1. Ski & Snowboard Club musste Jubiläumsfeier wegen Corona verschieben

Starker Zusammenhalt der Neu-Isenburger Skifahrer

Verein mit Herz: Beim 1. Ski & Snowboard Club wird Geselligkeit groß geschrieben – so wie hier bei der Erwachsenen-Trainingsfahrt Anfang 2020 in Wildschönau.
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Verein mit Herz: Beim 1. Ski & Snowboard Club wird Geselligkeit groß geschrieben – so wie hier bei der Erwachsenen-Trainingsfahrt Anfang 2020 in Wildschönau.

Die Stadt Neu-Isenburg ermöglicht es den Vereinen, die durch die Corona-Pandemie schwer gebeutelt sind, sich online zu präsentieren. Diese Möglichkeit hat der 1. Ski & Snowboard Club wahrgenommen.

Neu-Isenburg – „Wir sind ein preisgünstiger Verein“, schmunzelt Heinrich Paul, 72-jähriger Vorsitzender des 1. Ski & Snowboard Club Neu-Isenburg. Denn Erwachsene ab 26 Jahren zahlen hier nur 36 Euro Beitrag – im Jahr. „Anderswo zahlen sie das im Monat“, erklärt Paul. Und im fortgeschrittenen Alter (ab 65 und 80 Jahren) sinken die Beiträge wieder. Auch Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene bis 25 Jahre sind mit einem geringeren Beitrag dabei.

Das ist allerdings nichts gegen den Mitgliedsbeitrag im Gründungsjahr. Als 17 Skibegeisterte – zum Teil waschechte Isenburger, zum Teil Zugezogene aus dem Erz- und Riesengebirge – im November 1950 den Club ins Leben riefen, war auf den erster Mitgliederversammlung eine Woche nach der Gründung auch die Festsetzung des Mitgliedsbeitrags ein Thema. Die Versammlung einigte sich damals auf 70 Pfennig im Monat.

Die Überlegung von Gerhard Elsner, auf der Mitgliederversammlung zum zweiten Vorsitzenden und Sportwart des Vereins gewählt, und seinen Brüdern Bruno und Paul – die drei galten als Initiatoren der Vereinsgründung – war, dass die Skifreunde in einer Gemeinschaft ihren Sport besser organisieren und pflegen können und die Möglichkeit haben, an Wettkämpfen teilzunehmen. Den Sommer wollte man mit gemeinsamem Training überbrücken, Wanderungen unternehmen und die Geselligkeit pflegen.

Gepflogenheiten, die auch 71 Jahre später im Leben des Vereins noch einen hohen Stellenwert einnehmen. Da ist zum einen die wöchentliche Skigymnastik, die normalerweise dienstags in der Albert-Schweizer-Schule, in Corona-Zeiten allerdings online über das Programm Zoom stattfindet. In Susanne Ötzel, Dagmar Promberger und Claudia Prechtl teilen sich hier drei lizenzierte Trainerinnen die Arbeit. Auf dem Programm stehen zudem gemeinsame Wanderungen, Joggen und Radfahren. „Die Radtouren über 15 bis 20 Kilometer führen rund um Neu-Isenburg herum“, erklärt der Vorsitzende.

„Für 2021 haben wir allerdings alle geplanten Trainingsfahrten in den Schnee abgesagt“, bedauert Paul. Darunter auch die beliebte Familienfahrt, bei der alle Interessierten unter Anleitung der heimischen Ski- und Snowboard-Übungsleiter trainieren können. 2020 war der 1. Ski & Snowboard Club mit 70 Teilnehmern nach Wald-Königsleiten ins Zillertal in Österreich gefahren, rund die Hälfte der Teilnehmer waren Kinder und Jugendliche. „Das ist das Rundum-Sorglos-Paket“, meinte eine Mutter über diese Tour, weil der Nachwuchs auch nach dem Skifahren mit Schwimmen und Spielen bestens beschäftigt ist.

Diese Fahrt ist auch im kommenden Jahr geplant – ebenso wie die Erwachsenenfahrt im Februar nach Wildschönau in Tirol und eine weitere Familienfahrt in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm nach Südtirol.

Die erste große gemeinsame Veranstaltung hatte übrigens bereits wenige Monate nach der Vereinsgründung stattgefunden: Mit dem Bus ging es in den Schwarzwald zur Darmstädter Hütte, die auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder ein beliebtes Fahrtenziel war. Gleichzeitig fanden dort die ersten alpinen Club-Meisterschaften statt.

Stadt Neu-Isenburg unterstützt Vereine mit Videoclip-Aktion

Aufgrund der Corona-Regelungen ist momentan an Gemeinschaftssport oder kulturelle Veranstaltungen nicht zu denken. Das Vereinsleben kam während des Lockdowns zum Erliegen. Neue Mitglieder bleiben aus, denn es gibt keine Anreize für Neueintritte, wenn das Angebot nicht stattfindet. Das stellt viele Vereine vor finanzielle Herausforderungen. Denn sie leben von ihren Mitgliedern, auch wegen des Monatsbeitrags. Die Stadt möchte die Vereine in diesen schwierigen Zeiten unterstützen. Damit sie dennoch nicht in Vergessenheit geraten, will der Fachbereich Sport helfen und gibt Sport- und Kulturvereinen die Möglichkeit, sich im Internet vorzustellen. Sie wurden angeschrieben und eingeladen, sich mit kurzen Videoclips den Bürgern auf der städtischen Facebook-Seite zu präsentieren. Wer diese Option nicht hat, der bekommt die Gelegenheit, mit einem Link auf seine digitalen Medien zu verweisen. Bisher sind neben dem Ski & Snowboard Club unter anderem Videos zu sehen vom Karnevalvereins „Die Watze“ oder dem Rollsportverein Solidarität. Weitere, die sich fürs Projekt interessieren, können sich unter Tel. 06102 36783 informieren. 

In Spitzenzeiten gehörten dem Club rund 350 Mitglieder an, aktuell sind es nur noch knapp 230. „Wir haben in der Jugendarbeit Defizite“, stellt der Vorsitzende fest, „es gibt leider immer weniger junge Menschen, die ein Ehrenamt übernehmen.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass der Verein auch in diesem Bereich zukünftig wieder mehr bewegen kann.

Ausgefallen ist in vergangenen Jahr auch die 70-Jahr-Feier des Vereins. „Da hatten wir schon alles geplant“, sagt Heinrich Paul. Angedacht war die große Sause im Naturfreundehaus im Rahmen des Open-Doors-Festivals. Zunächst sollten die Feierlichkeiten um ein Jahr verschoben werden, nun aber müssen die Skifreunde erneut umplanen. „Entweder wir holen die Feier 2022 nach oder wir warten noch drei Jahre und lassen es dann zum 75-Jährigen richtig krachen“, blickt Paul voraus. (Von Patrick Leonhardt)

Infos im Internet

ski-club-neu-isenburg.de

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