Regionaltangente West

RTW: Widerstand wächst

Gegen die RTW-Strecke, die mitten durch die Stadt laufen soll, formiert sich Widerstand. Der Verkehr, so fürchten die Gegner, werde zusammenbrechen, denn die RTW-Züge sollen Vorrang in den Straßen bekommen; die Straßen würden durch den Bahnkörper extrem eingeengt. -   Foto: p
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Gegen die RTW-Strecke, die mitten durch die Stadt laufen soll, formiert sich Widerstand. Der Verkehr, so fürchten die Gegner, werde zusammenbrechen, denn die RTW-Züge sollen Vorrang in den Straßen bekommen; die Straßen würden durch den Bahnkörper extrem eingeengt.

Neu-Isenburg - Während die Regionaltangente West im Isenburger Rathaus als wichtiges Projekt betrachtet wird, werden die Gegner der Trassenführung lauter: 15 Bürger haben sich organisiert und gehen mit ihren Argumenten gegen die Verlängerung der Bahn bis ins Birkengewann nun an die Öffentlichkeit.

Die Stadt wirbt intensiv für das Vorzeigeprojekt Regionaltangente West (RTW). Für die geplante Schienenstrecke von Bad Homburg über den Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag wünscht sich Bürgermeister Herbert Hunkel eine Anbindung an das Neubaugebiet Birkengewann und damit eine 2,3 Kilometer lange Schienenstrecke durch die Hugenottenstadt. Inzwischen formieren sich Gegner dieser Planungen. Eine Gruppe von zirka 15 Isenburgern hat sich für eine Aufklärungskampagne organisiert, um die Bürger darüber zu informieren, warum die RTW-Erweiterung durch Neu-Isenburg aus ihrer Sicht keine gute Idee ist.

„Wir sind gar nicht grundsätzlich gegen die RTW, wir wollen nur die Streckenführung durch die Stadt vermeiden. Es gibt einfach viel zu viele Nachteile und Belastungen für die Neu-Isenburger, und keine wirklichen Vorteile dieser Bahn“, erläutert Jürgen Czernio die Haltung der Interessengemeinschaft „RTW - Nein Danke“.

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Dafür haben die Bürger gleich zehn Gründe erarbeitet, den Abzweig der RTW nicht umzusetzen: Die Bahn bringe entgegen der Prognosen der Stadt kaum eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Durch die Realisierung der Bahn reduziere sich die Verkehrsnachfrage auf der Friedhofstraße, dafür erhöhe sich der Verkehr aufgrund der beiden geplanten Park&Ride-Parkplätze auf der Bahnhof-Westseite und im Birkengewann Ost.

Die Gruppe sieht auch den Bedarf für eine 100 Meter lange und 2,65 Meter breite Bahn nicht. „Von den 6000 Arbeitnehmern im Gewerbegebiet wohnen 70 Prozent gar nicht im Einzugsbereich der RTW. Damit bleiben 2000 übrig. 20 Prozent nutzen den öffentlichen Nahverkehr – dann reden wir von 400 Fahrgästen. Diese Kapazität ist mit einmal rein und einmal raus transportiert – dafür fährt die Bahn den ganzen Tag leer durch Isenburg“, fürchtet Jürgen Czernio.

Die neu zu schaffende Bahnlinie habe zudem eine erhebliche Trennwirkung für die angrenzenden Wohngebiete und Nebenstraßen. Dazu komme eine Lärmbelastung, eine erhöhte Unfallgefahr, der Verlust von mehr als 200 Bäumen auf der Carl-Ulrich- und der Friedhofstraße und eine erhebliche Verengung der Straßen aufgrund eines Doppelgleises für die neue Bahn.

Die Gegner befürchten massive Beeinträchtigungen des Verkehrsflusses in der Stadt an den neuralgischen Knotenpunkten, weil die Bahn immer Vorfahrt hat. Ein Beispiel sei dabei der Abzweig von der Friedhof- in die Herzogstraße; ein weiterer Punkt die Ausfahrt der Feuerwache, die möglicherweise dann an die Offenbacher Straße angebunden werden müsse. Ein weiterer Grund, die Erweiterung der RTW bis ins Birkengewann nicht umzusetzen, sei das Geld: Die neu zu verlegenden Straßenbahngleise für die Ost-Verlängerung kosten rund 17 Millionen Euro – Kosten, die nach Meinung der Gruppe nicht im Verhältnis zu einem Nutzen stehen. „Die Planungsgesellschaft sollte es bei der ursprünglichen Idee belassen, die Bahn nur an den Bahnhof von Neu-Isenburg anzubinden“, findet Czernio. Die RTW sei geplant worden, um den Norden des Rhein-Main-Gebiets schnell mit dem Süden zu verbinden. Alle verbundenen Orte würden im Westen tangiert, die Innenstädte nicht angefahren. Nicht einmal in die Großstadt Frankfurt gebe es einen Abzweig. „Warum soll also ein riesiger Aufwand getrieben werden, um eine relativ geringe Anzahl von Menschen aus dem Parkhaus im Osten der Stadt zum Bahnhof im Westen zu bringen? Hier ist ein eigenes Verkehrskonzept gefragt, was passend für eine kleine Stadt wie Isenburg zugeschnitten ist. Es gibt bereits drei Buslinien, die jetzt genau die Strecke innerhalb der Stadt abfahren, wie später die geplante RTW. Diese Busse sind bei weitem nicht ausgelastet und hätten genügend Kapazitäten frei“, betont Czernio.

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Die in der IG engagierten Bürger plädieren vielmehr für eine Anbindung der Stadt Langen an die RTW. Dort sei der Platz für entsprechende P&R-Parkplätze vorhanden und es gebe genügend Fahrgäste etwa aus dem Gewerbegebiet rund um die Flugsicherung. Damit sei auch Dreieich zufrieden, denn die RTW könnte einfacher auf vorhandenen Gleisen passieren. Außerdem könne man sich die kostenintensive Unterführung am Isenburger Bahnhof sparen. Und das viel diskutierte „Ampel-Ei“ an der Kreuzung Hugenottenallee/Carl-Ulrich-Straße würde nicht noch zusätzlich mit 100 Meter langen Zügen belastet.

Die IG „RTW – Nein Danke“ hat einen Flyer vorbereitet, der in den nächsten Tagen an die Neu-Isenburger Haushalte verteilt werden soll. „Uns geht es um Aufklärung, die Menschen in Neu-Isenburg sollen sich auch der Nachteile der RTW bewusst sein“, erklärt Czernio das Engagement der Gruppe. (zcol)

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