Stadtquartier Süd

Fehlende Vision oder Meilenstein?

Neu-Isenburg - Beim Stadtquartier Süd stellt sich die Opposition quer, während die Mehrheit voll des Lobes ist. Von Holger Klemm 

Grundsätzlich können SPD und Bündnis 90/Die Grünen der Rahmenplanung für das Stadtquartier Süd viel abgewinnen. Und doch kommt von den beiden Oppositionsfraktionen in der Stadtverordnetensitzung am Mittwochabend ein Nein. Ausschlaggebend ist die Ablehnung eines umfassenden Verkehrskonzepts durch die Mehrheit aus CDU, FDP und FWG, mit dem die Auswirkungen des neuen Viertels auf die ganze Stadt untersucht werden sollten.

Umstritten ist in der Diskussion zur dritten Stufe des Entwicklungskonzepts, ob die Planungen für den zu erwartenden Verkehr durch die neuen 630 Wohneinheiten und geplanten 2 300 Arbeitsplätze ausreichen. Während Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) auf ein Maßnahmenbündel verweist, befürchtet die Opposition einen Kollaps.

SPD kritisiert isolierte Betrachtung des Gebietes

Markus Munari (SPD) betont, dass sich seine Fraktion in der Planung wiederfinden kann. Fraktionschef Christian Beck ergänzt, es sei richtig, das Gebiet zu entwickeln, Bauchschmerzen bereite der SPD jedoch die isolierte Betrachtung des Quartiers. Der Bezug zur gesamten Stadt – auch unter Einbeziehung des Baugebiets Birkengewann – fehle. Munari verweist auf die erwartete Mehrbelastung in der Hugenottenallee von 60 bis 80 Prozent. Die bisherigen Untersuchungen sagten nichts dazu aus, wie damit umgegangen werden solle. Er kritisiert auch, dass sich die Stadt zu sehr auf die Regionaltangente West (RTW) verlasse. So sei nicht sicher, ob diese 2018/19 kommen werde. Es fehle eine ganzheitliches Konzept, eine Vision für die Zukunft.

Unterstützung kommt von Wolfgang Schreiber (Grüne). Der Kreisel an der Carl-Ulrich-Straße/Hugenottenallee werde bis 2025 an der Belastungsgrenze sein, das gelte auch für den noch nicht gebauten Kreisel an der Frankfurter Straße. Weitere Bereiche stünden auf Rot. Deshalb sei ein umfassendes Mobilitätskonzept notwendig – unter Einbeziehung des ÖPNV.

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Der Erste Stadtrat versichert dagegen, dass externe Verkehrsplaner von Anfang an dabei waren und deren Vorstellungen eingearbeitet worden seien. Wichtig sei es, den Durchgangsverkehr aus dem neuen Viertel und den zusätzlichen Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Es gebe verschiedene Maßnahmen und Ideen wie beispielsweise auch ein Carsharing. Er kündigt für den Herbst an, diese in einem Papier zusammenzufassen. Es sei wichtig, dass der Rahmenplan noch vor der Sommerpause verabschiedet werde, da ein großes Interesse bei Grundstücksbesitzern und Investoren bestehe. Schmitt nennt als Beispiel das Branntweinmonopol-Gebäude. Bei der nun anstehenden Ausschreibung werde der Plan als Grundlage genommen.

CDU-Fraktionschefin Christine Wagner lobt das Konzept als Meilenstein, bei der Bürgerbeteiligung sei Neu-Isenburg Vorreiter. Die Planung sieht sie bei den Fachleuten im Rathaus in guten Händen. Wichtig sei, den Durchgangsverkehr aus dem Viertel herauszuhalten. Von dem geforderten Verkehrsgutachten hält Wagner dagegen nichts. FDP-Fraktionschefin Susann Guber hofft auf ein attraktives neues Stadtviertel, von dem ganz Neu-Isenburg profitieren werde. Allerdings seien in der nun anstehenden konkreten Umsetzung noch Änderungen wünschenswert – beispielsweise bei der Gestaltung der Parkanlage.

Bebauung des Neu-Isenburger Stadtquartier Süd in Planung

An einem Punkt ist es zu einem Konsens zwischen den Mehrheitsfraktionen und den Grünen gekommen. In einem Änderungsantrag sind verschiedene Ideen zum Parken zusammengefasst. Dazu zählen beispielsweise kleinere Parkhäuser. Für die Grünen wiegt aber das Fehlen des Verkehrsgutachtens schwerer. Die Stimmen von CDU, FDP und FWG reichen jedoch für eine Mehrheit aus.

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