Pfarrer Matthias Loesch geht in den Ruhestand

Abschied von einer Institution

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An seinem Schreibtisch entwickelte Pfarrer Matthias Loesch seine Predigten. Im Hintergrund ist die Figur von Gustav Adolf zu sehen.   Postl

Neu-Isenburg - Eine Ära geht am morgigen Sonntag zu Ende. Pfarrer Matthias Loesch, der seit Jahrzehnten die Geschicke der evangelisch-reformierten Marktplatzgemeinde leitet, wird verabschiedet. In Neu-Isenburg wird er aber wohnen bleiben.

Seinen letzten Gottesdienst wird Loesch am morgigen ersten Adventssonntag um 10 Uhr halten. Danach stehen seine Verabschiedung in der Kirche und ein Beisammensein an. Angekündigt haben sich die Pröpstin des Kirchenbezirks Starkenburg, Karin Held, sowie Dekan Reinhard Zincke.
Damit schließt sich für Loesch ein Kreis. Als er nach mehreren abgeschlossenen Studiengängen mit seiner Frau Jutta auf der Suche nach einer Pfarrstelle waren, kamen sie am ersten Advent 1979 zum Gottesdienst in die evangelisch-reformierte Gemeinde am Marktplatz in Neu-Isenburg. „Wir haben damals beide gesagt: "Das isses!", erzählt Loesch von dieser Spontanentscheidung. Zur Auswahl stand damals noch eine Pfarrstelle in Dietzenbach und die Erasmus-Alberus-Gemeinde in Sprendlingen. „Aber für uns stand fest, wenn man uns hier will, dann bleiben wir“, betont der 65-Jährige.

Was aus dieser Entscheidung geworden ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Pfarrer Matthias Loesch ist zu einer Institution geworden, die sich auf vielen gesellschaftlichen Ebenen in besonderer Weise eingebracht hat. Gleiches gilt auch für Jutta Loesch, die insbesondere nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst alles andere als in den Ruhestand gegangen ist. Während Loesch sich nicht nur in seiner Gemeinde, und nicht nur in Neu-Isenburg, sondern weit über die Grenzen der Hugenottenstadt hinaus engagiert hat – als Beispiel sei nur der Vorsitz des Gustav-Adolf-Werkes über 26 Jahre genannt – hat Jutta Loesch mit ihren Projekten „Nähen und Deutsch lernen“ oder „..täglich Brot für Beregovo“ ebenfalls Beachtliches für die Gesellschaft geleistet.

Der Füller, mit dem er auch seine letzte Predigt für den morgigen Sonntag schrieb.

Nun steht der Abschied an, der für den Pfarrer dennoch etwas „Plötzliches“ hat: „Ich habe es ja lange genug gewusst, aber ich kann es mir immer noch nicht vorstellen. Aber ich muss und werde mich damit arrangieren“, gibt Loesch offen zu. Fehlen werden ihm die vielen Aufgaben eines Pfarrers. „Da ist so viel Menschliches auf mich zugekommen und das soll jetzt plötzlich vorbei sein?“, fragt er sich. „Was soll ich machen, wenn mich jemand fragt, den ich konfirmiert habe und nun von mir getraut werden will oder von mir vor vielen Jahren getraut wurde und beerdigt werden will?“ Doch für ihn ist klar. „Die Gesetze gelten auch für mich. Ich werde mich daran halten – und künftig auch dort nicht das Maul aufmachen, wo ich es bisher getan habe“, so Loesch in der ihm eigenen Offenheit.

Ganz wichtig für den Pfarrer war immer, dass die Marktplatzgemeinde ein „offenes Haus“ war. So bot er nicht nur der chinesisch-christlichen Gemeinde und der eritreisch-christlichen Gemeinde an, ihre Gottesdienste im Gemeindehaus zu feiern. Auch die Ahmadiyya-Gemeinde konnte dort ihre Gebetsstunden abhalten. „Das hat mir so manche Schelte eingebracht, aber für mich sind das in erster Linie Mitmenschen, die in Gemeinschaft zu ihrem Glauben stehen wollen“, begründet Loesch seine Entscheidung.

Auch die Erwachsenenbildung war für ihn ein wichtiger Baustein seiner Gemeindearbeit. Dem „Enzyklopädist“, wie er sich selbst wegen seines überaus umfangreiches Wissen bezeichnet, war es leicht gefallen, durch seine vielfältigen Beziehungen namhafte Referenten zu selbst schwierigen Themen in die Gemeinde am Marktplatz zu holen. Diese Offenheit galt auch für das Pfarrhaus selbst. Dort weilten als Gäste ranghohe Geistliche aus Tschechien, Rumänien oder Usbekistan sowie des Judentums.

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Doch damit sollte nun urplötzlich Schluss sein, denn mit dem Ausscheiden aus dem Kirchendienst sollte die Pfarrerfamilie auch das Pfarrhaus verlassen. Dies führte zu Irritationen, denn Loesch wollte deswegen mit seiner Frau Jutta die Hugenottenstadt verlassen. Für Bürgermeister Herbert Hunkel war das ein „Unding“, möchte er doch „die Loeschs“ gerne für die Integrationsarbeit in Neu-Isenburg behalten.

Mittlerweile zeichnet sich eine Lösung ab. Matthias und Jutta Loesch können zumindest so lange im Pfarrhaus verweilen, bis die drei Kita-Gruppen des Vereins Känguruh aus dem ehemaligen Pfarrhaus „An den Schulwiesen“ in das jetzt neu zu errichtende Kita-Gebäude im Neubaugebiet Birkengewann umgezogen sind. Dort sollen die Loeschs dann ihr neues Domizil finden. „Ich würde uns so gerne noch ein letztes gemeinsames Nest bauen, so lange ich noch die Kraft dazu haben“, meint Jutta Loesch.

Mit der Besetzung der Pfarrstelle will sich der Kirchenvorstand Zeit lassen. Bis dahin übernehmen vor allem Pfarrerin Silke Henning und Mechthild Dietrich-Milk von der benachbarten Johannesgemeinde die Aufgaben am Marktplatz. (lfp)

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