„En Bembel voll Spaß“ in der Huha

Mund-Art-Theater: Singendes Gesamtkunstwerk

+
Captain Norbert (Norbert Dieter) und die Little Shantys (Alina Gasser, Henning Dieter und Lea Anger) auf großer Fahrt.

Neu-Isenburg - Barbara Kornek singt als Hausfrau verkleidet „Das bisschen Haushalt“, Corinna Weiß sagt als „Astro-Biggi“ nervigen Anrufern „Saturn, Venus, Mars und Snickers“ voraus und über allem schwebt Thorsten Wszolek. Von Enrico Sauda

Der sich nicht verkleiden muss, sondern dem die Rolle als Chef-Entertainer à la Heinz Schenk auf den Maßanzug geschneidert ist: Bei „En Bembel voll Spaß“, vom Isenburger Mund-Art-Theater (M. A. T. ) gekonnt und nonchalant auf die Bretter der Hugenottenhalle gebracht, herrschte mehr als ausgelassene Stimmung.

Es ist die Mischung aus flotten Rhythmen, Evergreens, mal Klamauk, mal Wortwitz sowie die Spontaneität Wszoleks, die das „Gesamtkunstwerk“ Mund-Art-Theater ausmacht. Dabei geht der Kopf der Mundart-Truppe in seiner Rolle voll auf, berichtet unter anderem von zwei Aufbauhelfern türkischer Herkunft. Deren Gespräch hörte er mit – ob mit Absicht oder aus Versehen, bleibt offen. Sagt der eine zum anderen: „Du, wenn du vergangenes Jahr kein Pferdefleisch in deinem Döner hattest, hast du Schwein gehabt.“

„Sex auf der Eckbank“

Da bleibt in der sehr gut gefüllten Huha kein Auge trocken. Auch als Wszolek von „Sex auf der Eckbank“ spricht und damit „Reit im Winkel“ meint, hat er die Lacher auf seiner Seite. Wo er gerade bei der Sache ist, erzählt er auch, warum von der Deutschen Bahn für ihn eine nicht geringe Anziehungskraft ausgeht: „Die Bahn hat Speisewagen, da kann man Speisen. Sie hat Schlafwagen, da kann man schlafen. Und sie hat Triebwagen.“

Und es ist ein Markenzeichen des Mund-Art-Theaters, dass die Späße so kommen, als seien sie den Akteuren auf der Bühne gerade eben eingefallen. Doch wahrscheinlich stecken mehrere Dutzend Stunden harter Proben dahinter. Zwischen den Gags gab’s auch immer wieder Musik – und an den Tischen vor der Bühne gute Hausmacherkost. Auch da wissen die Theater-Macher, worauf es ankommt. „Die Frau Rauscher“, „Wunder gibt es immer wieder“ und „Es ist alles nur geliehen“ aus der Feder von Heinz Schenk und viele Lieder mehr – die musikalische Wanderung von heiter bis nachdenklich gehört auch dazu.

Neu ist, dass das Publikum noch mehr einbezogen wird als zuvor. Etwa bei „Fährt der alte Lord fort“, als Horst Becker in einem kleinen Elektrofahrzeug im Saal von Biertisch zu Biertisch fährt und Calvados ausschenkt. Dazwischen erteilt Wszolek Unterricht in Sachen Musikgeschichte und weiß zu berichten, dass die Beatles ihren Song „Let it be“ ursprünglich „Lesch disch hie“ genannt hatten. Das Lied stamme, wie sollte es anders sein, aus dem Fundus von Thorsten Wszolek – „ich hatte es eigentlich geschrieben“. Überhaupt sei es in letzter Zeit ein Skandal, denn auch der Volksmusikbarde Heino gehe inzwischen mit Wszolek-Liedern auf Tour. „Erst die Kreuzfeld-Jakob-Sisters und jetzt er“, ruft Wszolek empört.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare