Fachbereich Kultur zieht Bilanz

Sanierung der Hugenottenhalle große Herausforderung

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Der Stadtbibliothek ist es in den Räumlichkeiten an der Hugenottenhalle seit langem zu eng. Eine zukunftsfähige Lösung zu finden für die Sanierung des Gesamtkomplexes, das ist eine der großen Herausforderungen für die Stadt.

Neu-Isenburg - Deutlich mehr Besucher, mehr Einnahmen: Die Statistik der Isenburger Museen für 2017 fällt durch die Bank weg positiv aus.

„Die Museen haben einen neuen Zug gekriegt, haben großes Interesse geweckt“, lobt Kulturdezernent Theo Wershoven seinen Museumsleiter Christian Kunz. Vor allem das Zeppelinmuseum erfreue sich auch überregionalen Interesses.

Weitere Themen sind gestern die Umgestaltung von Hugenottenhalle und Stadtbibliothek, neue kulturelle Veranstaltungen und Neuerungen fürs Open Doors, als der Fachbereich Kultur und Sport vor Pressevertretern Bilanz zieht und einen Ausblick auf 2018 gibt.
Als Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU) im Sommer 2016 Christian Kunz als neuen Mann für die Museen vorstellte, da gab er dem neuen Mitarbeiter gleich eine recht anspruchsvolle Hausaufgabe mit. Im kommenden Jahr, so forderte Wershoven damals, solle die Zahl der Besucher in den Museen um wenigstens zehn Prozent gesteigert werden. Gestern nun wird deutlich: Kunz hat seine Hausaufgaben gemacht; der Blick auf die Museums-Statistik sorgt für Zufriedenheit bei den Verantwortlichen. 2017 kamen 5104 Besucher ins Zeppelinmuseum in Zeppelinheim; das sind etwa 41 Prozent mehr als im Vorjahr. „Das ist natürlich eine überwältigende Zahl“, sagt Kunz – um nur 40 Besucher habe man die Rekordmarke aus dem Jahr 2011 verfehlt, das Museum erfreut sich auch überregionalen Interesses.

Und auch im Haus zum Löwen, das – wie die meisten Stadt- und Heimatmuseen – unter Fachleuten als nicht einfach zu bespielen gilt und das sich bei den Besucherzahlen schwerer tut, fällt die 2017er-Statistik positiv aus: Das Haus in der Löwengasse besuchten 4502 Menschen, das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In beiden Museen habe sich die Zahl der Führungen etwa verdoppelt; vor allem viel mehr Schulklassen habe man durch Aktionen wie den neuen Apfelworkshop gewinnen können.

Kunz ist sich sicher, dass auch das Modellprojekt „Zahle was Du willst“ einen positiven Einfluss auf die Besucherzahlen gehabt hat. „Bei Familien beispielsweise erleben wir es öfters, dass dies die Hemmschwelle senkt, mal vorbeizuschauen.“ Überregionale Beachtung habe der Testlauf den Isenburger Museen zudem beschert, „es kamen sogar Anfragen aus dem europäischen Ausland, die Interesse an den Projektergebnissen hatten“. Was so gut läuft, will der Museumsleiter natürlich beibehalten: „Zahle was Du willst“ soll nun auch 2018 in beiden Häusern weitergeführt werden.

Und weil die Museen mit den eingenommenen rund 13 000 Euro die im Stadt-Budget vorgesehene Einnahmeerwartung laut Kunz „mehr als verdoppelt“ haben, war sogar noch die Verwirklichung eines Wunsches drin: ein Museumsführer auf Deutsch und Englisch für das Haus zum Löwen. Die deutsche Variante liegt bereits vor, die englische ist gerade im Druck, eine französische soll folgen.

Wenn’s um die Herausforderungen für den Fachbereich geht, steht vor allem das Projekt Sanierung Hugenottenhalle und Stadtbibliothek immer mehr im Vordergrund. Beide sind unverkennbar in die Jahre gekommen; seit Jahren wird darüber diskutiert. Ein Kultur- und Bildungszentrum, in dem Huha und Bibliothek zu einem modernen Ganzen zusammengefügt werden, das ist es, was Wershoven mittlerweile vorschwebt. „Da einfach nur ein neues Gebäude für die Bibliothek an der Ecke“ zu errichten, das könne nicht der richtige Weg sein. Wichtig sei in jedem Fall, dass in Ruhe über das Thema nachgedacht werde angesichts der Größe der Investition: „Wir können nicht 20 Millionen Euro ausgeben und dann feststellen, dass wir ein Haus gebaut haben, das von gestern ist und nicht von morgen“, sagt Wershoven.

