Stadtquartier Süd

Weichen für Bebauung des Filetstücks gestellt

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Aus der Vogelperspektive zeigt sich die noch für eine Bebauung zur Verfügung stehende Fläche fürs neue Stadtquartier Süd mitten in der Stadt. Rechts ist das Gelände der ehemaligen Bundesmonopolverwaltung für Branntwein zu sehen.

Neu-Isenburg - Kräne am nordöstlichen Stadteingang künden von reger Bautätigkeit, im neuen Wohngebiet Birkengewann tut sich jetzt täglich was. Still geworden ist es hingegen schon seit längerer Zeit um das nächste städtebauliche Mammutprojekt, das neue Stadtquartier Süd. Das soll sich laut Stadt nun bald ändern. Das Stadtparlament hat dafür wichtige Weichen gestellt.

Die Stadtentwicklung ist – und bleibt auch 2018 – eins der ganz großen Themen, soviel ist klar. Nachdem das Birkengewann aus planerischer Sicht nahezu abgeschlossen ist, stehen die Umgestaltung des Kalbskopfgeländes und vor allem das zu gestaltende Filetstück Quartier Süd nun auf der Agenda der Stadtplaner und Parlamentarier, die final darüber befinden müssen. Nachdem das noch bis Jahresende industriell genutzte Gelände der Branntwein-Bundesmonopolverwaltung durch die städtische Gewobau erworben werden soll, steht das restliche Areal der Industriebrache vorrangig zur Umgestaltung an.

Das Gebiet zwischen der Schleussner-, Frankfurter Straße und Hugenottenallee soll unter dem Arbeitstitel „Urbanes Wohnen und Arbeiten“ nach hohen ökologischen Standards gestaltet werden. Damit die von der Stadt angestrebten Ziele für den Bereich des ehemaligen Agfa-Geländes, des ehemaligen Geländes der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein und den umgebenden Flächen nicht durchkreuzt werden, hat das Stadtparlament nun einen erneuten Aufstellungsbeschluss (der alte stammte aus 2011) für den Bebauungsplan Nr. 55 „Stadtquartier Süd“ gefasst und eine Veränderungssperre beschlossen.

Durchschnittlich fünf Geschosse soll die neue Wohn- und Gewerbebebauung hoch werden. Parkplätze sollen vor allem in Tiefgaragen oder in Parkpalletten untergebracht werden, um die Aufenthaltsqualität nicht zu stören.

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Markenzeichen des Quartiers soll eine mitten durch verlaufende Grünanlage mit dem Quartiersplatz an der Schleussnerstraße werden. Doch wie groß sollen der Platz und der Park sein? Wie groß der Bereich der öffentlichen Flächen? Und wie viel öffentlich geförderte Wohnungen soll es geben? Dazu lagen Anträge unterschiedlicher Fraktionen vor.

Erfolg hatte die Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und FWG mit ihrem per Änderungsantrag vorgebrachten Wunsch, dass der Grünstreifen in der Mitte des Quartiers auch als großer Park wirken kann. Zur „Sicherung einer hohen städtebaulichen Qualität im Quartier Süd“ sei es erforderlich, „für den Bereich der öffentlichen Freiflächen ein wettbewerbsähnliches Verfahren durchzuführen“. Neben der anspruchsvollen Gestaltung des Quartiersplatzes und des mittig liegenden Parks „ist es Ziel, die fließenden Übergänge und Zusammenhänge zwischen den öffentlichen und privaten Freiflächen, im Interesse eines einheitlichen Bildes, zu gestalten“, so der Antrag.

Thilo Seipel (FDP) plädierte dafür: „Wir sollten uns da viel Grün gönnen.“ Und Fraktionskollege Jörg Müller erläuterte, es solle dadurch auch vermieden werden, dass die an den öffentlichen Park angrenzenden Privatgrundstücke durch Zäune abgegrenzt werden. „Wir wollen dadurch eine visuelle beträchtliche Vergrößerung der öffentlichen Freifläche erreichen“, so Müller. Die vier Meter Abstand zur Bebauungsgrenze sollen also „öffentlich“ bleiben.

Wichtiger war den Fraktionen von Linken und SPD die Festschreibung einer neuen Kindertagesstätte fürs Quartier, deren Standort im vorliegenden Plan vermisst wurde. Hierzu erläuterte Patrick Föhl: „Eine Kita kommt selbstverständlich da hin, das wird in einem städtebaulichen Vertrag geregelt.“ Maria Sator-Marx (Grüne) merkte an, „wir werden auch in Isenburg lernen müssen, dass eine Kita nicht zwingend immer ein Solitärbau sein muss“. Sondern sie könne durchaus auch Bestandteil eines größeren Komplexes sein. Wer die neue Kita betreibt, darüber wurde freilich noch nicht diskutiert.

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Nicht durchsetzen konnten sich die Linken mit ihrer Forderung, einen Prozentsatz an öffentlich geförderten Wohnungen festzuschreiben – der Vorschlag der Linken lag bei 30 Prozent. „Wir wollen auch in diesem Quartier bezahlbare Wohnungen für Menschen, die finanziell nicht so gut gestellt sind“, forderte Edgar Schultheiß (Linke). Denn „trotz eines relativ hohen Altbestandes von Sozialwohnungen in Neu-Isenburg“ bestehe aus seiner Sicht weiterhin Bedarf an bezahlbaren und geförderten Wohnungen. Und auch die SPD plädierte dafür, zumindest einen „Anteil“ von Sozialwohnungen zu sichern.

Dazu merkte Sator-Marx an, dass sich zwölf der 13 Kreiskommunen an Neu-Isenburg ein Beispiel nehmen könnten was den Anteil an Sozialwohnungen betreffe. Von Anfang an hat sich Bürgermeister Herbert Hunkel dafür eingesetzt, die historischen Gebäude des Branntweinmonopol-Areals zu erhalten. Angestrebt ist eine Nutzung mit öffentlichen, sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie Markthalle, Café und Gastronomie. „Hier wird ein richtiger urbaner Treffpunkt entstehen“, verspricht Hunkel.

Und wie geht’s jetzt weiter auf dem Weg zum neuen Stadtquartier? Da nun die rechtliche Grundlage steht, hofft die Stadt, im März 2018 den Bebauungsplan festklopfen und die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung aufs Gleis setzen zu können. Eine ganz dicke Nuss sind dann noch die Verhandlungen über den Erschließungsvertrag. Ist die geknackt, könnten 2019 die ersten Bagger anrücken.

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