Rosenmontag – so oder so

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Gabriele Keydel dekoriert schon mal den „Rosenkönig“ Wilfried Föhl.

Neu-Isenburg - Wer zu seinem 85. Geburtstag schön sein will, muss nicht leiden. Aber basteln – zuvorderst 12.000 Rosen aus störrischem Krepp. Mit denen setzt der Tennis-Club Rot-Weiß sich und seinen Komiteewagen für den Fastnachtsumzug am Lumpenmontag in Szene.

Die fleißigen TCRW-Damen basteln seit Monaten Rosen für den Lumpenmontag.

Normalerweise ist montags Ruhetag in der Gaststätte des TCRW, doch seit der Zeit nach den Sommerferien ist immer Licht zu sehen; drinnen herrscht reges Treiben. Woran das liegt? Der TCRW feiert in diesem Jahr sein 85-jähriges Bestehen und dafür laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Es ist ja keine große Feier im Sinne des Vereinsrechts, aber bis zum 100-Jährigen wollten wir nicht warten“, scherzt Gabriele Keydel. Einen großen Ball, wie vor zehn Jahren, fanden viele Mitglieder langweilig; aber dennoch sollte etwas passieren im Jubiläumsjahr.

„Da wir alle gerne feiern, bot sich die Fastnacht und hier insbesondere der Lumpenmontagsumzug an“, sagt die Jubiläumsmanagerin. „Wir werden uns mit einem großen, besonderen Komiteewagen am Umzug beteiligen.“ So etwas macht Arbeit, und deswegen ist jetzt auch montags immer was los im Vereinsheim. Der närrische Komiteewagen soll nämlich als „rollendes TCRW“ durch die Stadt fahren, und dafür braucht es jede Menge Rosen. Da die Deko mit natürlichen Rosen – es müssen rund 12 000 sein, wie Wagen-Designer Maximilian Keydel berechnet hat – viel Zeit in Anspruch nehmen würde, wären die meisten wohl schon verwelkt, bevor sich der närrische Lindwurm in Bewegung setzt. Also entschied man sich, selbst Rosen zu basteln. Aus Krepppapier, und natürlich in rot und weiß. „Wir fanden die Idee alle super, doch als wir an die Arbeit gingen, kamen erste Zweifel an dem anspruchvollen Projekt auf“, verrät Petra Herzig.

Die Rosen müssen eine bestimmte Größe haben, dafür braucht man die entsprechende Papierbreite – die gab’s aber nicht zu kaufen. „Ich hab das Internet durchgewühlt, bis ich auf eine Bördelmaschine gestoßen bin – die hat aber 1200 Euro gekostet und war für Metall“, schildert Keydel. Schließlich fand sich doch eine für Papier, es wurden gleich zwei geordert. Und als schon nach kurzer Zeit die Finger vom Zurechtschneiden des Papiers schmerzten, suchten die Damen nach einer anderen Lösung. „Kein Problem, sagt mir, wie breit, und die Sache ist in zehn Minuten erledigt“, meinte Jürgen Zepp, der auch den 7,5-Tonner stellt. Die Buchstaben „TCRW“ werden freilich mit halbierten Tennisbällen dargestellt.

Bilder vom Rosenmontagszug in Neu-Isenburg 2012

Lumpenmontagsumzug in Neu-Isenburg

Dann lagen endlich kistenweise die Krepppapierstreifen bereit und es ging los. In einem Crash-Kurs bildete Anneliese Zepp die Mitstreiterinnen zu perfekten Rosenfalterinnen und Wilfried Föhl zum Bördelmeister aus. So saß der „Rosenkavalier“ nun jeden Montag mitten unter den fleißigen Damen und bördelte das Krepppapier, die flinken Damenhände machten dann daraus perfekte Röschen. Was zu Beginn als unendliches Unterfangen erschien, wurde mit der Zeit doch zu einer absehbaren Aufgabe. Der Berg des Rohpapiers schrumpfte, der Rosenberg erblühte. Inzwischen sind die Bastler bereits auf die Zielgerade eingebogen. Sie sind sicher, dass sich die Mühe gelohnt hat: Wenn bald die 12 000 Röschen mit 24 000 Tackerklammern befestigt sind, dann sind alle Mühen vergessen – und die Isenburger werden am Lumpenmontag mächtig staunen. Nach dem Umzug steigt im TCRW-Heim die erste Jubiläumsparty, im Sommer soll eine weitere folgen.

lfp

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