„Souverän, besonnen und präzise“

Für Polizeichef Volkmar Meyer beginnt heute der Ruhestand

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Ein Buch und viele anerkennende Worte zum Abschied: Bürgermeister Herbert Hunkel (links) und Erster Stadtrat Stefan Schmitt dankten Volkmar Meyer für die langjährige gute Zusammenarbeit.

Neu-Isenburg - Wachwechsel in der Isenburger Polizeistation: Für den langjährigen Leiter Volkmar Meyer beginnt heute der Ruhestand. „Ich ziehe für mich eine äußerst positive Bilanz“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar bei seiner Verabschiedung. Von Barbara Hoven 

Auf den Chefsessel rückt Polizeihauptkommissarin Susanne Wendt nach.
Das schaffen wohl die Wenigsten: Fast täglich ist Volkmar Meyer mit dem Rad von Obertshausen aus zur Arbeit nach Neu-Isenburg gefahren, hat allein „im beruflichen Kontext“ rund 105.000 Kilometer unfallfrei zurückgelegt. Kein Wunder, dass der Mann topfit ist und auf den Abschiedsfotos diese Woche kaum anders aussieht als auf den Fotos von vor neun Jahren, als er als Dienststellenleiter die Isenburger Polizeistation übernahm. Insgesamt hat der 60-Jährige dort 15 Jahre seines Berufslebens verbracht, davon neun Jahre auf dem Chefsessel. Ehe er 2009 als Dienststellenleiter in der Hugenottenstadt anheuerte, hatte Meyer schon von 2001 bis 2007 in der Stellvertreterfunktion die Isenburger Wache geleitet. Dazwischen lagen von 2007 bis 2009 zwei Jahre Tätigkeit im zweiten Polizeirevier Offenbach.

Der Erste Polizeihauptkommissar war stets auf eine gute Zusammenarbeit mit den Bürgern und den Kommunen bedacht. Und der Eindruck, dass ihm dies gelungen ist, lässt sich nun bei gleich mehreren Abschiedsfeiern festigen, bei denen Meyer viele Worte des Danks gehört hat – darunter am Donnerstag von Kollegen, in der Magistratspressekonferenz von Isenburgs Stadtspitze und (wie berichtet) bereits Mitte März beim Bürgerstammtisch Bansamühle von der „Nachbarn schützen Nachbarn“-Initiative.

„Volkmar Meyer war für uns der Ansprechpartner der Polizei vor Ort und unser bester Berater“, betonen Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt unisono. „Er ist absolut souverän, besonnen, immer auf den Punkt, präzise. Er hat den größten Anteil daran, dass wir in Isenburg sicher leben können und uns sicher fühlen.“ Obwohl äußerlich unverändert, habe Meyer in seiner Zeit viel bewegt.

Mit sympathischer Bescheidenheit weist Meyer die Würdigung seiner Verdienste beim Pressetermin zurück. Allerdings belegen die Zahlen, dass sich die Sicherheitslage in der Stadt während seiner Dienstzeit klar verbessert hat.

„Ich freue mich, dass ich diese Entwicklung begleiten durfte“, sagt Meyer dazu. Als Erklärung für den Rückgang der Fallzahlen nennt er neben einer auch bundesweit so erkennbaren Entwicklung „viele kleine Mosaiksteine“ der Kriminalitätsbekämpfung, die Polizei und Stadt auch oft Hand in Hand umgesetzt hätten. Während Meyers Zeit wurden zum Beispiel Präventionsprojekte aus der Taufe gehoben, die bis heute dazu beitragen, dass Bürger sich sicherer fühlen. Zu nennen sind da „Nachbarn schützen Nachbarn“ (2001) oder die Freiwilligen Polizeihelfer (2004). Als Meyer damals in Isenburg anfing, stand die Stadt noch unter dem Eindruck von „Problemen mit Jugendlichen“, in deren Folge 2007 die Mobile Jugendhilfe gegründet wurde.

Über Arbeitsmangel dürften Meyer und seine Kollegen im vergangenen Jahrzehnt auch ansonsten eher nicht geklagt haben. Das zeigt alle Jahre wieder der Blick auf die lokalen Zahlen aus der vom Polizeipräsidium Südosthessen vorgestellten Kriminalitätsstatistik. Um rund 21 Prozent sind die Straftaten seit 2007 aber zurückgegangen, von 3054 (2007) auf 2420 (2017). Besonders erfreulich, hebt Meyer hervor, sei der Rückgang der Wohnungseinbrüche, „der von 289 im Jahr 2001 auf 61 in 2017 um fast 80 Prozent gesunken ist“. Auch bei den Raubstraftaten im öffentlichen Bereich haben sich die Zahlen mehr als halbiert, gingen von 33 Delikten in 2007 auf acht in der 2017er-Statistik zurück. Froh ist Meyer besonders, „dass seit zwei Jahren kein Handtaschenraub mehr zu verzeichnen war, dem vorwiegend Ältere zum Opfer fallen“. Dass die Rauschgiftdelikte um 40,4 Prozent in der letzten Statistik von 193 auf 271 gestiegen sind, liege daran, dass in dem Bereich der Kontrolldruck noch verstärkt worden sei.

Miterlebt hat Meyer auch die Neustrukturierung der Polizei im Westkreis, die 2005 zu einer Erweiterung der Zuständigkeit der Isenburger und zu personeller Aufstockung führte. In Erinnerung bleiben wird ihm auch der Umzug der kompletten Polizeistation in die Siemensstraße während der Sanierung des Rathauses (2009 bis 2011). Eine nicht alltägliche Aufgabe war für Meyer auch, als im September 2015 das Land Hessen auf dem Ex-Rundschaugelände eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge errichtete.

Meyer ist Polizist von der Pike auf. 1975 trat er in den Dienst der Hessischen Polizei. Nach seiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Hanau und der Polizeischule in Wiesbaden fing er als Streifenbeamter in Heusenstamm an. Von 1984 bis 1987 studierte er an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, wurde dann Leiter einer Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität in Offenbach und im Anschluss als Dienstgruppenleiter in Frankfurt, Rödermark und Heusenstamm eingesetzt. Ab 1999 arbeitete er als Leiter einer Observations- und Festnahmeeinheit mit Sitz in Dietzenbach. Und das persönliche Resümee seiner Jahre in Isenburg? „Ich ziehe für mich eine äußerst positive Bilanz. Ich war und bin immer noch sehr gerne Polizist. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen Neu-Isenburg und Dreieich hätte nicht besser sein können. Auch das menschliche Miteinander möchte ich lobend erwähnen.“ Er gehe „mit einem Lächeln und mit beiden Daumen nach oben“. Und die Nachfolge? Mit Susanne Wendt wird bei der Schutzpolizei erstmals eine Frau Dienststellenleiterin im Kreis Offenbach.

Große Pläne für Ruhestand habe er noch nicht, sagt der 60-Jährige. Ein Urlaub – „und erst mal Ankommen im neuen Lebensabschnitt“. Geduldig beantwortet Meyer auch die Frage, was er als Polizist eigentlich von Krimis im Fernsehen halte. Er schaue nur selten fern, und die meisten Krimis seien eher „Kriminal-Folklore“ und hätten wenig mit dem echten Polizei-Leben zu tun. Er interessiere sich mehr für historische Dokus.

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