„So ein tolles buntes Bild“

Premiere des Musikfestivals Open World in der Huha

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Für Open World hat Sängerin Ilka Bauersachs all ihre Isenburger Chorkinder zusammengebracht: Jungen und Mädchen aus den Grundschulen und der Kinderchor der Erstaufnahmeeinrichtung zeigen gemeinsam ihre Freude an der Musik. Rechtes Bild: Auch der Chor der eritreischen Gemeinde, die Kirche und Saal der Marktplatzgemeinde mitnutzen, war zu hören.

Neu-Isenburg - Musiker engagieren sich für Flüchtlinge – und schaffen mit ihren Workshops nicht nur über Monate hinweg einen Sound der Verständigung zwischen den Kulturen. Von Barbara Hoven 

Sie bescheren Einheimischen und Flüchtlingen auch einen wunderbaren Donnerstagabend, den sie alle miteinander verbringen – und beim Abschlusskonzert zum Musikprojekt Open World in der proppenvollen Hugenottenhalle feststellen, dass Musik eine Sprache ist, die überall auf der Welt verstanden wird. Dieses Zusammenrücken der Kulturen entpuppt sich zunächst einmal als Zusammenrücken im Wortsinn: Die Huha scheint fast zu klein, viele Stühle stellen die Mitarbeiter des Kulturbüros noch eilig auf, damit alle sitzen können. Fast vier Stunden lang erleben die Gäste dann ein Konzert, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat: Da treffen die Klänge von klassischen Instrumenten wie Klavier und Geige auf die Rhythmen orientalischer Trommeln und auf die Krar, ein sechssaitiges Zupfinstrument aus Eritrea. Der Bürgermeister ist schon beim ersten Blick in den Saal entzückt: „So ein tolles buntes Bild einer internationalen und bunten Stadt“, schwärmt Herbert Hunkel bei der Begrüßung der Gäste. Und betont, er finde dieses Projekt so wertvoll, „weil es zeigt, dass die Hilfe für Flüchtlinge keine Einbahnstraße ist – wir profitieren alle voneinander“.

All das, was Musiker aus aller Welt an diesem Abend auf die Bühne bringen, ist – wie berichtet – das Ergebnis einer breit angelegten Gemeinschaftsarbeit: Mit dem ebenfalls aus Isenburg stammenden, teils auf den Kanaren lebenden Gitarristen Torsten de Winkel und Musikschulleiter Thomas Peter-Horas hat der Isenburger Berufsmusiker Volker Staub das Festival Open World ins Leben gerufen. Es gab eine Ferienakademie, bei der Hobby-Musiker und Profis gemeinsam musiziert und Neues erlernt haben, um beim Abschlusskonzert aufzutreten. Denn Staub betont: „Vielfalt ist der größte Schatz.“ Und Musik verbinde Menschen unterschiedlicher Kulturen und schaffe Offenheit für die Ausdrucksformen und Traditionen Anderer.

Was Staub, De Winkel und Peter-Horas geschaffen haben, begeistert nun die Besucher. Zu hören und zu sehen sind Musik und Tanz aus 16 Ländern – unter anderem aus USA, Afghanistan, Eritrea, Syrien und Deutschland.

Musik-Festival Open World in der Hugenottenhalle: Bilder

Da stellen sich alte Bekannte neu vor. Ilka Bauersachs zum Beispiel. Die Sängerin und Musikschullehrerin lebt zwar nicht in Isenburg, „macht aber hier ganz viel Musik mit Kindern“, wie Staub erzählt. So leitet Bauersachs etwa den Chor der Wilhelm-Hauff-Schule und hat einen Kinderchor in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Rathenaustraße ins Leben gerufen. „Für Open World hat sie nun all ihre Chorkinder zusammengebracht und mit ihnen zwei gemeinsame Stücke einstudiert“, kündigt Staub an. Für ihn sei dies „ein fantastischer Programmpunkt“. Die beiden Chöre, dazu die Trommelgruppe der Hauff- und der Chor der Hans-Christian-Andersen-Schule: Es ist eine große Gruppe, die das traditionelle afrikanische Lied „Banaha“ und dann das deutsche Stück „Die Gedanken sind frei“ zu Gehör bringt.

Auch Miruna Costa ist keine Unbekannte. Die gebürtige Rumänin leitet in Isenburg das Miruly Kindertheater. Für Open World hat die Schauspielerin und Musikerin mit Flüchtlingskindern aus Serbien, Afghanistan, Äthiopien und der Türkei sowie mit deutschen Jugendlichen eigens ein kurzes Stück erarbeitet. In Liedern und kleinen Szenen erzählt es von der Flucht, der Ankunft und dem Leben in Isenburg.

Zur Begrüßung spielt das Orchester der Goetheschule, das Team des Weltladens sorgt für Essen und Getränke. Auch der Chor der eritreischen Gemeinde tritt auf, ebenso mit dem One Earth Orchestra und dem Ensemble des Bimbache openArt Festivals zwei multikulturell zusammengesetzte Musikgruppen.

Die Schirmherrschaft für das Projekt, für das die Stadt aus eigener Tasche 5000 Euro gezahlt und weitere 5000 an Spenden gesammelt hat, hat Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier übernommen. Am Donnerstag spricht in dessen Vertretung Justizstaatssekretär Thomas Metz – und lobt: „Dafür, dass ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft gelingen kann, ist Neu-Isenburg ein gutes Beispiel.“

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