Stadt erläutert, warum Projekt so wichtig ist

Regionaltangente West: „Fragen der Bürger ernst nehmen“

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Neu-Isenburg boomt: Bis 2030 erwarten die Stadt einen Zuwachs von etwa 10 400 Arbeitsplätzen und 3600 Einwohnern; auch der Verkehr wird voraussichtlich um 26 Prozent steigen. Auch deshalb sei die RTW so wichtig, um den Verkehr in den Griff zu kriegen. J  Grafik: Stadt

Neu-Isenburg - Die geplante Regionaltangente West bewegt die Stadt schon jetzt: Nicht nur bei der Bürgerversammlung im Juni hatte sich gezeigt, dass die Isenburger viele Fragen bezüglich des Millionen-Projekts haben.

Die Stadt versucht nun, frühzeitig auf die Bedenken der Bürger einzugehen. Zunächst wurden daher deren Fragen gesammelt. Sei sollen nun in einem offenen Prozess erörtert werden. Dafür hat sich die Stadt auch den „Vater der RTW“, Rolf Valussi, als Berater mit ins Boot geholt.
Die RTW, eine Bahnverbindung von Bad Homburg durch den Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main über den Flughafen bis nach Isenburg und Buchschlag, soll als eine der größten Infrastrukturmaßnahmen der nahen Zukunft für beträchtliche Verkehrsentlastungen auch auf den Straßen der Hugenottenstadt sorgen. Ursprünglich war der Abzweig zur Anbindung von Isenburg nur bis zum Ex-Güterbahnhof, also bis zur Stadtmitte, geplant. Doch mit der Erschließung des Neubaugebiets Birkengewann und dem prosperierenden Gewerbegebiet Ost werden auch dort die Verkehre zunehmen, die mit einer Verlängerung der Trasse bis zur Endhaltestelle Birkengewann aufgefangen werden sollen.

Gerade diese Verlängerung durch die Friedhofstraße sorgte bei der letzten Bürgerversammlung für Aufreger. Anwohner fürchten Lärmbelastung oder fragen sich zum Beispiel, wo das Parkhaus für die RTW-Endhaltestelle und dessen Zu- und Abfahrt hin soll. Das Projekt wurde gar mit „Stuttgart 21“ verglichen.

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Planungen rasch beginnen

Bürgermeister Herbert Hunkel nahm sich deshalb der Sache an, ging gezielt auf die Kritiker zu. Und setzte eine Bürgerbefragungsaktion aufs Gleis. Die dort aufgeworfenen Fragen wurden nun gesammelt und zu Themenblöcken zusammengefasst – sie sollen nun „zeitnah“ alle detailliert beantwortet werden. Dazu, aber auch um das weiterführende Verfahren über alle behördlichen Instanzen zu begleiten, bedarf es eines Fachmanns. Dieser fand sich in Rolf Valussi, dem ehemaligen Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, den die Stadt nun als Berater mit ins Boot geholt hat (siehe Artikel links).

„Die Fragen der Bürger sind auch die Fragen der Stadt“, lautet gestern Hunkels Botschaft mit Verweis auf die bisher 38 Fragen, die bereits erfasst wurden. Auch dem Stadtparlament lag der Fragenkatalog gestern Abend zur Kenntnis vor. „Wir wollen allen die Möglichkeit geben, ihre Vorschläge in den Planungsprozess einzubringen und auf individuelle Fragen eingehen. Schließlich ist es unsere Stadt, in der wir leben und die wir gemeinsam gestalten.“ Ein offener Dialog sei das Ziel. Dies alles soll noch vor dem eigentlichen Planfeststellungsverfahren über die Bühne gehen. „Wir wollen dem RP in Darmstadt eine aus Isenburger Sicht vorgeklärte Stellungnahme zukommen lassen“, ergänzt Valussi.

„Muss denn in der Friedhofstraße überhaupt die RTW fahren? Kann man den Bedarf nicht mit Bussen decken?“, zitiert Hunkel eine der oft gestellten Fragen. Weitere Fragen der Bürger betreffen Umweltaspekte wie Lärm, Baumbestand oder die Energieversorgung der RTW. Aber auch ein Parkhaus an der Endhaltestelle, die freie Ausfahrt der Feuerwehr bei Alarm oder auch Alternativen zu den 100 Meter langen RTW-Zügen beschäftigten die Bürger.

Bilder: Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr Zeppelinheim

Warum die RTW so wichtig ist, stellen Hunkel und Valussi gestern auch anhand von Zahlen aus den Quellen der Bundesagentur für Arbeit dar. Es wurde zunächst die Ist-Situation erfasst und dann Prognosen für den Zeitraum bis 2030 errechnet. Dabei ist Interessantes zu erfahren: Zum Beispiel, dass derzeit 3207 Isenburger auch in ihrer Stadt arbeiten, das sind lediglich 11,71 Prozent der 27 384 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, die es in Neu-Isenburg gibt.

