Etat für Bürger transparenter machen

Städtischer Haushalt lässt sich im Detail unter die Lupe nehmen

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Bitter für die Stadt ist, dass mehr als jeder zweite verfügbare Euro an Dritte geht: Die Grafik aus der Präsentation des Kämmerers zum Etatentwurf zeigt, was an prognostizierten Aufwendungen 2018 und 2019 auf Neu-Isenburg zukommt. 54 Prozent des Geldes fließen aufgrund gesetzlicher Umlageverpflichtungen (rotes Kuchenstück) ab, auch Personalkosten sind mit 19 Prozent ein dicker Brocken.

Neu-Isenburg - Mit dem „Interaktiven Haushalt“ geht die Stadt neue Wege: Mit wenigen Klicks gibt es ab sofort Einblick in die Tiefen der städtischen Finanzen – ein sonst üblicherweise nicht besonders leserfreundliches Zahlenwerk. Von Barbara Hoven 

In übersichtlicher Form werden nun die Ergebnis- und Finanzplanung, die Investitionen und wesentliche Kennzahlen dargestellt und mit Diagrammen erläutert. Ziel ist es, den Etat für Bürger transparenter zu machen. Der städtische Haushalt ist für den Normalbürger ein Buch mit sieben Siegeln. Und dazu mit 733 Seiten, auf denen Kämmerer Stefan Schmitt beispielsweise die Etatzahlen für 2018 und 2019 prognostiziert hat, auch noch ein ziemlich dickes. Dass so etwas nicht unbedingt zum Schmökern einlädt, weiß jeder, der sich auf der Suche nach einer bestimmen Info schon einmal durch so ein Zahlenwerk gekämpft hat. Dessen war man sich auch in der Isenburger Verwaltung bewusst; und daran sollte sich etwas ändern. Mit dem „Interaktiven Haushalt“ stellt die Stadt deshalb nun ab sofort auf ihrer Webseite (www.neu-isenburg.de) eine neue Plattform zur Verfügung, die einen Einblick in alle relevanten Daten des Haushaltsplans ermöglicht.

Der „Interaktive Haushalt“ setzt dabei auf Überschaubarkeit. Die Themen sind grafisch mit Tabellen und Diagrammen aufbereitet. Diese können angeklickt werden, wenn weitere Infos zu dem einen oder anderen Punkt gewünscht sind. Wer zum Beispiel wissen will, welche der diversen Isenburger Kindertagesstätten die Stadt wie viel Geld kostet, wählt beim zuständigen Dezernat I, Bereich Kinder und Jugend, den Reiter „Kindertagesstätten allgemein“ aus. Dort blättert sich dann ein Unter-Menü auf mit Infos zu jeder einzelnen Kita.

Auch bisher sei der Stadt-Etat als Dokument einsehbar gewesen, sagt der Erste Stadtrat und Kämmerer Stefan Schmitt. „Aber wir haben nach einer Lösung gesucht, das Ganze komfortabler zu machen.“ Im Vordergrund stehe dabei das Ziel, die komplexe Systematik des Haushaltsplans durch grafische Darstellungen allgemein verständlich aufzubereiten und zu veranschaulichen. Rainer Litzenberger, Fachbereichsleiter Finanzen, und Felix Mateos hätten dann das Tool zum gläsernen Haushalt ins Gespräch gebracht. Erstellt haben die Zuständigen im Rathaus den „Interaktiven Haushalt“ gemeinsam mit dem Unternehmen IKVS GmbH, das auf Vergleichssysteme für kommunale Haushaltsdaten spezialisiert ist.

Dass diese Transparenz auch Fragen seitens der Bürgerschaft auslösen dürfte, ist durchaus gewollt. „Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Tätigkeit der politischen Gremien und der Stadtverwaltung der breiten Öffentlichkeit noch bekannter zu machen, um so die Teilhabe und Teilnahme der Bürger zu fördern“, betonen Kämmerer Schmitt und Bürgermeister Herbert Hunkel. „Mit dem interaktiven Haushalt können sich alle ein genaues Bild von der Finanzlage und den geplanten Maßnahmen der Stadt machen.“

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An vielen Stellen sei es möglich, „mit einem einfachen Mausklick auf die nächsttiefere Ebene zu gelangen“. So bestehe die Möglichkeit, zusätzliche Details zu Aufwendungen oder Erträgen aufzuzeigen. „Bei den Erträgen lässt sich so beispielsweise ermitteln, welcher Anteil auf Steuereinnahmen entfällt und bei diesen wiederum die Anteile der jeweiligen Steuerarten“, erläutert die Rathausspitze.

Um den Einstieg in den interaktiven Haushalt zu erleichtern, hat die Stadt ein kurzes Benutzerhandbuch entwickelt, das auf der Webseite zur Verfügung steht. Ergänzt wird das Angebot außerdem durch Dokumente wie die vollständige Haushaltsrede, mit der Stefan Schmitt im Dezember den Stadtverordneten den Entwurf für den Doppelhaushalt für 2018 und 2019 mehr als eine halbe Stunde lang ausführlich präsentiert und erläutert hatte.

Andreas Frache, der Digitalisierungsbeauftragte der Stadt, zeigt sich zufrieden mit dem neuen Angebot. Er lobt bei der Präsentation des gläsernen Haushalts nicht nur, dass dieser „die Arbeit für Politik und Bürger leichter macht“. Sondern auch, dass es ein Beitrag sei zur Schonung von Ressourcen, da er durch das digitale Angebot mit Papierersparnis rechne. Nun muss man abwarten, ob und wie die Isenburger das Angebot nutzen.

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