31-Jährigen wegen Drogenhandels angeklagt

Prozessauftakt: Kokain zwischen Kaffee und Kuchen?

Neu-Isenburg/Darmstadt - Bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge – so lautet die Anklage in einem Prozess, der gestern vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestartet ist. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

An geplanten sieben Verhandlungstagen soll geklärt werden, ob der angeklagte 31-jährige Langener des Kokainhandels in 36 Fällen schuldig ist. An einem kleineren Teil davon soll auch seine mutmaßliche Lebensgefährtin (33) aus Neu-Isenburg beteiligt gewesen sein. Beide sollen gemeinsam eine Wohnung in der Isenburger Innenstadt gemietet haben, in der sie das Kokain zum Weiterverkauf „gebunkert“ hatten. Nach ihrer Festnahme am 28. Juni 2016 fanden die Beamten bei der Hausdurchsuchung 24,86 Gramm des weißen Pulvers – das ergibt einen Marktwert von mindestens 1500 Euro.

An diesem Tag wollte die Frau den Hauptangeklagten offensichtlich mit ihrem Auto zu einem Abnehmer fahren. Noch vor der Haustür wurde das Pärchen gestellt. In der Ablage der Beifahrertür fand sich ein Teleskopschlagstock, in der Handtasche der Studentin ein acht Zentimeter langes Einhandmesser. Kokain wurde im Auto nicht gefunden. Das hatte der Mann in Form eines Zehn-Gramm-Päckchens wohl in die Unterhose gesteckt. Zumindest behauptete er im Vorfeld des Prozesses sinngemäß, dass die Polizei zu blöd sei, dieses zu finden: Er habe das Päckchen nämlich nach dem Zugriff auf dem Klo des Polizeipräsidiums heruntergespült.

Am ersten Verhandlungstag hüllte sich der junge Mann allerdings in Schweigen. Weder zu seinem Lebenslauf noch zu den Vorwürfen wurden Angaben gemacht. Verteidiger Bernd Schuster vertröstete mit der Ankündigung einer „zeitnahen“ Aussage an einem der weiteren Verhandlungstage. Die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff nahm den 31-Jährigen trotzdem selbst eindringlich ins Gebet: „Wenn Sie hier frühzeitig die Karten auf den Tisch legen, wird sich das für Sie im Strafmaß günstig bemerkbar machen.“

Seit März vergangenen Jahres soll der Langener in mindestens sechs weiteren Fällen zwei gesondert verfolgten Käufern je zwischen rund drei und neun Gramm Kokain veräußert haben. Die Übergabe erfolgte in Cafés in der Wald- und der Friedrichstraße. Diese Absatzmengen sollen ebenfalls aus den Beständen der gemeinsamen Wohnung stammen.

Nicht sicher ist hingegen, wo das Zeug der anderen 29 Verkäufe lagerte, die dem Mann darüber hinaus für das erste Halbjahr 2016 angelastet werden. Hier ist von einem Verkaufswert von rund 8000 Euro die Rede. Umschlagplätze waren neben den beiden Isenburger Cafés diverse Parkplätze, Hotels oder die Wohnungen der Käufer.

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Über einen dieser Konsumenten kamen die Ermittler dem Angeklagten auf die Spur: Der musste in einem anderen Verfahren aussagen und erwähnte dabei seinen Lieferanten, den er wiederum über eine weitere Person kennengelernt hatte.

Im Gegensatz zu dem Langener sitzt die Isenburgerin nicht in Untersuchungshaft. Auch sie verweigert derzeit jegliche Auskünfte zu den Vorwürfen, verrät aber zumindest Eckpunkte ihres Lebenslaufes. Demnach kam sie mit 17 aus dem Iran nach Deutschland, machte hier Abitur und nahm ein Studium auf. Nebenbei jobbte sie in der Gastronomie. Zu ihrer Beziehung zum Angeklagten will sie aber gestern nichts sagen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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