„Der falsche Adressat“

Schulentwicklungsplan: Stadtparlament lehnt Ergänzungsantrag ab

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Weil die Goetheschule aus allen Nähten platzt, zieht der Kreis dort derzeit einen Erweiterungsbau hoch. Acht Klassenräume wird er fassen, dazu noch einen Musik- und einen Kunstraum.

Neu-Isenburg - Eigentlich waren sich die Stadtverordneten einig über die Stellungnahme zur Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes durch den Kreis.

Wie berichtet, wird darin unter anderem die Suche nach neuen Grundschulstandorten gefordert: Auf das Wachstum der Bevölkerung und die steigenden Schülerzahlen müsse mit einer Erweiterung der Kapazitäten reagiert werden. Ein Streit entzündete sich dann aber doch noch – und zwar an einem Vorstoß der SPD-Fraktion.
In einem Ergänzungsantrag regten die Sozialdemokraten an, die Stadt solle – zusammen mit dem Kreis Offenbach als Schulträger, dem Schulamt und der jeweiligen Schulleitung – Infoveranstaltungen für Eltern an den Isenburger Schulen und vor allem auch denen der Stadtteile zum Schulentwicklungsplan anbieten. Oder, falls es anders nicht klappe, auch ohne den Kreis; und „möglichst noch vor der Beschlussfassung am 20. Juni“.

Ziel sei es, die Eltern über den Entwurf des Plans zu informieren; insbesondere hinsichtlich der Entwicklung der Schülerzahlen in den kommenden Jahren, des Bedarfs an Personal und Räumen und – im Fall der Brüder-Grimm-Schule – auch bezüglich der „neuen Konzeption“, nämlich die Überlegungen zur Umwandlung der Brüder-Grimm-Schule (BGS) in eine Kooperative Gesamtschule mit gymnasialem Zweig.

Denn die Verunsicherung bei den Eltern sei groß, meint Monika Leichtling (SPD), die den Ergänzungsantrag einbrachte. „Es kursieren viele Gerüchte, dadurch werden Ängste geschürt“, gerade in Zeppelinheim, ergänzte Fraktionskollegin Inge Manus. Als langjährige Lehrerin erlebe sie, dass angesichts steigender Schülerzahlen immer mehr Eltern sich fragten, ob ihre Kinder noch einen Platz bekämen angesichts der Tatsache, dass dort die Schülerzahlen „um etwa 50 Prozent“ steigen werden.

Verunsicherung gebe es bei derzeitigen Eltern der BGS auch bezüglich der Frage, ob ihre Kinder künftig noch Dreieicher Schulen besuchen könnten, „da diese wegen des hohen Bedarfs vorrangig Dreieicher Schüler aufnehmen“, so Manus.

Dass der SPD-Vorstoß bei den anderen Fraktionen – mit Ausnahme der Linken – auf Ablehnung stieß, liege nicht etwa an der Missachtung von Elternbedürfnissen, betonten die verschiedenen Redner etwa von CDU und Grünen. Sie begründeten das Nein zum SPD-Antrag vielmehr mit dem Hinweis darauf, dass die Stadt in dieser Sache schlicht der falsche Adressat sei: „Zuständig ist der Kreis“, betonte die pensionierte Schulleiterin Maria Sator-Marx (Grüne). Und Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) wird hinterher im persönlichen Gespräch noch deutlicher: „Es geht nicht darum, irgendetwas zu verschweigen, aber an der Stelle würde eine von der Stadt organisierte Infoveranstaltung weder möglich sein, noch Sinn machen.“

Bilder: Einschulung 2017 in Dreieich und Neu-Isenburg 

Und der Kreis Offenbach, so ergänzt Sator-Marx, suche übrigens bei diesem wichtigen Thema durchaus den Dialog mit den Kommunen. So sei etwa für den 24. Mai, 15 Uhr, im Schulausschuss im Dietzenbacher Kreishaus eine Anhörung angesetzt, bei der es explizit um die Belange der Westkreis-Kommunen, also auch um Neu-Isenburg, gehe.

Constanze Celten (CDU) betonte, aus ihrer Sicht seien „die Bedürfnisse Neu-Isenburgs im Plan gut vertreten“. Auch die Stellungnahme, die die Stadt zum Schulentwicklungsplan veröffentlich habe, sei „hervorragend“. Sicher sei das Thema komplex, „aber wir haben an dieser Stelle noch keine wahnsinnigen Ängste von Eltern wahrgenommen“. Und schließlich könne man in Neu-Isenburg allgemein keine Handlungsversäumnisse beklagen, „wenn es ein Problem gibt, wird gehandelt, wenn es zu eng wird, wird gebaut“, so Celten. Man solle schließlich keinesfalls aus dem Blick verlieren, dass der Plan gute Nachrichten für die Stadt enthalte.

Abschlussfeier der Brüder-Grimm-Schule in Neu-Isenburg

Die Planungen zur Umwandlung der BGS in eine Kooperative Gesamtschule mit gymnasialem Zweig beispielsweise werden von der Stadt und auch von den meisten Parlamentariern begrüßt. „Dafür kämpfen wir in Isenburg seit Jahren - und sind heilfroh, dass dies in den Plan Eingang gefunden hat“, so Sator-Marx. Wie in der Diskussion zu erfahren ist, gibt es außerdem das Gedankenspiel, auch noch einen Grundschulzweig in der Grimm-Schule zu integrieren.

In der Abstimmung wurde die SPD-Ergänzung mit Mehrheit abgelehnt, die eigentliche Stellungnahme der Stadt einstimmig (bei zwei Enthaltungen der Linken) beschlossen. (hov)

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