Gegner schreiben an Minister Al-Wazir

„RTW-Strecke durch die Stadt nicht zielführend“

Neu-Isenburg - Die Gegner der Regionaltangente West (RTW) in Neu-Isenburg lassen nicht locker. Nun haben sie in einem Brief an Minister Tarek Al-Wazir auf ihre Bedenken gegen die Strecke durch die Stadt hingewiesen.

Anlass sind Pläne des Landes zur Reaktivierung von Schienenstrecken für den Personennahverkehr in Hessen, um die Straßen zu entlasten, das Klima zu schützen und den ländlichen Raum zu erschließen. Die RTW-Gegner Ulrich Gottschalck, Jürgen Czernio und Horst Schimkat, die den Brief unterschrieben haben, wundern sich, dass da auch Neu-Isenburg genannt wurde. Zwar handele es sich (noch) um eine grüne Kleinstadt außerhalb des Frankfurter Stadtwaldes, die allerdings bereits durch Straßen- und S-Bahn-Anschluss hervorragend erschlossen sei. Der Halt der RTW am Neu-Isenburger Bahnhof werde zur weiteren Attraktivität beitragen. Allerdings wendet sich das Trio gegen die Streckenführung durch die Innenstadt.

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Die existierenden, weitestgehend überwucherten alten Gleise auf der seit 2003 nicht mehr befahrenen Güterstrecke in die Innenstadt würden beim Abzweig vom Bahnhof keinesfalls reaktiviert, betonen die RTW-Gegner. Stattdessen sei zur Querung bestehender Strecken ein Kreuzungsbauwerk für die RTW erforderlich. Vom Bahnhof bis zur Siemensstraße müsse die gesamte Strecke erneuert werden, da die übrig gebliebenen Schienen nicht mehr brauchbar seien. Das Trio weist zudem auf den starken Lkw-Verkehr an der Einmündung zur Umgehung Siemensstraße hin, der durch die Vorrangschaltung der Bahn extrem beeinträchtigt würde. Im weiteren Streckenverlauf müssten nahezu alle der etwa 200, teilweise alte Alleenbäume gefällt werden. Die Probleme am Verkehrskreisel Carl-Ulrich-Straße/Hugenottenallee würden durch die RTW weiter verschärft. Als weiteres Argument führen die Gegner die enormen Herausforderungen am RTW-Halt Stadtmitte/Güterbahnhof an, um die Sicherheitsanforderungen der Feuerwehr zu erfüllen.

Gottschalck, Czernio und Schimkat bewerten die RTW wegen der zu erwarteten Verkehrsverschärfung an den neuralgischen Punkten zunehmend kritisch. Auch der geschätzte Aufwand von mindestens 30 Millionen Euro stehe in keinem Verhältnis zu den von der Planungsgesellschaft angegebenen 4300 Ein- und Aussteigern pro Tag auf diesem Streckenabschnitt. Als Alternative befürworten die Gegner getaktete Shuttlebus-Verbindungen zum RTW-Halt am Neu-Isenburger Bahnhof, wie es der RMV durch den effizienten Schnellbus-Ring um Frankfurt bereits realisiert habe.

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Überdies sollten die dann freigesetzten Kapazitäten auf bestehenden S-Bahngleisen vom Bahnhof Neu-Isenburg genutzt werden, um Langen mit dem weit größeren Verkehrsaufkommen und ausreichend Parkplätzen an die RTW anzubinden. Nach Meinung des Trios sei die Unterstützung des Ministers bei der Realisierung der RTW-Kernstrecken wichtig. Das Projekt einer Reaktivierung stillgelegter Güterbahngleise quer durch Neu-Isenburg sei dagegen nicht zielführend, um den ÖPNV nachhaltig attraktiv zu gestalten und effizient zu betreiben. (hok)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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