Einst heiß umworben

Stadtteilfest erinnert an Eingemeindung vor 40 Jahren

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Das Bühnenprogramm des Stadtteilfests bestreiten unter anderem die Kids der Kita Zeppelinheim mit ihrer Tanzdarbietung.

Neu-Isenburg - Das Stadtteilfest in Zeppelinheim stand ganz im Zeichen der „Eingemeindung“ nach Neu-Isenburg vor 40 Jahren. Zeitzeugen und Zuhörer erinnerten sich im Bürgerhaus an die damals turbulenten Ereignisse. Von Leo F. Postl 

In der Gesprächsrunde ließen Zeitzeugen die aus heutiger Sicht dramatischen Ereignisse Revue passieren – und zeigten, dass für Zeppelinheim alles ganz anders hätte kommen können. Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel moderierte die Runde, in der die damaligen „Verhandlungspartner“ von Zeppelinheim mit den Städten Frankfurt und Neu-Isenburg sowie Bürger zu Wort kamen. Vor der hessischen Gebietsreform bis 1977 weckte die kleine Gemeinde Zeppelinheim mit ihrem großen „Inkasso-Anteil“ am Gewerbe auf Gemarkung des Frankfurter Flughafens die Begehrlichkeit der Mainmetropole.

In der bis heute legendären Bürgerversammlung buhlten der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt und Isenburgs früherer Rathauschef Hans-Erich Frey um die Gunst Zeppelinheims. „Ich habe nicht nur die finanziellen Vorzüge eines Beitritts zu Neu-Isenburg herausgestellt, sondern auch die Nähe zur Verwaltung und das menschlich bessere Miteinander“, erinnerte sich Frey. Die „Volksabstimmung“ ergab dann 370 Ja-Stimmen für den Anschluss an Neu-Isenburg und nur 30 für den an Frankfurt. „Mit dir rede ich mein Leben lang kein Wort mehr“, soll Arndt damals zu Frey gesagt haben, als er wütend die Versammlung verließ.

Herbert Becker, Oliver Quilling, Herbert Hunkel, Hans-Erich Frey, Wolfgang Bergenthal und Walter Winter (von links) erinnern sich an die turbulenten Ereignisse vor der Eingemeindung vor 40 Jahren.

Wie der ehemalige Zeppelinheimer Bürgermeister Herbert Becker heute sagt, hatte der Entschluss weitreichende Folgen. „Hätten sich die Zeppelinheimer für Frankfurt entschieden, wäre wohl nicht die Startbahn West, sondern die Südbahn gebaut worden – dies hätte für Zeppelinheim das Aus als Wohnstadt bedeutet“. In der Stadtverordnetenversammlung wären die wenigen Nein-Stimmen der Zeppelinheimer nämlich untergegangen. Landrat Oliver Quilling, von 1995 bis 2009 Bürgermeister von Neu-Isenburg, findet: „Die Zeppelinheimer haben bis heute ihren eigenen Charakter bewahrt“ – und verweist auf die Anfrage, ob die damaligen Feuerwehrfahrzeuge der Wehr die Aufschrift Zeppelinheim tragen dürften.

Zeppelinheim feiert sich beim Stadtteilfest: Bilder

Abseits des Ausflugs in die Historie stand der Spaß beim Stadtteilfest im Vordergrund: Der Familiennachmittag bestach durch Hüpfburg, Kinderschminken, den Kinderzirkus Wannabe sowie die Dino-Kindereisenbahn. Große Augen machten die Kleinen beim Besuch von Eichhörnchen „Isy“ der Stadtwerke. Auf der Bühne standen neben der Band „The 5 Strangers“ die Kinder der Kita Zeppelinheim und der Betreuung der Selma-Lagerlöf-Schule und zeigten Tänze. DJ Tequila legte am ersten Abend Partyhits auf. „Das Experiment, mit einem DJ den Freitagabend zu gestalten, lief perfekt. Die Leute haben bis ein Uhr getanzt“, sagt Dagmar Seitz vom Bürgerhaus Zeppelinheim.

Gestern gab es dann den traditionellen ökumenischen Gottesdienst, bevor das Mühlbacher Trio zum Frühschoppen spielte – und das Zeppelinheimer Stadtteilfest damit zu Ende ging. Auch wenn die Feuerwehr bis heute mit dem Schriftzug Zeppelinheim umherfährt, hebt Bürgermeister Hunkel hervor, dass nach 40 Jahren alles zusammengewachsen ist: „Wir Isenburger sind froh, auch Zeppelinheimer sein zu dürfen und ihr Zeppelinheimer seid bei uns bestens aufgehoben.“

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