Bemühungen des Montessori-Vereins gescheitert

Schulgründung ist vom Tisch

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Als einen möglichen Standort hatte der Vorstand das Gebäude der Alten Goetheschule beziehungsweise den dazugehörigen Schulhof ausgeguckt.

Neu-Isenburg - Die Pläne, eine Montessori-Schule in Neu-Isenburg zu gründen, sind ad acta gelegt. Der 2016 an den Start gegangene „Montessori-Verein Neu-Isenburg“ befindet sich derzeit in der Auflösung. Von Barbara Hoven 

Ursprünglich hatte die von Eltern aus der Taufe gehobene Initiative sich zum Ziel gesetzt, zum Schuljahr 2018/2019 eine Grundschule zu eröffnen. Das ehrgeizige Vorhaben scheiterte nach Angaben des Vereins letztendlich an der Raumfrage. „Vielen Dank – Es sollte leider nicht sein...“ Diese Überschrift liest derzeit, wer die Internetseiten des Montessori-Vereins aufruft. „Mangels Erfolgsaussichten wurde unser Ansinnen, eine Montessori-Schule in Neu-Isenburg zu gründen, ad acta gelegt.“ Der Hauptgrund für diese Entscheidung, so schreibt der Vorstand, sei „die nicht erfolgreiche Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit für unsere Schule“. Woran genau die Pläne zur Schulgründung gescheitert sind, erläutert Vorstandsmitglied Florian Obst, einer der Mitinitiatoren und Triebfeder der Idee, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Doch der Reihe nach: Es war im Frühjahr 2016, als sich Eltern aus dem Kaleidoskop-Kindergarten in der Zeppelinstraße zu einem Interessentenkreis zusammenschlossen, weil sie ihre Kinder nicht ewig durch das staatliche Einheitsschulsystem schicken wollten. Ihr Ziel: Eine Grundschule nach den pädagogischen Grundsätzen Maria Montessoris zu gründen. „Es folgten für alle Beteiligte intensive Wochen und Monate“, blickt Obst zurück. Die Einarbeitung in die Materie „Gründung einer Ersatzschule“ sei doch sehr umfassend gewesen. Wesentliche Punkte auf der To-do-Liste: das pädagogische Konzept, die Finanzierung, die Personalakquise und die Suche nach einem Gebäude.

Starthilfe habe der Verein dabei von allen Montessori-Schulen im Umkreis und vom Landesverband erhalten: Obst berichtet von Hospitationsterminen und Erfahrungsaustausch, außerdem habe es Termine gegeben mit Behörden wie dem staatlichen Schulamt als Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde, Bürgermeister Herbert Hunkel und Landrat Oliver Quilling. Auch habe man in Gesprächen mit anderen Vereinen ausgelotet, ob es Kooperationsmöglichkeiten oder Optionen gemeinsamer Raumnutzung gibt. „Schnell wurde klar: In einer stark verdichteten Stadt wie Neu-Isenburg gibt es nur wenige mögliche Flächen, um ein solches Projekt umzusetzen“, sagt Obst. Erschwert werde dies durch die Siedlungsbeschränkung. Als mögliche Standorte für eine Schule habe der Vorstand das Verwaltungsgebäude der Ex-Monopolverwaltung für Branntwein, das Gebäude der Alten Goetheschule in der Hugenottenallee „sowie explizit den dazugehörigen Schulhof“ ausgemacht.

In den Fokus rückte vor allem die ehemalige Goetheschule, die der Kreis aktuell der Stadt zur Nutzung überlässt. Genutzt wird das Gebäude bekanntlich von verschiedenen Vereinen, allen voran VdK und Musikschule. Der Montessori-Verein habe den Vorschlag einer „Umverteilung einzelner, kleinerer Vereine auf andere städtische Gebäude“ gemacht oder eine gemeinsame Nutzung angeregt. Mit der Musikschule habe es bereits Gespräche über eine Kooperation gegeben. Auch eine mehrheitliche Übernahme der Betriebskosten habe der Verein angeboten; diesen Vorschlag habe die Stadt jedoch mit dem Hinweis auf bestehende Mietverträge abgelehnt. „Aus unserer Sicht war das nur teilweise nachvollziehbar, so wollten wir niemanden herausdrängen, sondern vielmehr gemeinsame Lösungen für ein aus unserer Sicht wertvolles Projekt finden“, so Obst.

Bilder: Einschulung 2017 in Dreieich und Neu-Isenburg 

Ein letzter Vorschlag des Vereins sei gewesen, den aktuell brach liegenden Schulhof der Alten Goetheschule zu nutzen und dort ein Gebäude in Modulbauweise hinzustellen. „Flächen wären ausreichend vorhanden gewesen, eine Erschließung durch die Beethovenstraße denkbar“, meint Obst. Eine solche Nachverdichtung von Schulen sei gerade in Ballungsräumen mittlerweile gängig. „Gescheitert ist dieser Vorschlag an der uns angebotenen Nutzungsdauer der Flächen“, sagt Obst. „Lediglich fünf Jahre, ohne weitere Option, war das Angebot von Stadt und Landkreis.“ Damit sei die Sache mangels Planungssicherheit nicht zu realisieren gewesen.

Auch Gespräche mit privaten Immobilienbesitzern habe es gegeben. Diese seien jedoch meistens daran gescheitert, dass die Besitzer Sorge hatten, der Schulbetrieb könne Gewerbekunden vertreiben. Der Bürgermeister habe dem Verein leer stehende Objekte zugetragen und Kontakte zu Eigentümern hergestellt. Auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet Hunkel beispielsweise noch von einem Grundstück an der Ludwigstraße, das er habe vermitteln wollen. Doch gepasst hat es am Ende offenbar nie.

Dabei seien Bedarf und Interesse an einer Montessori-Schule durchaus vorhanden gewesen, berichtet Obst. Insgesamt hatte der Verein nach eigenen Angaben über 100 Kinder aus rund 70 Familien und verschiedenen Jahrgängen auf der Interessentenliste. „Das Einzugsgebiet wäre der Süden Frankfurts, Isenburg, Dreieich, Mörfelden-Waldorf bis nach Langen gewesen.“ Auch Bewerbungen von Lernbegleitern und einer Schulleiterin hätten bereits vorgelegen. Zuschüsse von Stadt und Kreis habe man übrigens nie gefordert: „Die Schule sollte (und muss aufgrund der Ersatzschulfinanzierung des Landes) von Beginn an selbstständig wirtschaften.“

Einschulung 2016 in Dreieich und Neu-Isenburg: Fotos

Ganz persönlich finde er, so ergänzt der (auch politisch in der SPD engagierte) Florian Obst, dass dieser Ausgang „ein Armutszeugnis für eine Stadt wie Isenburg“ sei. Engagement der Bürger „war und ist vorhanden, einzig der politische Wille fehlt“. Zwar hätten Bürgermeister und Landrat das Projekt „nicht kategorisch abgelehnt“ und durchaus unterstützt, „aber nicht in letzter Konsequenz“, findet Obst.

Was andere Möglichkeiten für Isenburger betrifft, die sich für ihre Kinder Alternativen zur Regelschule wünschen, verweist der Vorstand nun auf die Montessori- und die Waldorfschule in Dietzenbach. Es gebe auch Überlegungen, einen Fahrdienst dorthin einzurichten.

Gut zehn Jahre lang gibt es den Montessori-Verein in Dietzenbach schon. Dessen Kinderhaus und Schule auf dem Campus am Gustav-Heinemann-Ring haben sich mittlerweile etabliert. Vor sechs Jahren besuchten rund 60 Schüler die Schule, aktuell sind es bereits 100. Ganz aktuell stellt der Verein letzte Weichen für eine Erweiterung. Neue Schüler aus Isenburg seien gern gesehen, sagt Marcel Jung, Vorstandsmitglied des Dietzenbacher Vereins, im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir sind ganz aktuell auf Wachstumkurs.“ Es gebe auch bereits Isenburger Kinder, die nach Dietzenbach zur Schule kommen. Als gute Gelegenheit, um dort unverbindlich reinzuschnuppern, bietet sich der Frühlingsmarkt am 22. April an. Auch sei ein Infoabend speziell für die Isenburger angedacht, sagt Jung.

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