Besondere Blicke auf Alltägliches

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Eine optische Vision des Stadtfotografen: Inmitten des grünen Waldes tut sich – als Reflexion – die Hugenottenstadt auf.

Neu-Isenburg - Er blickt auf das Alltägliche, auf die realen Schauplätze, selten auch auf Menschen und oft auf die Natur rund um die Hugenottenstadt – und nimmt diese Eindrücke als Basis, um zu zeigen, was sein könnte: Das Geheimnis, wie Isenburgs Stadtfotograf des Jahres 2012 seine Stadt sieht, ist nun gelüftet.

Und zwar mit der Ausstellung „Christoph Golla – Stadtfotograf 2012“, die derzeit im Stadtmuseum Haus zum Löwen zu sehen ist. Golla, der von Beruf Architekt ist, hat ein Jahr lang seine Sichtweisen auf die Stadt eingefangen. In Kombination mit Texten seiner Frau, Kulturbüro-Chefin Dr. Bettina Stuckard, geben sie besondere Denkanstöße. Ob Hugenottenhalle, Zeppelinmuseum oder Rathaus: „Ja, das kenne ich, aber nicht so“, ist von manchem Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung zu hören. .

Und es ist genau dieser Überraschungseffekt, mit dem Golla spielen will. Da steht etwa ein Zeppelin-Luftschiff genau dort, wo es bestens passt – über dem Zeppelinmuseum. Doch es war niemals dort. Da ist der Stadtverordnetensitzungssaal im Fadenkreuz der darüber fliegenden Kondensstreifen zu sehen. Gab es die tatsächlich in dieser Konzentration? Könnte sein. In den Fenstern der profanen Fassade eines Bankgebäudes spiegeln sich blühender Mohn und grüne Landschaften. „Das Gebäude kenne ich, aber woher diese Spiegelungen?“, wundert sich eine Betrachterin.

So ist Christoph Golla ein Jahr lang „sehenden Auges“ in der Stadt unterwegs gewesen, hat Reales wahrgenommen und Neues geschaffen; und zwar, indem er viel Arbeit in die digitale Nachbearbeitung seiner Fotografien investiert hat.

Christoph Golla neben seinem Bilder-Tableau, das auch als Postkarten-Set zu haben ist.

Aus seinem Beruf als Architekt schöpfte der Stadtfotograf das handwerkliche Rüstzeug, aus seiner Leidenschaft, der Fotografie, das Kreative. So schuf Golla seine ungewöhnlichen Interpretationen städtischer Perspektiven. „Immer wenn ich aus Sprendlingen in die Stadt fahre, fehlt mir eine Architektur die mir sagt, hier ist das Tor. Dies gibt es nicht, also habe ich es mir geschaffen“, erklärt Golla eines seiner Fotos. Die Ausstellung ist in Themen gegliedert. Mal sind es Kunstwerke unter dem Motto Architektur, mal ist es die rote Farbe, die in jedem der zum Thema gehörenden Werke zu erkennen ist. Mal sind die Botschaften aber auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie jene Reflexion in einem kleinen Fenster.

„Die Leute sollen auch mal genauer hinsehen müssen“, sagt Golla. So auch beim Motiv eines kleinen, aber recht berühmten blauen Autos, das in der Stadt unterwegs ist. Der Wagen, der Bürgermeister Herbert Hunkel gehört, steht neben einer kleinen Allee von Olivenbäumen, dahinter öffnet sich ein dramatischer Himmel. „Beschnitten sucht keine Taube den Ölzweig“, hat Bettina Stuckard dazu geschrieben. Die Ausstellung wird komplettiert mit einer Serie von zehn Motiven, die als Postkarten-Set zu erhalten ist.

Bis zum 17. März ist die Schau während der üblichen Öffnungszeiten im Haus zum Löwen (Löwengasse 24) zu sehen. Wer im Jahr 2013 der Nachfolger von Christoph Golla im Amt des Stadtfotografen wird, steht noch nicht fest.

lfp

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