Wegfall von 62 Wohnungen aus der Sozialbindung

Gewobau kontert Kritik: „Kein Grund zur Beunruhigung“

Neu-Isenburg - Die Nachricht von Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) schlug einige Wellen. So informierte der Rathauschef darüber, dass die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobau in diesem Jahr 52 Wohnungen aus der sozialen Bindung verliert. Im kommenden Jahr sind es weitere zehn. Von Nicole Jost 

Hunkel lieferte in seinem Anschreiben aber gleich die Information mit, dass sich für die Mieter nichts ändern werde und ihnen keine Nachteile oder höhere Kosten entstehen. Heftige Kritik kam dennoch von SPD und Linken. Dirk Gene Hagelstein und Edgar Schultheiß erinnerten vor allem an die „vertane“ Chance, im Stadtquartier Süd einen Teil der neuen Wohnungen in einem Programm des geförderten Wohnungsbaus zu errichten und langfristig für mehr preiswerten Wohnraum in der Stadt zu sorgen. Auch die späte Information ärgerte beide.

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Stephan Burbach, Geschäftsführer der Gewobau, erklärt, warum die 62 Wohnungen aus der Bindung fallen. Er sagt auch, dass dies keine Sorge bereiten muss: „Die 62 Wohnungen für 2018 und 2019 sind der Anfang von einer ganzen Reihe von Wohnungen, deren Bindung in den kommenden Jahren ausläuft“, sagt Burbach. Er habe die Entwicklung sehr genau im Blick: „Bis 2026 werden insgesamt 308 Wohnungen aus dem sozial geförderten Wohnungsbau fallen.“ Dies sei aber ein sehr normaler Prozess. In den vergangenen zehn Jahren habe die Gewobau die Bindungen für über 300 Wohnungen verlängert. „Es gibt vom Land immer wieder sehr unterschiedliche Programme, die den Städten sozialen Wohnungsbau ermöglichen. In den 90er Jahren waren es ganz langfristige Verträge, von denen wir auch einige haben. Dann sind die Häuser bis 2090 in der Bindung und wir müssen uns lange nicht darum kümmern“, so Burbach. Genauso gebe es aber alte Verträge, die auslaufen. „Wir schauen immer frühzeitig, ob es für uns passende Möglichkeiten zur Verlängerung gibt“, betont der Geschäftsführer. In den vergangenen zehn Jahren waren es vor allem Modernisierungsprogramme, die für das Unternehmen interessant waren. Die Gewobau hat dutzende Wohnungen saniert und die Sozialbindungen damit über zehn bis 15 Jahre verlängern können. „2015 bis 2017 gab es kombinierte Ergänzungsprogramme in Zusammenarbeit mit der WI-Bank, die es uns ermöglicht haben, 136 Wohnungen für weitere 30 Jahre zu halten“, erläutert Burbach.

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Für dieses Jahr habe es noch kein passendes Programm gegeben, aber er kümmere sich derzeit intensiv um neu ausgeschriebene Förderungen des Landes. Das Ziel sei es immer, die mehr als 1 000 Wohnungen der Gewobau, die als sozialer Wohnungsbau ausgewiesen sind, auch weiter in der Bindung zu halten. „Für die Mieter, die in den betroffenen 62 Wohnungen leben, die jetzt rausgefallen sind, wird sich nichts verändern. Die Gewobau wird diese Wohnungen so behandeln, als hätten sie die Bindung noch, wir nehmen das jetzt auf unsere Kappe“, verspricht Burbach.

Allerdings blieben Mieter in geförderten Wohnungen nicht von Mieterhöhungen verschont. Die Steigerungen seien aber nicht höher als ein bis 1,5 Prozent.

Bewerber müssen Einkommen offen legen

Die Mieten in Sozialwohnungen liegen zwischen 15 und 25 Prozent unter den ortsüblichen Preisen. Das Belegungsrecht liegt bei der Stadt. Bewerber müssen ihr Einkommen offenlegen. Bei den Förderprogrammen für Geringverdiener dürfen Alleinstehende nicht mehr als 15.327 Euro netto im Jahr verdienen, um eine 50-Quadratmeter-Wohnung zu bekommen. Bei einer vierköpfigen Familie und einer entsprechend größeren Wohnung liegt die Netto-Einkommensgrenze bei 33.800 Euro im Jahr. Die Gewobau hat noch rund 100 Wohnungen im Bestand, bei denen andere Regeln gelten und die Einkommensgrenzen noch höher liegen: hier dürfte eine Person 23.400 Euro netto verdienen, um Mieter einer solchen Gewobau-Wohnung zu werden, bei der vierköpfigen Familie liegt die Grenze bei 43.000 Euro netto.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Susann Prautsch/dpa

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