Drei Tage lang Musik satt:

Open Doors: Nach wie vor hitverdächtig

+
Gelungener Festivalauftakt: Schon am Freitagabend, als die Quietschboys ihrer Erfolgsstory der Frankfurter Musikgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen, versammeln die Fans sich massenweise in Neu-Isenburg an der Frankfurter-/Ecke Friedrichstraße.

Neu-Isenburg - Keine Autos, keine Mofas und selbst vom Asphalt ist nicht mehr viel zu sehen: Die Frankfurter Straße hat sich am Wochenende zeitweise in ein wahres Menschenmeer verwandelt.

Ausgiebig feiern, zusammen tanzen und die ausgelassene Stimmung genießen: Diese drei Punkte konnten die Besucher des 26. Musikspektakel Open Doors allesamt erfolgreich abhaken. Rund 40 Bands auf insgesamt elf Bühnen waren diesmal mit von der Partie.
„Fantastischer Freitag!“ Das erste Fazit von Dominik Stotzem fällt am Samstagmorgen ziemlich zufrieden aus. Zig Stunden war der unermüdliche Koordinator der Open Doors zuvor auf den Beinen; hat dafür gesorgt, dass alles glatt läuft – und auf der Bühne mit Purple Rising auch selbst gerockt. Und, vorneweg: Wenn man Stotzem und Michael Kercher von der Veranstaltungsagentur 12 Löwen am Sonntag erneut nach einer Bilanz fragt, klingt die auch nicht weniger zufrieden. Auch wenn „Helene Fischer in Frankfurt uns am Freitagabend so 2000 bis 3000 Leute gekostet haben wird“, wie Michael Kercher, Initiator der Open Doors, schätzt. „Aber die Bühnen haben zu jeder Zeit gebrummt“, und der Samstag habe den Freitag noch einmal überboten. „Eine grandiose und vor allem friedliche Party wurde bis in die Nacht gefeiert“, sagt Stotzem.

Die Live-Musik vielerorts in der Stadt unter freiem Himmel gibt es auch diesmal wieder ohne Eintritt. Einige Besucher unterstützen das Festival allerdings freiwillig mit dem Kauf eines „Charity-Buttons“, der erstmals angeboten wird. Und für den immer wieder von den Bühnen aus Werbung gemacht wird. Für fünf Euro kann man sich diesen ans T-Shirt oder die Tasche klemmen. Pro Button gehen zwei Euro an die Kinderhilfestiftung und drei Euro an die Stadt und sollen so auch das Festival im nächsten Jahr sichern. Zudem bekommen die „Buttonisten“ am Samstagabend freien Eintritt zur Aftershow-Party in der Hugenottenhalle.

Von A-capella über Country bis zu Pop

„Ich finde fünf Euro total gerechtfertigt, woanders bekommt man für viel mehr Geld viel weniger geboten“, sagt eine Besucherin. Nur der Verkauf soll beim nächsten Open Doors anders gestaltet werden. „Viele Leute wollten den Button kaufen, haben aber die durch die Menge laufenden Verkäufer nicht getroffen – wir werden wohl feste Stationen dafür einrichten“, sagt Thomas Leber, Leiter der Hugenottenhalle. Und Kercher berichtet gestern, dass es in Sachen Buttonkauf noch Luft nach oben gebe. Aber es brauche eben auch immer „einen gewissen Atem“, um eine solche Neuerung zu etablieren.

Aber ob mit oder ohne Button: Das Musikprogramm am Wochenende kann jeder genießen. Bekannte Bands unterhalten die Zuschauer dabei ebenso wie Newcomer. Dazu kommt die Vielfalt an unterschiedlichen Genres: Von A-capella über Country bis zu Pop ist nahezu jeder Musikgeschmack abgedeckt.

Das breite Spektrum an Künstlern spiegelt sich auch in den Besuchern wieder: Selten trifft man auf einem Festival sowohl Trachtenträger als auch Rocker mit abgewetzten Lederwesten zusammen an.

Sicherheitsvorkehrungen um das Festivalgelände

Wie so vielen Großveranstaltungen wird auch das Open Doors von Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Wer das Festivalgelände aus Richtung des IZ betritt, dem fallen die Betonblöcke auf der Frankfurter auf, die Fahrzeuge, die dort nichts zu suchen haben, fernhalten sollen. Zudem sind die Nebenstraßen abgesperrt, werden von Sicherheitskräften kontrolliert.

Als Mahnung rufen die Betonblöcke ein beklemmendes Gefühl hervor, welches jedoch mit den ersten Klängen der Musik rasch verfliegt.

Vor der Amicus-Bühne vor der Hugenottenhalle tanzen sich die Besucher schon am frühen Samstagabend warm. Das Orquesta Salsamania heizt den Zuschauern mit afrokaribischer Musik ein und lädt auf den Tanzboden zur Salsa ein. Dort tummeln sich die Paare Schulter an Schulter und bewegen sich zu den Klängen.

Wem weniger nach Tanzen, dafür aber umso mehr nach Essen oder Trinken ist, der ist auf der Frankfurter Straße besser aufgehoben. Dort reiht sich eine Bierinsel an den nächsten Foodtruck oder Grillwagen. Auf Bierbänken und an Stehtischen teilen sich fremde Menschen den Platz, rücken zusammen, lachen und kommen ins Gespräch.

Bilder: Open Doors in Neu-Isenburg

Partymeile, Fressgasse, Begegnungsort: Die Frankfurter Straße kann am Wochenende gleich mehrfach umgetauft werden. Auf halber Strecke, an der Kreuzung Friedrichstraße, macht sich die Masse an Besuchern besonders bemerkbar: Während es bislang gemütlich im Schritttempo voran ging, stockt es allmählich. Grund ist die Fraport-Bühne, auf der gerade RÿffHuntR spielen. Die Besucher schwärmen wie die Motten ans Licht an die Bühne. Obwohl der Zeitplan etwas verrutscht ist, werden es am Ende allein dort gut 1200 Fans vor der Bühne gewesen sein, schätzt Stotzem.

Mit dem heimlichen Headliner RÿffHuntR feiern am Samstag bei bestem Festival-Wetter vor der Bühne mehr als 1000 Fans harter Gitarrenriffs. Sie wollen die Hardrocker gar nicht mehr gehen lassen.

Am Ende der Partymeile gleich der nächste Leckerbissen: Dort präsentieren Maddabrasska ihre Musikauswahl; eine Mischung aus eigenen Liedern wie „Kunnigunde“ oder „Zebra“ und vielen Coversongs. Die neunköpfige Gruppe war im vergangenen Jahr die Neuentdeckung des Festivals und gewann den Newcomer-Bandcontest. Ein Jahr später führt der Weg von Maddabrasska wieder auf das Open Doors. Zu übersehen sind sie nicht in ihren quietsch-grünen Klamotten. ,,Neu-Isenburg, was habt ihr heute Abend vor?“ fragt der Sänger der Gruppe. Dem Jubel kann man entnehmen, dass „Feiern“ wohl die einzig richtige Antwort ist.

Bilder: Open Doors in Neu-Isenburg

Auch diesmal präsentieren sich fünf Bands beim Newcomer-Contest dem Publikum. Der Applaus und die Begeisterung der Zuschauer und der Jury entscheiden über die Platzierung. Den Publikumspreis holt sich diesmal die Gruppe Lady Moustache, ebenso den Jury-Preis. (zvk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare