Bernd Pufahl geht in den Ruhestand

Vom Rathaus-Schreibtisch aufs Rad

Neu-Isenburg - Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel beginnt eine neue Zeitrechnung im städtischen Fachbereich Kinder und Jugend: Der langjährige Fachbereichsleiter Bernd Pufahl tritt seinen Ruhestand an. Von Leo F. Postl

Seine Nachfolgerin Sonja Ohr, die von der Stadt Worms kommt, fängt zum 1. Januar im Rathaus an. Wenn Bernd Pufahl zum 31. Dezember seinen Schreibtisch räumt und in den Ruhestand wechselt, blickt er auf eine lange Karriere in der Hugenottenstadt zurück. Doch besonders ruhig dürfte es für einen stets recht sportlichen Mobilitätsmenschen wie ihn nicht werden: Das Fahrrad war nicht nur das bevorzugte Verkehrsmittel, um von seinem Wohnort Buchschlag zu seinem Arbeitsplatz im Isenburger Rathaus zu kommen, auch als „Dienstfahrzeug“ nutzte er es, wo immer es möglich war – und in der Freizeit noch viel mehr.

Abschied einer prägenden Gestalt: Bernd Pufahl geht in den Ruhestand.

Altersteilzeit ist für Pufahl ein „schreckliches“ Wort. Hauptsächlich ist es der Bestandteil „Alter“, was ihn an der amtlichen Bezeichnung stört. „Wenn ich alt bin, dann ist es für mich zu spät, aus dem Beruf auszuscheiden“, so seine Einstellung. „Ich gehe bewusst nicht in den Ruhestand, sondern in einen neuen Lebensabschnitt“, betont der 63-Jährige, der jetzt noch einmal die Welt kennenlernen möchte. Bernd Pufahl, der 1954 in Marburg geboren wurde, hatte bereits 1978 sein Anerkennungsjahr als Sozialarbeiter in der Ausländerberatungsstelle der Stadt Neu-Isenburg mit dem Schwerpunkt „Integration und Sozialisation ausländischer Kinder und Jugendliche“ absolviert. Seinen ersten großen Einsatz hatte er beim ersten Tag des ausländischen Mitbürgers, wie der Tag der Nationen damals noch hieß.

Pufahl wollte Jura studieren, tat dies auch, verdingte sich aber in den Semesterferien bei der Isenburger Jugendpflege als Betreuer von Jugendfreizeiten und Ferienspielen. Da in seiner Studienzeit die Aussichten für Juristen immer ungewisser wurden, ließ er sich auf ein Angebot der Stadt Neu-Isenburg ein und ließ das Studium sausen. „Das war freilich ein mutiger Schritt, doch ich habe diesen bis heute nicht bereut“, steht Pufahl zu seiner Entscheidung.

Ab 1980 war er als Jugendpfleger in der damaligen Abteilung Jugendförderung beschäftigt, wurde 1983 Abteilungsleiter für die Kindertagesstättenabteilung und 1988 Abteilungsleiter Kinder- und Jugendarbeit. Seit der Einrichtung eines eigenen Fachbereichs Kinder und Jugend im Jahr 1994 hatte er dessen Leitung.

In seine Zeit fielen gravierende Veränderungen in der Betreuung von Kinder und Jugendlichen. „Es war schwierig für mich, damals den Wandel von einem Kindergarten hin zur Kindertagesstätte in der Verwaltung zu vermitteln“, erinnert sich Pufahl an viele Gespräche. Ähnlich die Situation bei der U3-Betreuung – zudem als der Rechtsanspruch kam.

In beiden Fällen sind ihm heute Verwaltung und Eltern nachhaltig dankbar, denn die Hugenottenstadt gilt in dieser Hinsicht nicht nur im Kreis Offenbach als vorbildlich. „Man kann nicht alles erreichen und umsetzen, was man möchte, aber ich habe für Vieles gekämpft und dabei auch ziemlich viel erreicht“, blickt er heute zufrieden auf seine Aufgabe als Leiter des Fachbereichs Kinder und Jugend zurück. Daneben übernahm Pufahl 2016 zusätzlich die Geschäftsführung der neu gegründeten Betreuungs gGmbh namens NIKI.

Der Weg ist das Ziel: Ein Fahrradtrip durchs südliche Afrika

Neu-Isenburg sieht er strukturell bestens aufgestellt, was Kinderbetreuung und Hortsituation betrifft. Dennoch sieht er ein Problem in der Findung von geeignetem Personal. Pufahl hinterlässt seiner Nachfolgerin einen aufgeräumten Schreibtisch, aber auch weitere Herausforderungen. „Gerade der Bereich Kinder und Jugend ist ein sehr anspruchsvoller, in dem es immer Anpassungen an die zeitgemäßen Anforderungen geben wird – es ist aber auch ein sehr interessanter“, blickt der langjährige Leiter des Fachbereichs zufrieden zurück.

Diesem wird sich künftig Sonja Ohr widmen. Wie Bürgermeister Herbert Hunkel sagt, war sie bisher Fachbereichsleiterin Kinder und Jugend bei der Stadt Worms. Am heutigen Mittwoch stellt sie sich in einer Pressekonferenz vor. Pufahl will sich nun mehr dem Wohnmobil widmen – und das Rad ist immer dabei. Allein auf seinen Dienstfahrten legte er mehr als 60. 000 Kilometer zurück. „Da hätte ich fast zweimal die Erde umrunden können, aber vielleicht mache ich das ja noch mal“, scherzt der Neu-Rentner, der jetzt erst einmal in Südafrika verschnaufte.

Rubriklistenbild: © Postl

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