Start-Up: Lizza steht für weniger Kalorien

Pizzateig aus Leinsamen: Isenburger Unternehmer starten durch

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Marc Schlegel vor dem Lizza-Logo: Sein Unternehmen macht Pizza mal anders.

Neu-Isenburg - Pizza ist nicht gleich Pizza, wie das Beispiel einer Firma aus Neu-Isenburg zeigt: Mit Teig aus Leinsamen ist Lizza auf Erfolgskurs. Von Axel Wölk 

Dazu gehört eine gute Portion Mut: Marc Schlegel und Matthias Kramer verzichteten zugunsten ihrer Unternehmensidee auf eine verheißungsvolle Karriere bei der Deutschen Bank. Mit knapp 30 Jahren hängten sie ihre Anzüge an den Nagel und organisierten sich zunächst einen Food Truck, von dem aus sie Pizza aus Leinsamenteig verkauften. So richtige Zweifel an ihrem Entschluss kamen nie auf. Schlegel bringt es auf den Punkt: „In einem Konzern ist man halt nur ein kleines Schräubchen.“

Beide Gründer teilten vom ersten Moment an bei der Deutschen Bank eine große Leidenschaft für IT-Themen. Mit einer App wollten sie sich dann auch in die Selbstständigkeit aufmachen. Doch am Abend, als das große Brainstorming für ihre Gründungsidee stattfinden sollte, kam dann doch alles anders. Es wurde nämlich Pizza aus Leinsamenteig serviert. „Die Pizza stahl der App die Show.“ Und aus einem Bauchgefühl heraus sattelten sie auf einen Schlag um: Die Idee für die heutige Lizza GmbH (lizza.de) war geboren. L für Leinsamen und izza für Pizza.

Noch heute bewirbt Schlegel mit Euphorie das eigene Produkt. Im Gegensatz zum Pizzateig aus herkömmlichem Weizen schmecke Lizza eher nussig und sättige stärker. Vor allem aber hat sie weniger Kalorien und ist glutenfrei. Außer Leinsamen finden sich im Produkt unter anderem auch Chiasamen und Kokos wieder.

Die Idee klingt durchaus überzeugend, doch ohne Rückenwind geht einem Jung-Unternehmen schnell die Puste aus, dachten sich Schlegel und Kramer. Kurzerhand bewarben sie sich für die Vox-Sendung „Höhle der Löwen“. Es entspann sich ein engagiertes Gespräch, bei dem am Ende alle Seiten hart miteinander feilschten. Die beiden „Löwen“ Carsten Maschmeyer und Frank Thelen hatten Blut geleckt.

Dem gebürtigen Schweizer Schlegel sowie dem Schwarzwälder Kramer ging es noch nicht einmal so sehr um die Finanzen, sondern eher um die Business-Expertise der beiden Unternehmer. Am Ende einigten sich Lizza sowie die „Löwen“ und heute profitiert das Unternehmen laut Schlegel vom Sachverstand der beiden Experten. Dafür und für eine Kapitalspritze von insgesamt 150.000 Euro mussten die beiden Gründer dann aber auch 25 Prozent der Anteile von Lizza abtreten.

Die bisherige Erfolgsgeschichte des Unternehmens beeindruckt. Noch vor weniger als drei Jahren fertigten sie in ihrer eigenen Küche den Pizzateig selbst. Heute beschäftigt das Unternehmen aus Neu-Isenburg knapp 40 Mitarbeiter, rund 15 davon in der Produktion. In atemberaubender Geschwindigkeit schoss der Umsatz nach oben. Nach 1,4 Millionen Euro im Jahr 2016 schafften sie im Folgejahr schon 4,1 Millionen Euro. Und das Unternehmen schreibt solide schwarze Zahlen.

Was Chia und Amaranth können

Den Pizzateig gibt es unter anderem bei Rewe, Real und Edeka, aber auch in Österreich in den Regalen. Auch online ist das Produkt zu haben. Um diese massive Nachfrage zu bedienen, können in einer Acht-Stunden-Schicht in Neu-Isenburg bis zu 7000 Pizzateige angefertigt werden. Lizza reitet auch gerade wegen der großen Markttrends, die die versierten Banker klug aufspürten, auf einer solchen Erfolgswelle.

Immer mehr Menschen haben inzwischen eine Glutenunverträglichkeit entwickelt und im Zeitalter der grassierenden Diabetes wollen auch zahlreiche Deutsche weniger Kohlenhydrate zu sich nehmen. Derweil zeigt sich Schlegel nach außen hin zuversichtlich, dass ihnen niemand ihre Geschäftsidee erfolgreich kopieren könnte. Ganz bewusst verzichteten sie auf einen Patentschutz. Dann nämlich müssten sie nach Patentablauf ihre Rezeptur offenbaren. Deswegen habe auch Coca-Cola niemals ein Patent auf das eigene Getränk angemeldet. Vielmehr will das Neu-Isenburger Unternehmen seinen Marktvorsprung so ausbauen, dass es für Neu-Einsteiger schwer wird.

Für die Zukunft wollen sie mit ihrem Teig komplette Pizzen in die Kühlregale bringen. Schlegel sieht hier echtes Marktpotenzial. Lizza will es besser machen als die Konkurrenz und tüftelt an einer eigenen Fertigpizza. Noch beherrschen die bekannten Großmarken die Pizzaauswahl in Supermärkten. Das soll sich nach dem Willen von Lizza aber bald ändern.

Alle bisherigen Folgen dieser Serie können Sie auf unserer Themenseite Start-ups nachlesen.

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