Offener Brief gegen Verlängerung

Die RTW stößt auf Widerstand

Das Baugebiet Birkengewann nimmt langsam Formen an. Links ist die Friedhofstraße zu sehen. Auf dem dortigen Grünstreifen soll einst die RTW fahren. Doch dagegen regt sich Widerstand.  (c)Foto: Postl
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Das Baugebiet Birkengewann nimmt langsam Formen an. Links ist die Friedhofstraße zu sehen. Auf dem dortigen Grünstreifen soll einst die RTW fahren. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Neu-Isenburg - Bereits bei den Infoveranstaltungen der Stadt zur RTW wurden kritische Stimmen gegen eine Verlängerung der Trasse bis ins Birkengewann laut, auch im Netz wird kräftig diskutiert.

Nun macht Ulrich Gottschalck seinen Bedenken Luft: In einem Offenen Brief an Bürgermeister Herbert Hunkel listet der Isenburger Gründe auf, die aus seiner Sicht gegen eine Verlängerung sprechen – und plädiert für einen Bürgerentscheid. Hunkel hat umgehend reagiert. Ihm ist es wichtig, „gemeinsam mit den Bürgern eine gute Lösung für uns alle zu entwickeln“ – auch in einer Planungswerkstatt.

Nach der Online-Petition gegen die RTW in Neu-Isenburg reiht sich nun Ulrich Gottschalck in die Reihe der Gegner ein. In seinem offenen Brief sieht er in der RTW-Verlängerung keinen Nutzen für die Neu-Isenburger. Die Endhaltestelle Birkengewann/Gewerbegebiet Ost (und die geplanten 750 P&R-Parkplätze) dienten hauptsächlich dazu, Einpendler der Umlandgemeinden zu einem Bahnanschluss am östlichen Stadtrand zu locken.

Gottschalck kritisiert, dass keine belastbaren Fahrgastprognosen vorlägen und eine Nutzen-Kosten-Neuberechnung nicht veröffentlicht werde. Trotz des anerkennenswerten Bemühens von Magistrat und Bürgermeister um die Einbindung der Bürger werde die Planung weiter vorangetrieben, obwohl sie nicht im Regionalplan verankert sei. Dabei sei der etwa 570 Meter lange Bahnkörper auf der Friedhofstraße mit erheblichen Behinderungen und einer erhöhten Unfallgefahr verbunden.

Der Anwohner fordert einen Bürgerentscheid zur Verlängerung parallel zur Landtagswahl Ende Oktober. Der Bürgermeister werde ermutigt, zeitnah für entsprechende Transparenz und für eine umfassende Aufklärung Sorge zu tragen.

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Im Anschluss führt er zehn „eindeutige“ Gründe auf, die Strecke bis zum Birkengewann nicht umzusetzen. Es gebe kaum eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs bis 2030 durch die RTW auf der Ost-West-Achse sowie eine geringe Verlagerung auf den ÖPNV in Ermangelung von ausreichend lokalem Fahrgastaufkommen. Gottschalck befürchtet eine erhebliche Trennwirkung auf der Friedhofstraße durch den Schienenstrang, eine massive Beeinträchtigung an neuralgischen Knotenpunkten durch die Vorrangschaltung für die Schiene sowie eine erhöhte Unfallgefahr durch den Wegfall separater Fahrspuren sowie ein hohes Konfliktpotenzial Tram/Auto, Auto/Fahrrad und Fahrrad/Fußgänger. Weitere Argumente seien die Lärmbelastung im Bereich der Haltestellen und an den geplanten P&R-Mobilitätsstationen, die fehlende Doppelspur für den RTW-Begegnungsverkehr, die Einsparung von 17 Millionen durch den Verzicht auf die Gleise sowie der Wegfall von Infrastrukturkosten. Gottschalck glaubt zudem, dass die RTW-Nachfrage mit bestehenden Buslinien im Shuttlebetrieb zum Bahnhof abgedeckt werden könnte. Stattdessen würden Investition der freigesetzten Steuermittel unter anderem in Kitas, Bolzplätze, Fahrradwege oder Sportanlagen möglich.

Auf Anfrage unserer Zeitung betont Hunkel, dass er Gottschalck eine schnelle Antwort zukommen lassen will. Er verweist auf die Gründe, eine RTW-Verlängerung zu untersuchen. Das seien die enorme Verkehrsbelastung in der Friedhofstraße, das neue Baugebiet Birkengewann, die Beschwerden von Anwohnern aus dem südöstlichen Buchenbusch über „Fremdparken“ durch Mitarbeiter des Gewerbegebiets Ost sowie der Wunsch von Unternehmen nach einer guten ÖPNV-Anbindung an den Arbeitsort gewesen. Die Machbarkeitsstudie in Absprache mit der RTW-Gesellschaft sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Verlängerung technisch möglich sei und das Nutzen-Kosten-Verhältnis der RTW sogar insgesamt verbessere. Deshalb habe der Aufsichtsrat einer Verlängerung grundsätzlich zugestimmt.

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Von Anfang an sei es darum gegangen, die Bürger frühzeitig und intensiv zu informieren und sie an der Meinungsbildung und Planung zu beteiligen. Insgesamt habe es 85 Fragen gegeben, von denen 78 bereits geklärt und sieben noch in Bearbeitung seien.

„Ich sehe aber auch große Chancen und eine Verpflichtung, unser liebenswertes Isenburg so weiter zu entwickeln, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden“, so Hunkel. Dazu gehöre eine hervorragende Infrastruktur. An der Notwendigkeit des Projekts lässt er keinen Zweifel: „Wir brauchen die Regionaltangente und damit eine bessere Verkehrsanbindung.“

Aktuell sei man noch mitten in den Untersuchungen für die RTW in Neu-Isenburg. Eine konkrete Planung werde Ende des Jahres vorliegen. Dabei sollen die Bürger intensiv beteiligt werden. Hunkel kündigt die Einrichtung einer Planungswerkstatt an.

Ein Bürgerentscheid stoße bei ihm grundsätzlich auf offene Ohren. In der konkreten Frage gebe es allerdings juristische Zweifel, da es sich hier um ein landesrechtliches Bauleitverfahren handelt.

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Eine sehr wichtige Grundlage für eine abschließende Einschätzung zur RTW sei das vom Verkehrsbüro Habermehl & Follmann entwickelte Stadtentwicklungskonzept Mobilität 2030 für die Stadt. Die Untersuchungen kämen zu dem Ergebnis, dass der motorisierte Individualverkehr in Isenburg bis 2030 um 30 Prozent ansteige. Wenn man nichts tue, würden eines Tages die Kreuzungen auf der Achse Carl-Ulrich-/Friedhofstraße überlastet und lange Staus bis zum Stillstand zum Verkehrsalltag gehören. „Das kann meines Erachtens keine verantwortliche Stadtpolitik sein“, sagt Hunkel. Das Büro geht nach Untersuchungen davon aus, dass durch die RTW-Verlängerung und weitere Maßnahmen die Verkehrsmenge, die bei Nichtstun bis 2030 auf der Friedhofstraße zu erwarten sei, um 45 Prozent reduziert werden könnte.

Das Büro wird das Konzept im Bauausschuss am Mittwoch, 11. April, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses vorstellen. (hok)

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