Magistrat leitet Verfahren ein

Stadtquartier wasserdicht bekommen

Neu-Isenburg - Die Nachbarstadt Dreieich hat schon schlechte Erfahrungen damit gemacht. Die Dichtevorgaben für den Wohnungsbau im Regionalplan Südhessen führten dort zu einer Niederlage vor Gericht und zu einer Verzögerung beim Götzenhainer Baugebiet „Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße“. Von Holger Klemm 

Damit Neu-Isenburg beim Stadtquartier Süd nicht auch so etwas passiert, leitet der Magistrat ein Verfahren zur Abweichung vom Regionalplan ein. Mit diesem Schritt möchte der Magistrat die Voraussetzungen für die Umsetzung des von den Stadtverordneten im Juni 2014 verabschiedeten Rahmenplans schaffen. Dessen Entwicklung fand unter Beteiligung der Bevölkerung statt.

Noch weicht das Konzept für das Stadtquartier Süd von den Vorgaben des Regionalplans in einigen Punkten ab. Das Verfahren umfasst die bislang überwiegend gewerblich-industriell genutzten Flächen des Agfa-Geländes und der Bundesmonopolanstalt für Branntweinverwertung zwischen Schleussner-, Frankfurter Straße und Hugenottenallee sowie das ehemalige DLB-Areal in der südlichen Hugenottenallee. Ziel ist es, ein lebendiges Quartier zum Wohnen und Arbeiten in direkter Nähe zum Stadtzentrum zu entwickeln, das sich in seine Umgebung einfügt und zum Anziehungspunkt wird. Der Rahmenplan sieht ein Verhältnis von 60 Prozent Wohnflächen und 40 Prozent Büroflächen vor. Der geplante hohe Anteil an Wohnungen läuft den bisherigen Vorgaben des Regionalplans zuwider. Dieser sieht für das Areal vorrangig eine gewerbliche Nutzung vor. Auch die Dichteobergrenze für Wohnbauflächen, die in Neu-Isenburg bei 60 Wohneinheiten pro Hektar liegt, ist mit dem Stadtquartier nicht vereinbar. Demnach könnten maximal 408 Wohneinheiten entwickelt werden, geplant sind jedoch zwischen 500 und 580, die nach Meinung der Planer städtebaulich verträglich sind.

Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt sehen deshalb die bestehenden Vorgaben kritisch. „Der Vorrang der gewerblichen Nutzung im Stadtquartier Süd und die Dichteobergrenze entsprechen nicht dem Bedarf der Stadt Neu-Isenburg, deren Wohnungsmarkt im Ballungsraum Rhein-Main in unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankfurt vor besonderen Herausforderungen steht.“ Die Lage des Stadtquartiers Süd in direkter Nähe zum Stadtzentrum, das städtebauliche Konzept und nicht zuletzt die gute Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel rechtfertigen nach Ansicht der beiden Hauptamtlichen eine Abweichung von den Vorgaben des Regionalplans.

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Das sei mit den jeweiligen Behörden auch im Vorfeld intensiv erörtert worden. Bereits im Jahr 2012 wurde diese Vorgehensweise nach Angaben des Ersten Stadtrats mit dem Regionalverband und 2014 konkret mit dem Regierungspräsidium in Darmstadt abgestimmt. In der Begründung des Antrages weist der Magistrat auch auf die anhaltend dynamische Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung im Ballungsraum Rhein-Main hin. Mit dem Stadtquartier Süd könne dieser Nachfrage Rechnung getragen werden. Die Stadtverordneten werden sich auf ihrer morgigen Sitzung (siehe Artikel auf dieser Seite) mit dem Thema beschäftigen. Zeitgleich werden auch die beiden benötigten Bebauungspläne entwickelt. Mit dem Beschluss zur Offenlage wird Ende 2015/Anfang 2016 gerechnet.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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