Schul- und Stadtteilbibliothek Gravenbruch

Wie ein Team das Neuland erobert

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Geschriebenes soll hier bald so ansprechend präsentiert werden, dass es (nicht nur) beim Nachwuchs Lust am Lesen weckt: Seit das Bibliotheksteam die Räume in Besitz nehmen durfte, packen viele Hände – im Bild Michaela Rieß und Julia Dornburg – bei der Einrichtung mit an. Die Außenfassade erhält noch eine Beschriftung, damit Besucher die Bibliothek vom Dreiherrnsteinplatz aus auch gleich erkennen.

Gravenbruch - Bücher auspacken, Signaturen vergeben, Unmengen Etiketten kleben, später dann inhaltlich Verwandtes zusammenrücken und mehr: Die Einrichtung der neuen Schul- und Stadtteilbibliothek im neuen Anbau der Ludwig-Uhland-Schule am Dreiherrnsteinplatz ist in vollem Gange. Ein Besuch.

Noch ist die gläserne Eingangstür verschlossen – doch das Interesse ist geweckt: Die Kinder der benachbarten Grundschule sind schon sichtlich gespannt, drücken sich in mancher Pause die Nasen an den großen Scheiben platt, bestaunen die Bücherstapel und winken den Bibliotheksmitarbeiterinnen, die daran arbeiten, freundlich zu. Dass der Nachwuchs freie Sicht hat auf all das, was Michaela Rieß und Julia Dornburg an diesem Mittwochnachmittag gerade tun, dafür ist gesorgt: Lichtdurchflutet dank bodentiefer Fenster zu drei Seiten hin präsentiert sich Gravenbruchs wohl jüngste Immobilie.

Der Neubau, der neben der lange in der Politik diskutierten öffentlichen Bücherei bekanntlich auch die nachschulische Betreuung der Uhland-Schule beherbergt, ist auf jeden Fall eine Aufwertung für den doch etwas abgeschiedenen 6 000-Einwohner-Stadtteil. Offiziell losgehen wird der Betrieb in der Stadttteilbibliothek am Samstag, 23. April – dem UNESCO-Welttag des Buches. Den hat sich das Team ausgesucht, um zwischen 11 und 15 Uhr „mit einem bunten Programm für Kleine und Große“ Eröffnung zu feiern. Bis dahin werden noch Dinge festgelegt wie die genauen Öffnungszeiten – auch in Abstimmung mit den beiden kirchlichen Bibliotheken des Stadtteils.

Anfangs wird das Angebot bei etwa 3500 bis 4000 Medien liegen, die dann – orientiert an den Wünschen der Leser – nach und nach auf 5000 aufgestockt werden. Los geht’s mit Kinder- und Hörbüchern, Filmen, Sachbüchern, Jugendromanen oder Ratgebern zu Themen wie Kochen. Aber auch aktuelle Romane, Krimis und Bestseller werden in den neuen Regalen zu finden sein. In einer Umzugskiste stehen bereits Spiele bereit – darunter Klassiker wie Twister oder Monopoly. Der größte Teil dessen, was in den Regalen stehen wird, ist nagelneu. Gestern hat das Team die letzte von mehreren Lieferungen entgegengenommen. Jedes Buch müssen sie dann in die Hand nehmen, inhaltlich erschließen, katalogisieren, etikettieren.

Jutta Duchmann ist zwar schon seit 1991 dabei, hat mehrere Erweiterungen der Hauptstelle, zwei Umzüge der Westendbibliothek und die Vergrößerung der Zeppelinheimer Dependance begleitet, doch die komplette Neueinrichtung einer Außenstelle ist auch für die Leiterin der Stadtbibliothek Neuland. „Das ist schon eine besondere Aufgabe“, sagt Duchmann. Und meint wohl auch: eine besonders schöne. Denn in Zeiten, da manche Stadt über die Schließung von Bibliotheken nachdenken muss, ist es ja nicht selbstverständlich, was hier gewachsen ist.

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Viel Arbeit ist’s natürlich auch. Zumal die Ausstattung des Lesetempels nicht von der Stange kommt. Geordert haben die Bibliothekschefin und ihr Team zwar zum Beispiel bei der „Einkaufszentrale Bibliotheksservice GmbH“ (ekz) in Reutlingen Pakete – etwa für Romane. Aber sie haben auch oft zusammengesessen, die Fachleute für die einzelnen Bereiche haben – koordiniert von Mirjam Irle – den Bestand ausgewählt. Katja Harjes, Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek, beispielsweise hat das Angebot für den Nachwuchs ausgesucht.

Aber natürlich nicht nur an die Kinder richtet sich die Einrichtung: „Auch Erwachsene jeden Alters sollen sich hier wohlfühlen“, betont Duchmann. Sie hofft, dass trotz der schulischen Umgebung beispielsweise auch aus der Seniorenwohnanlage, die sich in der Nachbarschaft befindet, die Menschen den Weg hierher finden. Die Gedanken der Fachleute darüber, was eine Bibliothek heute ist und wie sie genutzt wird, finden in Zonen zum Surfen, zum Arbeiten oder zum Schmökern räumliche Entsprechung. Es gibt bequeme Sitzmöbel, Kindermobiliar, auch quietschbunte Bilderbuch-Tröge. Die neue Stadtbibliothek soll nämlich auf ihren etwa 160 Quadratmetern ebenso wenig eine Papierverteilstelle oder ein Buchmuseum werden, wie es die Haupstelle oder die Dependancen im Westend und in Zeppelinheim sind: Vielmehr möchte die Einrichtung ein lebendiger Lernort und Treffpunkt sein. (hov)

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