Schnell eingreifen, bevor alles zu spät ist

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Kümmert sich um Schulschwänzer: Sozialpädagoge Erhan Dogan (30).       

Neu-Isenburg - (lu) Die gute Nachricht: Es gibt aktuell keine Schulverweigerer an der Brüder-Grimm-Schule (BGS). Die nicht so gute: Ein knappes Dutzend Haupt- und Realschüler der BGS (momentan alles Jungen) schwänzt den Unterricht - mehr oder weniger regelmäßig.

Doch da gibt es Erhan Dogan von der so genannten „Koordinationsstelle Schulverweigerung“ im Stadtteilzentrum Westend, dem bisherigen Lukaszentrum. Getreu dem Motto „Schnell eingreifen, bevor alles zu spät ist“ kümmert sich der Diplom-Sozialpädagoge um Mädchen und Jungen aus der BGS, die im sozial nicht unproblematischen Westend wohnen und bereits durch Schulverweigerung und häufiges Schulschwänzen aufgefallen sind. „Mein Ziel ist es, das Schulschwänzen zu verhindern und die jungen Menschen zu motivieren, die Schule mit einem qualifizierten Abschluss zu verlassen“, umreißt Erhan Dogan, Kind türkisch-stämmiger Eltern, seine „präventive Arbeit“.

Fehlt ein Schulkind unentschuldigt, wird der 30-Jährige, der in der BGS noch ein Büro hat, informiert und fährt zu den Schülerinnen oder Schülern nach Hause für ein klärendes Gespräch auch mit den Eltern - wenn es sein muss, auch mehrere.

„Oft sind es Scheidungskinder oder Kinder, deren Eltern getrennt leben“, so Dogan, der gerade elf Jugendliche betreut. Meist fehle auch die häusliche Kontrolle, weil ein Elternteil arbeite, das andere sich nicht durchsetzen könne. Wichtig für ihn: „Ich muss die Schüler selbst gut kennen, sonst funktioniert das alles nicht“, weiß Dogan aus Erfahrung. Aus dem Münsterland eigens nach Neu-Isenburg gezogen, ist er seit Januar 2008 im Auftrag der Stadt über den Förderverein der BGS angestellt, seine volle Stelle wird von Stadt, Land und Bund finanziert - im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“.

Um seine Ziele zu erreichen, bietet Dogan im Stadtteilzentrum in der Kurt-Schumacher-Straße 8 montags und dienstags Hausaufgabenhilfe und schulische Förderung an, damit der versäumte Unterrichtsstoff nachgeholt werden kann. Mittwochs ist im Sportpark an der Alicestraße eine Fußball-AG und donnerstags im Schul- und Bildungszentrum Westend (Alicestraße 107) eine Sport-AG angesagt - zum „sozialen Lernen“ wie: Regeln einhalten, auf andere Rücksicht nehmen, mit Misserfolgen umgehen.

Daneben werden, so zusagen als Belohnung, erlebnis- und freizeitpädagogische Aktivitäten angeboten. „Ich schließe mit den Schülern beispielsweise eine Vereinbarung, sagen wir mal, für zwei Monate die Schule regelmäßig zu besuchen“, erläutert Erhan Dogan. „Wenn er durchhält, kann er mit anderen aus der Gruppe, die ebenfalls nicht geschwänzt haben, zur Kletterwand nach Offenbach oder zum Go-Cart-Fahren mitkommen.“

Eine dieser Aktivitäten außer der Reihe war Mitte April ein Video-Filmprojekt in Kooperation mit dem Medienprojektzentrum Offener Kanal Frankfurt/Offenbach (MOK).

An zwei Tagen drehte eine Gruppe von sieben Schülern der BGS im Alter von zwölf bis 15 Jahren unter Federführung der Medienpädagogin Sabine Rottschäfer einen Film zum Thema Schulverweigerung. Titel: „(K)eine Zukunft“. „Wir haben als Gruppe gemeinsam gefrühstückt und uns abends zum Ausklang Pizza oder Hamburger geholt. Wichtig war der Zusammenhalt als Team“,berichtet Erhan Dogan.

„Das MOK bietet medienpädagogische Projekte und Workshops für Einrichtungen wie Schulen an. Wir sind froh über diese qualifizierte Unterstützung“, hebt der Sozialpädagoge hervor. Eine Fotocollage über das Filmprojekt sei in Arbeit und demnächst im Lukaszentrum zu sehen.

Der Film der Gruppe wird auch im Offenen Kanal gezeigt. Der Sendetermin steht allerdings noch nicht genau fest.

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