Im Birkengewann Reihenhäuser gebaut

Rumänische Arbeiter sehen sich um Lohn geprellt

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Harte Arbeit und am Ende kein Geld: Mit Transparenten demonstrieren die rumänischen Arbeiter gestern Vormittag vor Ort an der Baustelle im Birkengewann für eine gerechte Bezahlung. Für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen sollen sie für ihre Arbeit am Rohbau eines Reihenhausprojekts aber nur einen Bruchteil der ihnen zustehenden Vergütung bekommen haben.

Neu-Isenburg - Auf der Baustelle für ein Reihenhausprojekt im Birkengewann sollen 18 rumänische Arbeiter um ihren Lohn geprellt worden sein. Gestern machten sie bei einem Pressetermin vor Ort auf ihre Situation aufmerksam. Von Barbara Hoven 

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Ein Subunternehmer, der sie anheuerte, sei einen Großteil des Lohnes schuldig geblieben. Das DGB-Projekt „Faire Mobilität“ und die IG BAU Bezirk Rhein-Main machten den Fall nun öffentlich und wollen den Männern helfen, ihre Forderungen durchzusetzen.
„Wir wollen unsere Löhne!“ Mit Transparenten machen die 18 rumänischen Bauarbeiter gestern ihrem Frust Luft. Vor gut einer Woche hatten sich die Männer an die Beratungsstelle von „Faire Mobilität“ in Frankfurt gewandt und berichtet, dass sie für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen im Mai und Juni für ihre Arbeit keine – oder so gut wie keine – Vergütung bekommen hätten. Seit Anfang April hatten die Rumänen im Rohbau eines Reihenhausprojekts im Birkengewann gearbeitet und offenbar lediglich für Mai geringe Vorschüsse erhalten.

Die Beratungsstelle nahm daraufhin Kontakt zur Gewerkschaft IG BAU Bezirk Rhein-Main auf. Diese vertritt nun die Rumänen und versucht, deren Forderungen durchzusetzen. „Die ausgeführten Tätigkeiten setzen mindestens angelernte Kenntnisse und Fertigkeiten voraus, daher steht ihnen der Mindestlohn für angelernte Tätigkeiten nach dem Mindestlohntarifvertrag für das Baugewerbe in Höhe von 14,95 Euro brutto pro geleisteter Stunde zu“, erklärt gestern IG BAU-Branchensekretär Johannes Schader.

Nach Berechnungen der Gewerkschaft stehen den Bauarbeitern alleine für Mai mehr als 62.000 Euro zu. Lediglich 14.000 Euro seien in Form von Abschlägen ausbezahlt worden. Für Juni wurde ein Betrag von mehr als 30.000 Euro geltend gemacht. Die Arbeit hatten die Männer schließlich am 18. Juni niedergelegt, nachdem sich das Gerücht breit machte, dass ihr Arbeitgeber in eine Razzia der Finanzkontrolle Schwarzarbeit geraten und verhaftet worden sein soll. Es handele sich um eine „sehr dubiose Firma von Anfang an“, die nicht erreichbar sei, „wir wissen gerade einmal, dass die im Handelsregister eingetragen ist“, sagt Schader.

Die Situation der Arbeiter ist angespannt, sie hängen in der Luft – und warten seit dem 18. Juni darauf, Geld zu bekommen. Die Baustelle stand zunächst still; mittlerweile sieht man einige andere Männer dort arbeiten. „Ich bin sehr enttäuscht, dass ich in Deutschland überhaupt in eine solche Situation komme, das habe ich nicht erwartet“, übersetzt die Dolmetscherin, was einer der Männer berichtet. Er sei zum ersten Mal auf einem Bau in Deutschland, „ich habe meine Familie verlassen, um hier Geld zu verdienen, jetzt kann ich nicht mal ein wenig Geld schicken“.

Hinzu kommt bald die Frage der Unterbringung: Noch leben die Rumänen in vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Unterkünften in den umliegenden Städten. „Wir teilen uns zu fünft eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Dietzenbach“, erzählt ein 29-Jähriger. Geregelt, so Schader, sei die Unterkunft jedoch nur bis Ende des Monats – wie es dann weitergehe, sei unklar.

