poliertes Chrom, edle Karosserien aus längst vergangenen Tagen und strahlende Augen: Barbara Kollmer und Robert Keßler flanieren mit Ergotherapeutin Melanie Wagner durch die Oldtimer-Schau vor der Hugenottenhalle. Die beiden Bewohner der Seniorenresidenz Domicil schwelgen beim Anblick der Schmuckstücke. „Dieses Auto hatte Frankfurts bekanntestes leichtes Mädchen“, sagt Barbara Kollmer und deutet auf einen alten Mercedes SL. „Ihrer hatte allerdings feuerrote Ledersitze. Ich kann mich erinnern, ich habe sie damit rumfahren sehen.“ Robert Keßler hat es ein Ford Mustang Cabrio angetan, ein Auto, das er sich als junger Mann immer gewünscht hat.

Rund 100 Bewohner der Isenburger Altenpflegeheime sind zu dem Theaterabend samt Begleitprogramm unter dem Motto „Back to the 50’s“ eingeladen, etliche weitere Besucher decken sich an der Abendkasse mit Karten ein. Kulturbüro-Leiterin Bettina Stuckard freut es sehr, dass sie bei der Organisation des Rahmenprogramms auf die Isenburger Oldtimer-Interessengemeinschaft und den Dreieicher Oldtimer-Stammtisch zählen kann. Außerdem dabei: ein Vintage-Café mit Lolas Vintage Box und zwei Damen, die in wunderschönen Kleidern der 50er Jahre durch die Szenerie flanieren.

Viele der betagten Besucher werden von den Oldtimerfahrern abgeholt und an die Hugenottenhalle gebracht. Ein Erlebnis, von dem sie sicher noch lange erzählen. Sowohl Frank Arne Teschner (Neu-Isenburger Oldtimer-IG) als auch Ralph Schrod (Dreieicher Oldtimer-Stammtisch und Technischer Leiter der Hugenottenhalle) trommelten dafür eigens die Fahrer zusammen. „Wir freuen uns ja immer, wenn wir die Autos fahren können und sich eine Gelegenheit ergibt“, sagt Schrod, stolzer Besitzer eines alten Triumphs.

Eindruck macht die 50er-Jahre-Kulisse mit Oldtimern, Sekt und Häppchen nicht nur auf die Besucher, sondern auch auf Norbert Kentrup (69), den Autor und Hauptdarsteller des Stücks „Der Sommer der lachenden Kühe“, eine Tragikomödie nach dem finnischen Roman von Arto Paasilinna. „Wir haben das Stück schon oft gespielt, aber so etwas haben wir auch noch nicht erlebt“, zollt er den Veranstaltern Anerkennung. Er fühle sich in jene Zeit zurückversetzt, als er – natürlich schwarz – das Autofahren gelernt habe. Das verbindende Element zwischen Begleitprogramm und Theaterstück sei, dass die Hauptfigur auf der Bühne ebenfalls genau in dieser Zeit gelebt habe.

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In einer kurzen Einführung erläutert Kentrup, dass er seit 40 Jahren nach Finnland fahre und ihn die Romanvorlage von Arto Paasilinna nicht mehr losgelassen habe: „Er hat einen guten Umgang mit dem Thema Demenz gefunden, eine Krankheit, vor der wir wohl alle Angst haben.“ Gemeinsam mit seinem Neffen schrieb er die Dramaturgie, mit Regisseur Florian Schwartz feilte er an der Inszenierung, die 2013 ihre Premiere feierte.

Das Publikum erlebt kurz darauf die skurrile Taxifahrt von Panzer-Sergeant Tavetti Rytkönen (Kentrup). Der leidet an Demenz und weiß gerade noch, wie er heißt und was er einmal war, als Taxifahrer Seppo Sorjonen (Navid Akhavan) ihn in Helsinki auf der Straße aufsammelt. Auf die Frage: „Wo soll’s hingehen?“, antwortet Rytkönen: „Einfach vorwärts!“

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