Ortsbeirat fordert Lärmschutz

Weitere Belastung für Gravenbruch verhindern

Gravenbruch - Weitere Belastung für den Stadtteil verhindern und gerüstet sein, wenn es losgeht mit dem geplanten Ausbau der Autobahn 3: Darum ging’s im Kern bei gleich zwei Tagesordnungspunkten zum Thema Lärm, mit denen sich der Gravenbrucher Ortsbeirat am Donnerstagabend befasst hat.

Durch eine Verbreiterung der Autobahn dürfe der ohnehin schon stark lärmbelastete Stadtteil nicht unter weiterem Krach leiden. Einmal im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausbau der A3 stand das Lärm-Thema an, zudem hatte das Grünen-Ortsbeiratsmitglied Ute Hänsel einen Antrag zur Lärmmessung eingebracht, da es in Gravenbruch „viel zu laut“ sei. Bürgermeister Herbert Hunkel war bereits im Vorfeld der Sitzung aktiv geworden. „Wenn das Thema Verbreiterung der Autobahn kommt, wollen wir gerüstet sein und wissen, was der beste Schutz für Gravenbruch ist“, betonte das Stadtoberhaupt. Aufgrund einer unbefriedigenden Antwort auf seine Anfrage bei der Bundesautobahnverwaltung zum Thema hatte er zur Sitzung den Lärmforscher Eberhard Wesemann eingeladen. Mit dem Geschäftsführer der Debakom hat die Stadt bereits mehrfach zusammengearbeitet.

„Das Büro Debakom hat uns beim Lärmschutz rund um den Ausbau des Flughafens bereits geholfen und könnte uns auch hier wieder gut zur Seite stehen, denn es ist auch bei Gericht anerkannt“, begründete Hunkel die Einladung. Eine Anfrage bezüglich besseren Lärmschutzes mit dem Ausbau der A3 hatte nämlich ergeben, dass es kein beträchtlich vermehrtes Verkehrsaufkommen geben werde und somit auch keine weiteren Schallschutzmaßnahmen erforderlich seien.

Wie Wesemann nun erklärte, müsste nahezu eine Verdopplung des Verkehrs zugrunde liegen, damit der Bauunternehmer – hier also die Bundesrepublik Deutschland – selbst aktiv werden muss. Der Geschäftsführer der Debakom mit Sitz in Odenthal bei Leverkusen hielt den Mitgliedern des Ortsbeirats jedoch eine Lärmkarte von Hessen Mobil entgegen, auf der die derzeitigen Lärmwerte für Gravenbruch ausgewiesen sind. „Wenn ich mir diese Werte so betrachte, dann sind bereits heute an vielen Stellen im Stadtteil entlang der Autobahn die Grenzwerte erreicht – oder gar schon überschritten“, überraschte Wesemann die Versammlung. Doch auf eine freiwillige Verbesserung durch Schutzmaßnahmen – in welcher Art auch immer – könne man hier nicht zählen, so der Lärmspezialist.

Die Forderung seitens des Ortsbeirats, so wie sie vom Vorsitzenden Edgar Fischer vorgetragen wurde, lautet: „Wir wollen den aus heutiger Sicht bestmöglichen Lärmschutz.“ Die Frage an Wesemann lautete deshalb: Wie sieht dieser aus? Nach Darstellung des Fachmanns wäre die beste und auch einzig wirksame Lösung eine Einhausung. „Die Autobahn wird verbreitert, somit der Bereich der Lärmerzeugung vergrößert, die Lärmschutzwände müssten höher sein als die bisher höchsten, die gebaut wurden – also höher als zehn bis zwölf Meter“, erklärte Wesemann. Dann hätte man zwar immer noch keine „völlige Ruhe“, es könnten aber die heute geltenden Grenzwerte wahrscheinlich erreicht werden.

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Hunkel verwies auf die Einhausung der A3 bei Hösbach. „Ich habe den dortigen Bürgermeister kontaktiert und er bestätigte mir, dass alle Anwohner sehr zufrieden sind. Wieso sollen wir das nicht für Gravenbruch einfordern?“, so Isenburgs Rathauschef.

Um eine solche Forderung zu begründen, bedarf es des Nachweises einer entsprechenden Belastung. „Die Lärmwerte werden normalerweise durch eine Berechnung ermittelt, in die verschiedene Faktoren wie Verkehrsmenge, Zusammensetzung des Verkehrs und Bodenbeschaffenheit einfließen“, erläuterte er das Vorgehen. „Eine Lärmmessung vor Ort wird nur bei größeren Zweifeln gemacht oder um die Berechnungen zu verifizieren“, ergänzte Wesemann. Darauf bestanden die Gravenbrucher.

Mit einer Messung, die über zwei Wochen an bestimmten Punkten im Stadtteil vorgenommen werden soll, könnte auch in der Zeit des Nachtflugverbots die Einwirkungen des Luftverkehrs ausgeschlossen werden. „Als wir Messungen nur des Fluglärms eingefordert hatten, wurde uns gesagt, dass dies nicht möglich sei, da der Straßenlärm zu hoch ist, und als wir umgekehrt eine Messung des Straßenlärm forderten, wurde uns gesagt, dass dies durch den Fluglärm verfälscht wird“, verwies Dirk Papenbrok (CDU) auf frühere Anträge.

Der Antrag zur Erstellung eines Lärmgutachtens durch Messungen vor Ort wurde einstimmig vom Ortsbeirat angenommen. (lfp)

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