Ingo Appelt beim Gastspiel

Zum Schluss ein Striptease

Neu-Isenburg - Man kennt ihn anstandslos, derb und unverblümt. Umso überraschender, wenn sich ausgerechnet Ingo Appelt als geläuterter Wanderprediger auf Tournee begibt und mit seinem neuen Programm „Göttinnen“ der Anbetung der Frauen verschreibt. Von Sina Gebhardt

Nur gut, dass Papier geduldig ist, denn trotz seiner vermeintlichen Erleuchtung zeigte der Komiker am Donnerstag in der Hugenottenhalle, dass er verbal keine anderen Töne anschlägt.

Halleluja! Der selbst ernannte „Messias der Weiblichkeit“ ist da! Brav predigt Appelt, wovon er glaubt, dass Frauen es hören wollen: „Ihr seid Göttinnen, ihr seid ein Geschenk.“ Ebenso brav bejahen die anwesenden Damen im Saal jubelnd jede seiner diesbezüglichen Bemerkungen. Die Maske des Frauenverstehers steht Appelt jedoch mehr schlecht als recht, die exzessiven Lobhudeleien aufs weibliche Geschlecht strotzen vor Unglaubwürdigkeit. Bleibt also nur zu beten, dass es sich hierbei tatsächlich um Ironie handelt.

Trost für Appelt-Fans

Ein Trost für Appelt-Fans ist, dass der Comedian wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt. Kraftausdrücke gehören zum Programm und das Humorniveau bewegt sich nahezu unablässig unterhalb der Gürtellinie. Zoten und Kalauer reihen sich aneinander („Früher konnte man Frauen noch an den Haaren in die Höhle ziehen. Heute sind sie untenrum rasiert“), sexuell konnotierte Witze kommen wie vom Fließband („Wozu brauchen Frauen noch einen Mann? Weil Vibratoren nicht Rasen mähen können.“), aufgewärmte Sprüche werden geklopft. Ein großes Manko des Künstlers, dass die teilweise vorhandenen guten Ansätze sich in abgekupferten Gags auslaufen.

Lässt sich der Komiker über „frauenfeindliche Religionen“ und Politiker aus, bleibt das Programm anspruchslos. Appelt verliert sich in langatmigen Possen über Schäuble und Co., prangert Merkel als biologische Waffe an.

Einzig bei seinen Imitationen kann er auf ganzer Linie überzeugen: Treffend ahmt der Comedian seine Berufsgenossen Michael Mittermeier, Mario Barth und Dieter Nuhr nach und überzeugt als Gerhard Schröder ebenso wie als Til Schweiger.

Comedypreis 2012: Alte Gesichter - wenig Nachwuchs in Sicht

Comedypreis 2012: Alte Gesichter - wenig Nachwuchs in Sicht

Unter Appelts Leitung verpufft der unerschöpfliche Pointen-Zündstoff rund um den Mann-Frau-Konflikt im altgedienten Geschlechterkampf zwischen dem Testosteron-Monster und dem göttlichen Wesen. Die Botschaft seiner Predigt ist und bleibt bis zum Schluss, dass seine männlichen Artgenossen nur das Eine wollen und zum „biologischen Verarschungsprogramm“ mutieren, um ihr Ziel zu erreichen.

Fürs große Finale legt der Comedian als Lindenberg-Westernhagen-Grönemeyer-Double seinen „Striptease for Germany“ hin und entkleidet sich dabei bis zur Latex-Unterhose. Danach findet der Abend nach einem fast dreistündigen Programm ein Ende. Halleluja!

Rubriklistenbild: © dapd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare