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Paket-Ärger: Geschenk kommt beschädigt und nur mit Glück an

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Von: Nicole Jost

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Ärger mit Post: Der Unmut vieler Kunden, deren Pakete entweder beschädigt oder überhaupt nicht zugestellt werden, steigt. Einem Gravenbrucher ist nun der Geduldsfaden gerissen.

Neu-Isenburg – Das Geburtstagspaket an Gunni Ruoss in Neu-Isenburg (Kreis Offenbach) ist aufgerissen und reichlich zerfleddert. Ein Trost: Die Sendung von ihrer Tochter aus den Niederlanden ist zumindest noch komplett und die sieben verschickten Bücher in einwandfreiem Zustand. „Das ist aber wirklich eher Glück und der netten Nachbarin von zwei Straßen weiter zu verdanken, die das Paket vor ihrer Haustür gefunden hat und es dann freundlicherweise zu uns gebracht hat“, sagt Rüdiger Ruoss.

Der Gravenbrucher ist verärgert. In den vergangenen Jahren hat er schon öfter mit der Zuverlässigkeit von Post- und Paketzustellern gehadert, aber mit der Geschichte dieses vom Versanddienstleister Hermes versandten Paketes ist für ihn das Maß erreicht, sich zu beschweren. „Wir können ja nur vermuten, was passiert ist. Wir wissen nur sicher, dass meine Tochter das Paket in Holland aufgegeben hat und es die Nachbarin in der Kranichstraße aufgerissen vor der Haustür gefunden hat. Wir glauben, dass der Paketfahrer es hier nachmittags vor der Haustür abgelegt hat, weil wir nicht zu Hause waren. Dann hat es jemand gestohlen, aufgerissen und bemerkt, dass nur Bücher drin sind und es achtlos an anderer Stelle abgelegt“, schildert Ruoss seine Annahme.

Gravenbrucher kritisiert Paketzusteller

Er kritisiert das Unternehmen, dessen Fahrer verpflichtet gewesen wäre, das Paket persönlich zu übergeben. Denn das Ehepaar hat niemals einen Ablage-Vertrag oder ähnliches bei Hermes unterschrieben. Die persönliche Übergabe von Paketen muss bei Hermes ordnungsgemäß mit einer Unterschrift des Kunden bestätigt und damit dokumentiert werden.

Reichlich beschädigt: So kam das Geburtstagsgeschenk an.
Reichlich beschädigt: So kam das Geburtstagsgeschenk an. © privat

Keine Frage, es sind harte Zeiten für Paketzusteller. Der zeitliche Druck ist hoch und steigt in den Wochen vor Heiligabend ins unermessliche. Ein Paket einfach vor einer Haustür abzulegen – und die Haustür des Ehepaar Ruoss ist frei zugänglich und das Paket, wenn es dort einfach abgelegt wurde, für jeden Passanten sichtbar – geht trotzdem gar nicht. Viel zu hoch ist die Gefahr, dass es, wie hier vermutlich geschehen, jemand mitnimmt. Die sogenannten Ablege-Verträge, die Hermes mit Kunden abschließt, gelten für nicht einsehbare Bereiche – also Garagen, Schuppen oder ähnliches.

Paket-Ärger: Versanddienst Hermes beschwichtigt und bezieht Stellung

Hermes hat inzwischen mit Hilfe der Sendungsverfolgung recherchiert, was mit dem Paket passiert sein könnte. Die Pressesprecherin teilt mit, dass die Unterlagen einwandfrei sind und der Zusteller eine Zustellung beim Empfänger dokumentiert hat. „Da dies jedoch offensichtlich nicht der Fall war, müssen wir davon ausgehen, dass unsere Prozessschritte hier leider nicht korrekt eingehalten worden sind“, bedauert sie und entschuldigt sich explizit bei den Gravenbrucher Kunden. Mit dem betreffenden Paketzusteller werde jetzt gesprochen und er werde nachgeschult und, wie die Pressesprecherin schreibt, „für die Einhaltung der Prozesse sensibilisiert“.

Hermes unternimmt in der Regel vier Zustellversuche. Dann werde beim Nachbar angefragt, ob er ein Paket annimmt und zuletzt wird eine Karte eingeworfen oder der Kunde erhält digital eine Benachrichtigung die Sendung im Paketshop abzuholen.

Was kann man tun, damit die Weihnachtspost sicher ankommt ?

Um zu einem reibungslosen Paketversand beizutragen, empfiehlt Hermes Verschickern privater Päckchen und Pakete, auf folgende Dinge zu achten: Die Pakete sollen möglichst ohne Außendekoration versendet werden und Pakete für Kinder am besten an die Eltern adressieren. Alte Barcodes, die auf bereits benutzten Kartons sind, unkenntlich machen und einen stabilen, intakten Versandkarton benutzen. Mögliche Freiräume im Paket sollte man auspolstern, den Paketschein in gut leserlich in Blockschrift beschreiben und vor Aufgabe die Adressangaben noch einmal überprüfen. Zuletzt sei es auch wichtig, die Paketdienstleister-AGB zu beachten, denn einige Produkte sind vom Versand ausgeschlossen.

Insbesondere in der Vorweihnachtszeit, der sogenannten Peak-Saison, stockt Hermes die Zusteller nach eigenen Angaben mit 3000 zusätzlichen Arbeitskräften auf. Dann sind rund 13 000 Zusteller auf Deutschlands Straßen unterwegs.

„An der Stelle sei bemerkt, dass die mit Abstand allermeisten Sendungen einwandfrei und zuverlässig an ihrem Bestimmungsort ankommen: Wir transportieren jede Woche Millionen von Sendungen und behandeln die Päckchen und Pakete mit größter Sorgfalt. Trotz stetig steigender Sendungsmengen liegt unsere Schaden- und Verlustquote seit Jahren konstant im unteren Promillebereich rund um 0,04 Prozent – selbst bei sprunghaften Mengenanstiegen wie zuletzt in der Pandemie-Zeit“, so die Unternehmens-Sprecherin. (Nicole Jost)

Auch Beschwerden über verspätete Briefzustellungen durch die Deutsche Post werden seit Monaten im ganzen Land laut. Corona sorge für personelle Engpässe in Briefverteilzentren und Zustellstützpunkten und letztlich die verspätete Brief- und Paketzustellungen verursacht.

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