Schon allein die technische Infrastruktur, was Heizung, Lüftung und auch Elektrik betrifft, ist derart verwoben, dass eine „Einzelreparatur“ nicht nur Stückwerk, sondern auch technisch wesentlich aufwendiger wäre als eine Komplettsanierung.

Vor drei Jahren wurde schon mal ein Architektenentwurf vorgelegt, der aus der Kegelbahn im Keller weitere Nutzungsräume für die Bibliothek machen sollte. Dieses „Flickwerk“ wurde mittlerweile verworfen – Wershoven hofft, dass man die Sache ganzheitlicher angehen wird, er fordert eine „zukunftsfähige“ Lösung.

Wie diese aussieht, kann er freilich noch nicht genau sagen. Derzeit werde erst einmal ein Raumkonzept erarbeitet, eine Vorlage soll noch im ersten Halbjahr 2018 auf dem Tisch liegen. Damit werde man dann in die Diskussion eintreten – und zwar möglichst bald auch im Dialog mit den Bürgern, „damit hier nicht an den Menschen vorbei geplant wird“.

Wichtig sei es zudem, auch entsprechende Projekte in anderen Städten, vielleicht sogar in anderen Ländern zu betrachten und auf deren Erfahrungen aufzubauen. Jutta Duchmann, die Leiterin der Stadtbibliothek, verweist darauf, dass sich die Institution Bibliothek derzeit in einem Umbruch befinde. Eine moderne Bibliothek müsse mehr sein als eine Aneinanderreihung von Büchern. Die Bibliothek der Zukunft sei „ein dritter Ort des Aufenthalts, wo moderne Medien zwar ein breites Informationsangebot darstellen, aber wo es auch viele lebendige Bildungsveranstaltungen gibt.“

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Apropos Veranstaltungen: Auch im Bereich Stadtbelebung ist einiges geplant. Neben dem Altstadtfest (15. bis 17. Juni), dem Weinfest (10. bis 19. August) und anderen Klassikern werden die Spiele der Fußball-WM 2018 mit deutscher Beteiligung allesamt live im großen Saal der Hugenottenhalle übertragen.

Das Musikfestival Open Doors steigt in der Zeit vom 20. bis zum 22. Juli – dann erstmals mit einem freiwilligen Obolus von fünf Euro. Dies hatte Festival-Organisator Michael Kercher jüngst bereits im Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt. Auch seitens des Kulturbüros berichtet nun Wershoven, dass dieses Bezahl-Modell etwa nach Art der Lumpenmontagsplakette – will sagen: die Bitte an die Besucher, sich freiwillig mit einem Betrag zu beteiligen – kommen wird. Denn das für die Stadt so wichtige und renommierte Musikfestival leiste über drei Tage ein so üppiges Angebot, „dass die Veranstaltung in dieser Form nicht mehr zum Nulltarif zu halten ist“. Wie genau die Sache laufen wird, dafür tüfteln die Verantwortlichen gerade an einem Konzept. Riesige finanzielle Sprünge seien dadurch natürlich nicht zu erwarten, „man muss da realistisch bleiben“, sagt Thomas Leber. Der Leiter der Hugenottenhalle betont: „Wenn wir da um die 10 000 Euro erwirtschaften, wäre ich persönlich schon zufrieden.“ Es gehe einfach darum, das städtische Defizit fürs Festival, das derzeit bei 67500 Euro gedeckelt ist, zu verringern.

Eine neue Veranstaltung gibt’s übrigens auch: „Erstmals werden im Juni Open-Air-Festspiele auf dem Rosenauplatz stattfinden“, kündigt Leber an. Das Mund-Art-Theater führt am 7. Juni die Lokalposse „Datterich“ auf. Am 9. Juni folgt ein Sinfoniekonzert des Mainhattan Pops Orchesters. Titel: „First Night of the Proms“. (hov/lfp)

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