Ein besseres Miteinander

Sommerfest bringt Bürger und Flüchtlinge zusammen

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Fröhliche Farbkleckserei: Während sich die Erwachsenen unterhalten, haben die Kinder im Garten der Unterkunft viel Spaß.

Neu-Isenburg - Normalerweise verwehrt eine hohe Hecke den Blick auf die Flüchtlingsunterkunft in der Meisenstraße. Von Leo F. Postl 

Am Samstag stand das Tor zum Anwesen weit offen: Der Ortsbeirat Gravenbruch hatte zu einem „Sommerfest ohne Grenzen“ eingeladen, um mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft und Bürgern zu feiern. „Allah sei Dank!“, ruft Hannelore Kaus-Schwoerer in den blauen Himmel, krempelt die Ärmel hoch und packt mit an. Die engagierte Helferin des Freundeskreises der Flüchtlingsunterkunft Gravenbruch ist gerade aus dem Norden Deutschlands zurück und will mithelfen, dass das erste Fest ohne Grenzen erfolgreich wird. „Es bin ja nicht nur ich, es sind so viele andere da, die sich freiwillig und mit Freude hier einbringen, das ist eine wunderbare Erfahrung“, freut sich Kaus-Schwoerer. Sie beschreibt das Ziel des Freundeskreises darin, die in der Gemeinschaftsunterkunft lebenden Bewohner mit den Angeboten in der Kernstadt zu vernetzen.

Nach vielen Bedenken aus der Bürgerschaft im Vorfeld hat sich in der Gemeinschaftsunterkunft in der Meisenstraße 13 alles recht gut eingespielt. Das Sommerfest ohne Grenzen dient nun dem Zweck, dass Nachbarn und andere Gravenbrucher mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft ins Gespräch kommen. Die Idee zu diesem Fest hatte Ute Hänsel, sie brachte den Vorschlag im Ortsbeirat ein und fand sofort offene Ohren. In seiner Begrüßung lobt der Vorsitzende des Ortsbeirats, Eddi Fischer, Hänsels Engagement. „Wir wollen mit diesem Fest den Einstieg in ein gemeinsames Miteinander mit den neu hier zugezogenen Mitbürgern und den Alteingesessenen initiieren – ich hoffe, es werden noch weitere solche schönen Begegnungsfeste folgen“, betont Fischer.

Für Bürgermeister Herbert Hunkel ist das Fest auch ein Stück gelebte Gravenbrucher Tradition. „Als dieser Stadtteil gegründet wurde, waren alle Fremde, die hierher kamen“, gibt Hunkel zu bedenken. Er verweist darauf, dass auch damals nicht alles ohne Probleme ablief. Doch man tat sich zusammen, um diese zu lösen. „Genau so wollen wir es heute auch machen. Wenn es Probleme gibt, sind wir da, um diese gemeinsam aus der Welt zu schaffen“, so Hunkel. Es sei eine Isenburger Tradition, mit Fremden gut auszukommen. Hunkel dankt den Initiatoren wie Marisa Kirsch, Patricia Götz, Martina Geßner und Christoph Joschko, der von der Diakonie Dreieich-Rodgau als Betreuer vor Ort eingesetzt wurde. „Wir in Neu-Isenburg leben es vor, wie es sein sollte, wenn man Fremde willkommen heißt“, hebt Hunkel hervor. Das richtet sich auch an den jüngsten Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. „Am 17. Juni wurde mit Elias das erste Meisenkind hier geboren“, verkündet Hunkel und wünscht dem Baby und seinen Eltern eine erfolgreiche Zukunft.

Das Milliardengeschäft mit dem menschlichen Leid

In den Gesprächen unter den Besuchern des Festes sind immer noch recht unterschiedliche Meinungen zur „Flüchtlingssituation“ in Deutschland und vor Ort in Gravenbruch zu hören. „Man traut sich ja kaum, etwas zu sagen, was nicht auf der Linie von Kanzlerin Merkel ist, ohne gleich als Rassist abgestempelt zu werden“, bemerkt eine Besucherin, die ihren Namen nicht nennen will. „Was da derzeit in Barcelona, in Cambrils oder Turku in Finnland passiert ist, kann nicht ohne Folgen in den Köpfen bleiben“, betont die Gravenbrucherin und verweist darauf, dass sich die Terroristen immer besser vernetzen. Ein anderer Gravenbrucher hat sich daran gestört, dass es hieß, es würden nur Familien in die Gemeinschaftsunterkunft einziehen – und dann kam ein ganzer Schwarm Männer.

Beim Fest ohne Grenzen – zu dem das Blasorchester Dreieich aufspielt – war davon wenig zu spüren: Die meisten Gäste treten offen und unvoreingenommen mit den Bewohnern der Unterkunft in Kontakt, wenngleich nicht alle aus dem Haus gekommen waren. „Ich freue mich, dass so viele Gravenbrucher den Weg hierher gefunden haben“, bemerkt Ingrid Bickmann. Mechthild Voigt wünscht sich unter gelebter Integration, dass sich ausländische Mitbürger auch als verlässliche Mitglieder in verschiedenen Gremien einbringen. Soweit mag es noch nicht sein, doch das Fest ohne Grenzen kann ein guter Schritt in ein besseres Miteinander sein.

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