Seine Augen sehen die ganze Welt

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Ein Auge blickt ins Weltall. Astronaut Thomas Reiter hat diesen Stein im Jahr 2006 mit auf die Internationale Raumstation ISS genommen.

Neu-Isenburg ‐ Ein Stein liegt auf dem Marktplatz im Alten Ort, ein anderer weit entfernt in Grönland, einer in der Antarktis und einer sogar im Weltall. Von Katrin Stassig

Seit fast acht Jahren verteilt der Künstler Volker Steinbacher mit Hilfe vieler Reisender seine mit Augen bemalten Steine auf der ganzen Welt. Das Ziel: In jedem Staat soll mindestens einer dieser Steine liegen. Dieses Ziel ist nun erreicht. Im Dezember hat ein Stein auch Äquatorialguinea erreicht. Damit ist das globale Kunstwerk vollendet.

Anhand der schwarzen Punkte auf seiner Landkarte verfolgt Steinbacher den „Weg der Steine“ in die ganze Welt.

Am 16. März 2003 hatten Steinbacher und der Webdesigner Gerald Wingertszahn die ersten Steine mit aufgemaltem Tuscheauge auf die Reise geschickt. Anfangs haben Freunde des Künstlers mitgemacht, im Laufe der Zeit wurden es immer mehr Teilnehmer: Touristen, Geschäftsreisende, Ethnologen, Entwicklungshelfer oder Forscher haben die Steine mitgenommen.

Mit Unterstützung von Bürgermeister Herbert Hunkel konnte Volker Steinbacher dem Astronauten Thomas Reiter einen Stein mit auf den Weg geben. 2006 flog das Auge mit dem Spaceshuttle Discovery auf die Internationale Weltraumstation ISS. Auch in der Forschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis befindet sich ein Stein.

Die Augen liegen unter anderem an Meeren, Brücken und Bäumen, an Denkmälern, an Orten menschlichen Terrors oder Kriegsschauplätzen, an Urlaubsstränden, in Restaurants oder heimischen Wohnzimmern. Ein Auge blickt auf Sarajevo, eines auf Loch Ness und eines auf die Golden Gate Bridge.

Weotere Informationen sind auf der Internetseite zum Thema zu finden.

Die Reisenden legen den Stein an einem Platz ihrer Wahl ab, dokumentieren das mit einem Foto und berichten, was der Stein „sieht“. Über seinem Schreibtisch hat Volker Steinbacher eine Weltkarte hängen, die mit schwarzen Punkten übersät ist und die Standorte seiner Augen festhält. „Viele entlegene Orte waren schwer zu erreichen“, erzählt er. So hat es lange gedauert, bis die Komoren oder sämtliche Staaten in Afrika mit Steinen bestückt waren. Heute liegen 450 Steine in 194 Staaten – in den 192 UN-Staaten sowie im Vatikan und in Taiwan.

Obwohl das Projekt damit eigentlich abgeschlossen ist, hat Steinbacher noch ein paar Wünsche offen. In Athen fehlt noch ein Stein, außerdem hätte er gerne noch ein paar mehr in der Arktis. Übrigens sind die Steine nach kurzer Zeit kaum wiederzufinden. Die Tusche wird nämlich schnell vom Regen abgewaschen.

Raum für Ausstellungen gesucht

„Für Geologen“, meint Steinbacher schmunzelnd, „sind die Steine ein Problem.“ Ursprünglich stammen sie nämlich alle aus dem südfranzösischen Bergdorf Mirabel. Somit liegen nun überall auf der Welt kleine Felsbrocken, die da aus geologischer Sicht eigentlich nicht hingehören.

Den Stein im Alten Ort erkennt Steinbacher auch heute noch wieder – selbst ohne Tusche. 2005 hatte der Künstler, der aus Isenburg stammt und in Frankfurt wohnt, dort sein Projekt mit einer Installation vorgestellt. Jetzt sucht Steinbacher, der eigentlich Maler und Druckgrafiker ist, einen großen Raum, um die Bilder der Steine aus aller Welt auszustellen.

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