Die Baustelle, um die es geht, ist die des Reihenhausprojekts „Isenburger Gärten“: Entlang der Anny-Schlemm- und der Wilhelm-Leichum-Straße errichtet die städtische gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gewobau in Kooperation mit der GWH Bauprojekte 57 Reihenhäuser. Arbeitgeber der Rumänen sind die beiden Partner aber nicht. Denn Gewobau und GWH haben für das Projekt die in Isenburg ansässige d & b Bau GmbH als Generalunternehmen beauftragt. Und es wird noch verzwickter: Denn die Rumänen arbeiten wiederum auch nicht für diesen Generalunternehmer, sondern für ein von der d & b beauftragtes Subunternehmen.

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Erste Versuche, den Sachverhalt über Gesprächsangebote zu lösen, seien fehlgeschlagen, berichtet die IG Bau. Man habe die Lohnforderungen gegenüber dem Generalunternehmer sowie dem Arbeitgeber schriftlich geltend gemacht. Geantwortet habe bis dato nur der Generalunternehmer, der die Forderungen zurückweise.

Deshalb werde man als nächstes eine ähnliche Protestaktion vor der Tür der d & b Bau in der Siemensstraße ansetzen – und sich, falls man nicht vorwärts komme, dann auch an die öffentlichen Auftraggeber, also Gewobau und GWH, wenden und diese auffordern zu handeln. „Diese Vorgehensweise, dass man einfach unkontrolliert Aufträge vergibt, ohne sich darum zu kümmern, wer das nachher ausführt, das kann so nicht weitergehen“, merkt der Gewerkschaftler noch an, „da brauchen wir auch ein anderes Vergabegesetz“.

Eingeladen habe man Vertreter von d & b Bau, Gewobau oder GWH zum Pressetermin nicht. Per Mail kommt dann aber von der d & b Bau als Reaktion im Anschluss gestern eine Presseerklärung, die der Sache eine weitere Wendung gibt.

Frei übersetzt erklärt die Geschäftsleitung darin, den Subunternehmer, der für den Ärger verantwortlich sei, gar nicht zu kennen. Die d&b Bau habe für das von Gewobau und GWH bei ihr beauftragte Bauvorhaben eine andere, in Dietzenbach ansässige Firma mit der Erstellung der Rohbauten beauftragt. Erst am 15. Juni habe man dann erfahren, dass die Geschäftsführung dieser Firma festgenommen worden sei. „Für uns ebenfalls völlig überraschend haben wir sodann erfahren, dass der von uns beauftragte Nachunternehmer einen Nachunternehmer vertragswidrig ohne unser Wissen und unsere Zustimmung mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt hat.“ Erst durch dessen Mitarbeiter beziehungsweise die Gewerkschaft habe man schließlich erfahren, dass besagte Firma die Löhne nicht vollständig gezahlt habe, schreibt die d & b weiter. Und betont: „In Abstimmung und Einvernehmen mit allen Beteiligten auf Auftraggeberseite verurteilen wir dieses Vorgehen aufs Schärfste.“

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Die Firma legt Wert auf die Feststellung, „dass die d & b Bau als beauftragter Generalunternehmer für dieses Bauvorhaben selbstverständlich ohne Einschränkung ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen wird und die geprüften und als berechtigt festgestellten Lohnforderungen der geschädigten Mitarbeiter des Unternehmens pflichtgemäß erfüllen wird“. Die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmen habe man bereits beendet und sei mit der Gewerkschaft im Gespräch, „um schnellstmöglich eine Lösung für die betroffenen Mitarbeiter zu finden“.

Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach betont auf Anfrage ebenfalls, man bemühe sich um Klärung und darum, „dass das mit den Leuten vernünftig geregelt wird“. Man sei mit der d & b Bau in engem Kontakt, „das läuft sehr partnerschaftlich ab und ich bin auch sehr zuversichtlich, dass das klappt“.

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