Zeichen gegen Terminal 3

Protest gegen Rodung: Aktivisten wollen Bleiben

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Seit einer Woche halten rund ein Dutzend Aktivisten mehrere Bäume im Wald östlich des Flughafens besetzt, um sie vor der Rodung zu schützen.

Neu-Isenburg - Für das Terminal 3 am Flughafen Frankfurt sollen Bäume im Treburer Oberwald fallen – doch dagegen regt sich seit dieser Woche erneut deutlicher Protest. Waldschützer halten weiterhin Wache in den Baumkronen bei Zeppelinheim – und die Aktivisten haben sich aufs Bleiben eingerichtet. Von Leo F. Postl 

In einem kleinen Waldstück südlich von Zeppelinheim gibt es derzeit ungewöhnliche „Nester“ in den Bäumen. Zwischen starken Buchenstämmen sind Seile gespannt, in deren Mitte sich eine Art Lagerplatz befindet. Aktivisten haben mehrere Plattformen und Hängematten in den Bäumen befestigt und auch am Boden Schlafmöglichkeiten eingerichtet. Seit der Protest-Auftaktaktion am vergangenen Sonntag haben die Naturschützer dieses Lager in in luftiger Höhe bezogen. Vor drei Jahren gab es schon mal eine ähnliche Aktion als Vorwarnung auf den Zugriff durch Fraport auf dieses Waldstück. Jetzt, nachdem der Bau des Terminal 3 wieder aktuell geworden ist, ist auch dieses Waldstück an der A5 – der Treburer Oberwald – wieder in den Fokus von Protestaktionen gerückt. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass die „Besitzeinweisung“ dieses Waldes an den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport für den Bau einer verkehrlichen Erschließung des Terminals 3 durch das Regierungspräsidium Darmstadt kurz bevorsteht.

Da die Rodung des beanspruchten Geländes bis zum 28. Februar abgeschlossen sein muss, weil danach die Vegetationsperiode beginnt, rechnen Naturschützer, Bürgerinitiativen und Robin Wood mit einem baldigen Beginn der Baumfällungen auf einer Fläche von rund 4,5 Hektar Wald. Deshalb richten sich die Aktivisten sich aufs Bleiben ein – bis zum 28. Februar wollen sie auf jeden Fall aushalten.

Das Bild zeigt Vertreter der Offenbacher BI bei der jüngsten Protestkundgebung.

Trebur ist aus Sicht der Zeppelinheimer Bürger zwar weit – und dennoch bald ganz nah. Sollte das Terminal 3 realisiert werden, und danach sieht es unzweifelhaft aus, dann fürchtet man dort eine verkehrliche Mehrbelastung – nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Um ursprüngliche Planungen eines Shuttle-Busverkehrs vom Zeppelinheimer Bahnhof zum Terminal 3 ist es zwar mittlerweile leiser geworden, doch man traut dem Frieden im Stadtteil nicht. Im 15-Minuten-Takt sollten die Shuttle-Busse die Nutzer des T3 vom Bahnhof in Zeppelinheim abholen und auch wieder dorthin zurückbringen. „Das bringt heute nicht vorstellbaren Verkehr und Abgase mit sich“, hatte es einmal der engagierte Zeppelinheimer Ex-Pilot und Umweltschützer Ewald Anton bezeichnet.

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Am vergangen Sonntag machten die Bürgerinitiativen Mörfelden-Walldorf und Trebur zusammen mit Robin Wood mobil. Zu einer Protestkundgebung in dem Waldstück gegen die Fraport-Rodung kamen aber auch Zeppelinheimer, Teilnehmer aus Sachsenhausen und Offenbach. „Dafür, dass der speziell auf die von Billigfliegern wie Ryanair zugeschnittene Flugsteig G 2020 in Betrieb genommen werden wird, müssen jetzt noch im Januar weitere sechs Hektar Mischwald weichen“, kritisieren Ute und Hans Schinke, die aus Bürgel zur Protestaktion in den Wald kamen. Mehr als 2000 Hektar Wald seien inzwischen dem Ausbau des Flughafens zum Opfer gefallen „und gingen so den Menschen in der ohnehin stark belasteten Region als Naherholungsflächen verloren“.

Zu den „Wächtern des Waldes“, wie sich die Aktivisten selbst bezeichnen, gehört auch der Sprendlinger Peter Illert. Er gehört seit dem Bau der Startbahn West zu jenen, die sich gegen den Raubbau an Waldflächen einsetzen. Bei der Aktion gegen die Waldrodung für die Landebahn Nordwest harrte Illert mehrere Wochen lang – trotz eisiger Kälte – in einem selbst gebauten Unterschlupf im Kelsterbacher Wald aus. „Man kann doch diesem Treiben der Fraport nicht tatenlos zusehen“, meint Illert, der jetzt insbesondere für die Verpflegung der Baumbesetzer sorgt. Immer wenn ein Polizeihubschrauber, ob zufällig oder nicht, das Waldstück überfliegt, sind alle in „Alarmbereitschaft“.

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Bei jedem Wetter und auch nachts, zeigen die Aktivisten buchstäblich Flagge, um die Bäume vor dem Zugriff der Motorsägen zu schützen. Im Treburer Oberwald ist auch die seltene Beutelmeise beheimatet. Ein weiterer Grund, dieses als Bannwald ausgewiesenes Waldstück zu beschützen. „Es hat sich bisher immer gelohnt zu kämpfen, auch wenn wir kaum etwas verhindern konnten – es hat uns allen gut getan, nicht tatenlos zuzusehen“, beschreibt Illert die Gefühlslage der Aktivisten und Bürgerinitiativen.

„Menschen und Tiere brauchen den Wald. Wir wollen ihn schützen und ein Zeichen setzen gegen den Wachstumswahn der Fraport. Wir fordern Flughafenrückbau statt -ausbau“, sagt einer der Mitstreiter von Robin Wood. Die Aktivisten richten am morgigen Sonntag ab 14 Uhr wieder einen Kuchenstand im Wald ein – mit Gelegenheit zu Gesprächen und zum Schnupperklettern.

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