„Woher kommen all die anderen?“, lautet die Frage. 60,78 Prozent kommen aus anderen Kreisen und Städten als Frankfurt und Offenbach. Aus Isenburg pendeln täglich 11199 Arbeitnehmer raus, davon fast genau die Hälfte nach Frankfurt. Aber 24 157 kommen von außerhalb zur Arbeit in die Stadt. Es gibt gar Fernpendler, die täglich 150 Kilometer unterwegs sind, „allein aus Wiesbaden kommen 400 Leute täglich nach Isenburg“, hat Valussi erfahren.

Gemäß einer Prognose für die lokale Bauleitplanung wird es bis 2030 in Isenburg 10 400 neue Arbeitsplätze geben. Aber auch die Einwohnerzahl wird steigen – und den Verkehr in der Stadt an seine Grenzen bringen: Trotz Angebotserweiterung im Radverkehr und ÖPNV sei ein massiver Anstieg des Kfz-Aufkommen zu erwarten, verweist die Verkehrsprognose auf einen Anstieg um 26 Prozent. Um einen Verkehrskollaps zu vermeiden, sei daher die RTW sehr wichtig.

„Je näher und stressfreier wir die Menschen mit der RTW zu ihren Wohnungen und Arbeitsplätzen bringen, desto größer wird die Akzeptanz dieses Verkehrsmittel sein“, ist Valussi überzeugt. Mit den fünf Haltestellen allein in Isenburg werde zudem ein großer Teil des Siedlungsbereiches erschlossen.

Alle Fragen und Antworten sollen öffentlich einsehbar sein. Sobald das Angebot zur Bundestagswahl von der Startseite der Stadt-Homepage weg ist, soll dort der RTW-Button hin. „Weitere Fragen können direkt an mich gerichtet werden, der Fragenkatalog wird ständig fortgeschrieben“, sagt Hunkel. Die Einbindung der Bürger sei in Isenburg schließlich gute Tradition.

Die nächste Bürgerinfoveranstaltung zu Birkengewann und RTW ist am 5. Oktober, 18.30 Uhr, in der Huha. (lfp)

Bilder zum Weinfest auf dem Rosenauplatz

Bürgerinfo

Die Stadt lädt für kommenden Montag, 11. September, zu einer Bürgerinfoveranstaltung für die Anwohner zur Umgestaltung der Straße Am Trieb ein. Bei der Infoveranstaltung am 8. Juni hatten sich Anlieger über die vorgesehene Planung beschwert, weil dadurch Parkplätze für Autos entfallen würden. Als ein Ergebnis, so heißt es aus dem Rathaus, habe die Stadt der Bitte der Anwohner Rechnung getragen, bei der Straßenplanung insbesondere die Stellplatzsituation zu beleuchten und die Belange für einen sicheren Schulweg zu berücksichtigen.

Mit der Neuplanung der Straße wurde das Büro Habermehl & Follmann Ingenieurgesellschaft beauftragt, das verschiedene Ansätze geprüft hat. Um die Anwohner über den Stand der Planungen zum Ausbau des Triebs zwischen der Offenbacher und der Friedhofstraße zu informieren, gibt es nun eine weitere Bürgerinfoveranstaltung. Beginn ist am Montag um 19 Uhr in der Hugenottenhalle. (hov)

Zur Person Rolf Valussi

„Er ist quasi der Vater der RTW, der kennt das Thema aus dem FF und kann uns im Dschungel von Fragen, Herausforderungen und auch in Sachen Fördergelder den Weg frei machen“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel über Rolf Valussi, den ehemaligen Geschäftsführer der RTW GmbH. Diesen hat die Stadt nun als externen Berater verpflichtet. Hunkel: „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, ihn als versierten Berater für Neu-Isenburg zu holen. Er ist seit über 40 Jahren mit dem Thema Verkehrsmanagement befasst und kennt alle Verantwortlichen und die Zusammenhänge.“

Bilder: Dinofest in Neu-Isenburg

Valussi, Jahrgang 1949, arbeitete von 1977 bis 2002 für die Stadtwerke Frankfurt/Verkehrsgesellschaft und war dann Geschäftsbereichsleiter Verkehrsmanagement der traffiQ in Frankfurt (bis 2010). Als Geschäftsführer der Gesellschaft für ein Integriertes Verkehrsmanagement (ivm) der Region Frankfurt RheinMain verantwortete er von 2005 bis 2010 mit den Partnern der Region die Grundlagen für ein integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement. Von 2008 bis 2017 zeichnete Valussi bei der RTW-Planungsgesellschaft verantwortlich mit einem Budget von etwa 26 Millionen Euro. „Sein Verdienst ist auch, dass die Antragstellung zur Bezuschussung der Planungskosten bei der EU-Kommission für den Bau der RTW erfolgreich verlief“, hebt der Magistrat hervor.

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