Corona-Pandemie

Metzgerei Metz macht dicht - Schicksalsschläge beschleunigen Schließung

Peter Metz im Jahr seiner Geschäftsübernahme, im Dezember 1987 mit seiner Mutter Beate (rechts), seiner Schwester Pia Kirsten (Zweite von links) und einer Mitarbeiterin im Laden in der Beethovenstraße.
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Peter Metz im Jahr seiner Geschäftsübernahme, im Dezember 1987 mit seiner Mutter Beate (rechts), seiner Schwester Pia Kirsten (Zweite von links) und einer Mitarbeiterin im Laden in der Beethovenstraße.

Mit der Metzgerei Metz hat ein weiterer Traditionsbetrieb in Neu-Isenburg aufgegeben. Mehrere Schicksalsschläge durch Corona haben die Entscheidung beschleunigt.

Neu-Isenburg – In der großen Küche hängen die Schöpfkellen, Rührbesen und Pfannenwender über den Arbeitsflächen, als warteten sie nur darauf, benutzt zu werden. Die Auslagen im Ladengeschäft sind aber bereits alle abgedeckt – und an der Tür der Beethovenstraße 31 steht auf dem Schild: „Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen“. Fast auf den Tag genau 82 Jahre nach der Eröffnung des Familienbetriebs am 2. Mai 1939 schließt Peter Metz die Metzgerei und den Partyservice der Familie. „Ich hatte ohnehin vor, den Laden im nächsten Jahr zu meinem 60. Geburtstag zu schließen, aber die Geschehnisse der vergangenen Wochen und der Tod meines Vaters haben diese Entscheidung vorgezogen. Es war der richtige Schritt, es gibt kein Zurück mehr“, betont Peter Metz.

Das große Ladengeschäft war über Jahrzehnte ein beliebtes Einkaufsziel der Isenburger. Ein gutes Stück Rinderfilet, Hausmacher-Wurst oder gleich ein ganzes Buffet für die Familien- oder Firmenfeier: Bei der Metzgerei Metz wussten die Isenburger: Es gibt gute Qualität, fachlich kompetente Beratung und immer ein nettes Wort. Die ersten Jahrzehnte leiten Franz und Margarete Metz das Geschäft, danach übernehmen Reinhold und Beate die Metzgerei.

Corona-Pandemie verändert das Geschäft des Neu-Isenburger Traditionsbetriebs

Der gelernte Metzgermeister Peter Metz wird 1987 zum Geschäftsführer. Was zuvor eine klassische Metzgerei mit eigener Wurstküche und kleinem Partyservice ist, wandelt sich nach dem Ausstieg aus der Wurstproduktion. „Wir haben große Caterings gemacht für Unternehmen, Hochzeiten, runde Geburtstage beliefert. Außerdem sind hier jeden Mittag 200 Mittagessen über die Theke gegangen“, beschreibt Metz die Entwicklung des Familienbetriebs. 90 Prozent der Menschen, die in den Laden kommen, sind Stammkunden. Die Metzgerei überlebt auch das veränderte Einkaufsverhalten der Menschen: Es wird leichter gegessen, viele wollen nicht mehr selbst kochen.

Es gibt täglich die Auswahl aus rund 25 Standardessen, von Gulasch über Hähnchenbrust bis zur gefüllten Paprika – portioniert und zum Aufwärmen. Dazu jeden Tag zwei wechselnde Gerichte warm direkt vor Ort, oder zum Mitnehmen. Außerdem eine große Auswahl an Suppen, Salaten und Desserts. „Mein eigentlicher Beruf war Metzgermeister, aber ich habe vor allem gekocht“, erzählt der 59 Jahre alte Familienvater – mit großer Freude übrigens. Auch wenn es einen erheblichen Einsatz bedeutet: 100 Wochenstunden sind keine Seltenheit. Morgens um eins klingelt der Wecker, damit ab zwei Uhr in der Küche der Tag vorbereitet werden kann. Dazu oft Arbeit samstags und sonntags. Schon der Tod der Mutter vor neun Jahren sei ein einschneidendes Erlebnis für die Familie gewesen: „Sie war der Mittelpunkt, die Ansprechpartnerin für unsere Kunden“, erzählt Peter Metz.

Mehrere Mitarbeiter der Neu-Isenburger Metzgerei stecken sich mit Coronavirus an

Mit der Corona-Pandemie 2020 ändert sich der Metzgereialltag. Das Cateringgeschäft bricht ein – dafür wächst das Geschäft im Laden stärker. „Wir konnten das fast vollständig auffangen. Aber es war anstrengend. Vor dem Geschäft bildeten sich lange Schlangen, das Telefon klingelte ununterbrochen, die Stammkunden bestellten vor, um sich die Zeit im Laden zu sparen“, erinnert sich der Geschäftsinhaber. Immer mit dabei: Vater Reinhold. Auch mit 83 ist er noch derjenige, der morgens um drei auf den Schlachthof fährt, auf dem Großmarkt die Einkäufe erledigt.

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Waren die Familie Metz und die Mitarbeiter ein Jahr lang vor Corona verschont, erwischt es sie im März doch. In der Küche stecken sich insgesamt sieben Mitarbeiter an, darunter auch Peter Metz und – auch Vater Reinhold Metz. „Ich hatte schon ziemlich schlimm Husten, aber mein Vater litt sofort unter Atemnot“, erzählt Metz. Der eigentlich so rüstige Senior kommt ins Krankenhaus. Eine Woche später ist er auf Intensivstation und nach drei Wochen stirbt er. „Es ist so hart, dass wir uns nicht richtig verabschieden konnten“, haben die vergangenen Wochen Spuren hinterlassen.

Für Peter Metz ist es ein großer Schritt, die Metzgerei, die er in der dritten Generation führte, zu schließen. Jetzt stehen für ihn ganz neue Zeiten an.

Corona-Pandemie in Neu-Isenburg: Eine Lieblingsmetzgerei weniger

Peter Metz musste nicht nur den Tod des Vaters verkraften, auch der Inhalt der vor Ostern proppevollen Kühlhäuser ist verloren. Die Belegschaft ist drei Wochen in Quarantäne. Er habe nur kurz überlegt, den Betrieb für ein Jahr nochmal anzufahren. Metz hatte sich eigentlich einen geordneten Abschied von Kunden und Mitarbeitern gewünscht – jetzt ist es anders gekommen.

Eine Verpachtung des Betriebs stand übrigens nie zur Diskussion. „Ich habe zu oft gesehen, wie das schief geht. Ich wohne hier, ich wäre immer damit konfrontiert“, erläutert er die Entscheidung. Sein 20 Jahre alter Sohn hat gerade begonnen, zu studieren, und will nicht ins Handwerk einsteigen. „Das ist eine Entscheidung, die ich sehr gut verstehen kann“, hat der Vater damit kein Problem. Für Peter Metz und seine Frau Christine stehen jetzt neue Zeiten an. Endlich mal Zeit für gemeinsame Unternehmungen, mehr Erholung. Für die Isenburger ist es ein Verlust: Sie haben eine Lieblingsmetzgerei weniger. (Nicole Jost)

Während mit der Metzgerei Metz ein weiterer Traditionsbetrieb schließt, gibt es für Neu-Isenburg auch gute Nachrichten: Gleich drei neue Geschäfte eröffnen in der Fußgängerzone.

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