Projekt gegen das Vergessen

Neu-Isenburg - „Ein Mensch ist erst dann gestorben, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Dieses Zitat von Bertolt Brecht steht als Motto über den Forschungen von Dr. Heidi Fogel. Von Katrin Diel

Die Historikern ist Mitglied der Bertha-Pappenheim-Initiative und gemeinsam mit Noemi Staszewski für die Organisation des städtischen Veranstaltungsprogramms in der Seminar- und Gedenkstätte verantwortlich. Im Auftrag der Stadt ist Fogel zurzeit damit beschäftigt, die Biografien von Frauen zu rekonstruieren, die zwischen 1907 und 1942 im von Bertha Pappenheim gegründeten Heim des Jüdischen Frauenbundes betreut wurden.

In der genannten Zeitspanne lebten etwa 1500 Frauen und Kinder im Heim „Isenburg“. „Von den meisten wissen wir heute nicht einmal mehr die Namen“, sagt Heidi Fogel. Die Akten verbrannten während des Pogroms 1938 oder gingen im Krieg verloren. Die Namen der Bewohnerinnen ab Herbst 1935 sind jedoch erhalten. Denn nach Erlassung der Nürnberger Rassegesetze musste die Heimleitung regelmäßig bei der Ordnungspolizei Listen mit Namen und persönlichen Daten der Frauen und Kinder einreichen. Diese Aufstellungen sind im Stadtarchiv erhalten.

Weitere Veranstaltungen der Seminar- und Gedenkstätte im zweiten Halbjahr:

- Mittwoch, 2. September, 19.30 Uhr: „Der Frankfurter Westendkonflikt und sein historischer Hintergrund“, Vortrag von Michael Lenarz.

- Dienstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr: „Aus religiöser Überzeugung und mit großem Engagement. Sophie Sondhelm – ein Leben für die Kinder“, Vortrag über die letzte Leiterin des Isenburger Heims von Kerstin Zehmer.

Und dort begann die Recherche von Dr. Fogel mit der Erfassung von Namen und Geburtsorten. Ihre Suche führte sie in die hessischen Staatsarchive, ins Bundesarchiv und zum internationalen Suchdienst nach Bad Arolsen. So konnte sie die Namen, Geburtstage und -orte von 471 Personen zusammentragen. Die bisherigen Recherchen ergaben, dass etwa die Hälfte der Menschen deportiert und ermordet wurde. Etwa 80 Frauen und Kinder konnten rechtzeitig ins Ausland fliehen. Einige überlebten das KZ. Für mehr als 100 Einzelpersonen oder Familien konnte Heidi Fogel Biografien zumindest teilweise rekonstruieren. „Zurzeit versuche ich, Kontakt zu ehemaligen Heimkindern herzustellen“, berichtet sie.

Ziel des Projekts ist die Veröffentlichung eines Gedenkbuchs. Dieses soll allerdings nicht in Papierform erscheinen, sondern als Internetseite. Die Erfahrung zeige, „dass sich nach Veröffentlichung viele Menschen melden, die noch etwas beitragen können.“ So können die Daten aktualisiert werden.

Bis Ende des Jahres will Fogel ihre Recherchen abschließen und die Internetseite inhaltlich vorbereiten. Zum Jahrestag der Reichspogromnacht am Dienstag, 10. November, wird die Historikern in einem Vortrag über das Projekt informieren. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Gedenkstätte, Zeppelinstraße 10. Dazu liest Wolfgang Lamprecht aus den Biografien einzelner Bewohner.

Rubriklistenbild: © pixelio

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